SCHLESWIG-HOLSTEIN
Zoff um Ranglisten für Schulen
Können Ranglisten bei der Suche nach der richtigen Bildungsstätte für die Kinder eine Hilfe darstellen? Foto: dpa
Welche Schule ist die beste für mein Kind? Diese Frage stellen sich die meisten Eltern. Helfen könnte ein Übersicht über Ausstattung, Angebot und Leistung jeder einzelnen Schule. Weil es solch eine öffentliche Datenbank nicht gibt, will das Magazin "Focus-Schule" etwas Vergleichbares herausgeben. Doch die Lehrergewerkschaft GEW läuft Sturm.
An Schleswig-Holstein Bildungsministerium appellierte sie vor wenigen Tagen: "Frau Erdsiek-Rave, unterstützen Sie den Focus nicht mit ministeriellen Daten." Sogar die im Bildungsportal des Landes eingestellten Leistungs- und Prüfungsnoten sollten wieder entfernt werden. Zugleich rief die GEW alle Schulen auf, den Fragebögen des in München ansässigen Magazins in den Papierkorb zu werfen. Darin hatte Focus nach Schülerzahlen, Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund und Durchschnittsnoten bei Vergleichsarbeiten gefragt.
"Schulen können nicht nur nach guten Noten bewertet werden", meint der GEW-Landesvorsitzende Matthias Heidn. Rankings sind nach seiner Ansicht nicht geeignet, die soziale Wirklichkeit einer Schule abzubilden. "Die örtlichen Gegebenheiten sind von Schule zu Schule so unterschiedlich, dass sie sich nicht in eine Art Bundesliga-Tabelle reinpressen lassen", so Heidn. Und: Schulrankings würden der "sowieso schon weit fortgeschrittenen Entmischung unserer Gesellschaft Vorschub leisten".
Dabei wollte das Magazin nach eigenen Angaben gar keine öffentlichen Bestenlisten der Schulen erstellen, wie sie im europäischen Ausland längst üblich sind. Mitte der Woche bestätigte das auch ein Focus-Anwalt der rebellischen Lehrergewerkschaft. Und Chefredakteurin Gaby Miketta wetterte: "Die GEW versucht zu verhindern, dass Eltern auf objektive Fakten zur Auswahl der richtigen Schule zurückgreifen können." Bislang müssten sie sich auf den Ruf der Schule verlassen und im Gespräch mit Lehrern versuchen, Informationen zu erhalten. Offizielle Daten, selbst wenn vorhanden, seien für Eltern fast nicht zugänglich. "Länder wie Brandenburg, Berlin und Sachsen stellen diese Informationen längst selbstverständlich und öffentlich zur Verfügung."
Ganz so weit ist allerdings auch Schleswig-Holstein von dieser Idee nicht entfernt. Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD) verweist dazu auf die inzwischen standardisierten Schulportraits im Internet. Zu finden seien dort etwa Angaben über das Schulprogramm, über pädagogische Arbeit und Leistung von Schulen, über Wiederholerquoten oder Daten zum Unterrichtsausfall. All dies könne Eltern bei der Schulauswahl für ihre Kinder helfen.
Möglich, dass sich die Lehrerverbände mit ihrem Widerstand gegen öffentlich bestückte Schuldatenbanken sogar einen Bärendienst erweisen. Statt eines transparenten, wissenschaftlich fundierten Systems entstehen im Internat längst Rankings, die sich ihrer Kontrolle komplett entziehen. So wie schulradar.de, ein Ableger der umstrittenen Schülerseiten spickmich.de. Auf dieser Seite können Eltern den Schulen Noten in sechs Kategorien geben: Individuelle Förderung, Gebäude/Ausstattung, Lehrkräfte, Schulleitung, Unterrichtsbegleitende Aktivitäten und Schulklima. 180 000 Mütter und Väter nutzten diese Möglichkeit schon in der ersten Woche. Auch Schulen in Schleswig-Holstein bekamen bereits Zensuren. Und es werden täglich mehr. Damit könnte das erste bundesweite Schulranking entstehen - trotz der Proteste von GEW & Co.
Der Deutsche Lehrerverband hat schulradar.de bereits scharf kritisiert und Eltern vor der Nutzung gewarnt. Es fördere eine "Kultur der Denunziation", so Verbandspräsident Josef Kraus. Unter dem Mantel der Anonymität gebe es zahlreiche Manipulationsmöglichkeiten.
Die Betreiber des Portals sehen diese Gefahr nicht. Mit den eingebauten Sicherheitsmechanismen gelinge es, Frust- und
Spaßbewertungen aussortieren. Im übrigen komme man nur dem Wunsch vieler Eltern nach, sagt Spickmich-Initiator Manuel Weisbrod. "Denen reicht es einfach nicht, nur einmal im Jahr beim Tag der offenen Tür die Schule zu besichtigen, um dann die Schulentscheidung für ihre Kinder zu treffen."
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