SCHLESWIG-HOLSTEIN

 

7. Sinfoniekonzert

Der Daumen und die Schumann-Experimente

16. April 2010 | Von Christoph Kalies

Weltklasse-Cellist Johannes Moser feiert die gelungene Aufführung von Robert Schumanns Cellokonzert.

Ein verschmitztes Lächeln und ein hochgereckter Daumen in Richtung Dirigentenpult - so feiert Weltklasse-Cellist Johannes Moser die gelungene Aufführung von Robert Schumanns Cellokonzert. Der gebürtige Münchner bürstet im Deutschen Haus das Renommierstück der Bassgeigen-Literatur ordentlich gegen den Strich: Er begnügt sich nicht mit sattsam gehörter vibratotrunken-melancholischer Melodienschwelgerei. Nein: Der 31-Jährige experimentiert mit den Motiven und lotet den Farbreichtum des Cellos gründlich aus. Da schlägt so eine süffige Kantilene plötzlich um ins Sachlich-Fahle oder gar ins Geisterhafte, da findet ein temperamentvoller Aufschwung seinen Höhepunkt in einem zarten, zurückgenommenen Ton. Im Dialog mit dem bestens aufgelegten Ensemble aus Mitgliedern des Schleswig-Holstein Sinfonie-Orchesters und Sonderjyllands Symfoniorkester unter der Leitung von Mihkel Kütson wiederholt Moser ein kurzes Bassmotiv mehrmals geradezu trotzig. Doch finden die Partner aber auch zu zart-innigem Zusammenspiel im Mittelteil und zu einem auf beiden Seiten hoch virtuos umgesetzten Finale. Mag sein, dass Moser vor lauter Experimentierfreude den roten Faden im 1. Satz ein wenig verlor. Aber im Ganzen war es eine faszinierende Interpretation. Die Zugabe - Bachs Sarabande aus der 1. Cello-Suite - gelang ähnlich eigensinnig.

Mit Rolf Liebermanns "Furioso für Orchester" hatte das deutsch-dänische Sinfonikertreffen zuvor einen Auftakt genommen, der dem Namen des Stücks alle Ehre machte. Überraschend melodiös klang diese Zwölftonmusik, nicht zuletzt dank des kraftvoll-virtuosen Violinenklangs, den das große besetzte Ensemble entfaltete. Der Höhepunkt aber war Gustav Mahlers 1. Sinfonie, die Kütson und das Orchester in einer wunderbar durchsichtigen Fassung präsentierten. Eine ungeheure Spannung entfalteten die gedämpften Streicher in der Einleitung, bevor die Hörner zu ihrem fröhlichen Landlied ansetzten.

Im folgenden agierte man bewundernswert nuanciert und mit Brillanz. Fast schon zu elegant. Denn über manche Stelle, die andere Dirigenten bis zum ironischen Exzess akzentuieren, lässt Kütson seine Musiker geradezu leichtfüßig hinwegspielen. So richtig von der Leine lässt er sie denn auch erst im Finale; aber dann kracht es richtig. Ein extra fein gewebter Mahler - mal was anderes. Das Publikum dankte mit stehenden Ovationen. Und sicher saß Cellist Johannes Moser irgendwo und reckte wieder seinen Daumen in die Luft...

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