SCHLESWIG-HOLSTEIN

 

"Wind Art" Travemünde

Hier dreht sich alles nach dem Wind

11. Juli 2011 | Von Anja Werner

Bunt und beweglich: Eines der kinetischen Kunstwerke auf dem Fährplatz, dem Mittelpunkt der drei Kilometer langen Wind Art. Foto: okpress

Kinetische Energie und Kunst - Travemünde lockt zu einer Ausstellung der besonderen Art. Auf der "Wind Art" sind 40 Objekte rund ums Thema Wind zu sehen.

Travemünde. Faszination Wind. Unsichtbare Kraft, deren Wucht das Land zwischen den Meeren modelliert. Die Wolken und Wasser treibt, mit dem ewigen Ziel ungleichen Druck auszugleichen, Gegensätze zu überwinden. Die durchs Haar fährt, über die Haut streicht, Respekt vor den Naturgewalten erzeugt, die Sinne belebt, tiefe, ganz ursprüngliche Gefühle auslöst.

Die Vielfalt der kinetischen Kraft lässt sich nirgendwo im Land intensiver spüren, erleben und erforschen als in Travemünde. Dort ist seit Sonntag die dritte, in ihrem Umfang bisher einmalige "Wind Art" eröffnet. 40 Objekte, die mit dem Wind spielen, können vom Fischereihafen bis zur neuen Seebrücke am Ende der Promenade auf dem drei Kilometer langen Kunstpfad bestaunt werden. Der Eintritt zur im Land einzigartigen Ausstellung im öffentlichen Raum ist frei.

Schüler entwickelten vier Broschüren

Namhafte kinetische Künstler aus mehreren Ländern haben in den vergangenen Wochen ihre Objekte aus Stahl, Stoff oder Segeln aufgebaut. Erstmals wurden in Kooperation mit weiterführenden Schulen vier Informationsbühnen zum Ausstellungsthema "Wind für die Sinne, die Segel und die Energie" entwickelt und aufgebaut. Dabei geht es von den Mühlen der Antike und Rahsegeln des Mittelalters über die Segel der europäischen Eroberer bis hin zu innovativen Windenergie-Konzepten.

Zu den namhaften Kinetik-Künstlerinnen, die von der ersten Idee an Feuer und Flamme für die Wind Art sind, zählt die Pinnebergerin Gisela Meyer-Hahn. Nach ihrer "Windbake" im Vorjahr - einem Segel aus bunten Stoffkreisen, die sich durch den Impuls des Windes um die eigenen Achse zu einem permanent beweglichen Bild drehen - macht sie in diesem Jahr mit ihrer Doppelhelix den Wind an der Trave sichtbar, platziert auf dem Fährplatz. "Ich brenne für diese Art von Kunst. Auf eine Plattform für kinetische Kunst habe ich lange gewartet. Das Land hat sich mit dem Phänomen Windkraft künstlerisch leider bisher noch nicht auseinander gesetzt", sagt Meyer-Hahn.

Geburtsstube feiert 460. Geburtstag

Das Herz der "Wind Art" bleibt ihre Geburtsstube - die Alte Vogtei samt Kinetik-Ideenhof, Travemündes ältestes Gebäude, das in diesem Jahr seinen 460. Geburtstag feiert. Mit beispielhaftem Privatengagement wurde der historische Bauschatz, von dem aus die Lübecker Vögte einst über die Sicherheit der Hansestadt wachten, über Jahre mit viel Geduld und Optimismus restauriert. Danach zu einem feinen Kulturzentrum mit Galerie, Kleinkunst, Künstlercafé, edlen Weinen, Schokoladen und Teesorten umgebaut. Dahinter steht Dr. Egon Schmitz-Hübsch, zugleich Vorsitzender des Vereins "Kunst und Kultur zu Travemünde", dem Wind Art-Veranstalter. "Warum Durchschnittliches tun, wenn das Beste doch für alle Seiten nur ein Gewinn sein kann", nennt Schmitz-Hübsch die Philosophie für die Vogtei und das Event, dessen Brise das ehrwürdige Ostseebad erfrischen soll.

Was bedeutet es, wenn sich eine Spirale permanent um sich selbst dreht? Welchen Weg sucht sich der Windimpuls am kinetischen Objekt? Welche Übertragungen bietet diese Energieumsetzung dem Betrachter? Eine Unendlichkeitsbewegung sei auch die Spirale des menschlichen Erbguts, der DNA. Doch jeder soll selbst sehen und spüren, was die mit Naturkräften interagierende Kunst in ihm auslöst, sagt Gisela Meyer-Hahn.

Dazu sind alle in Travemünde bis zur Abschlussveranstaltung am 24. September eingeladen. Teil der Ausstellung unter freiem Himmel sind Führungen, Aufführungen, ein Buch und weitere Präsentationen, zum Beispiel von kinetischem Schmuck.

(wer, shz)


 

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