SCHLESWIG-HOLSTEIN
Bredstedt
Einer Koreanerin geht es um die Wurst
Studiert die Geheimnisse der norddeutschen Wursterzeugung: Die Koreanerin Kui Kyung Lee in der Bredstedter Schlachterei. Foto: dpa
Bredstedt. Kui Kyung Lee geht es um die Wurst. Für ein "Praktikum" in einer deutschen Schlachterei reiste die Managerin um die halbe Welt. 14 Stunden lang saß die Süd-Koreanerin im Flugzeug, um sich in Bredstedt (Kreis Nordfriesland) in die Feinheiten der Wurst-Herstellung einweihen zu lassen. Denn "deutsche Wurst ist die Weltbeste", sagt die 51-Jährige.
Kui Kyung Lee leitet in Südkorea eine Einrichtung für Behinderte. Der Betrieb produziert unter anderem ein halbes Dutzend koreanischer Wurst-Sorten aus Schweinefleisch, Rind- und Kalbfleisch. Die Produkte entsprechen dem Geschmack der älteren Koreaner, die die traditionelle Küche bevorzugen. Zu den Bestsellern gehört "Theok galbi" - eine Art exotisches Hacksteak, "mild" gewürzt mit Ingwer, Knoblauch, Sojapaste und Zucker.
Die Jugend will was neues
Bei den jüngeren Koreanern wächst jedoch das Bedürfnis, auch etwas anderes zu probieren beziehungsweise auszuprobieren, weiß Kui Kyung Lee: "Die Jugend liebt Würstchen." Bislang gibt es in Korea noch keine selbst produzierte Salami oder Lachsschinken. "Das will ich lernen, um diese Sorten in unser Sortiment zu integrieren", sagt die Koreanerin. Sie muss sich mit ihren Produkten gegen die Konkurrenz auf dem freien Markt behaupten. Und das gehe nur über Qualität, sagt Kui Kyung Lee. Deshalb sucht sie sich als Lehrmeister immer nur die Besten. So war sie im Dezember 2010 in Spanien, um dort zu lernen, wie man den traditionellen luftgetrockneten Serrano-Schinken (Jamón Serrano) macht. Und für die Wurst kam sie nach Deutschland.
Crash-Kursus in Wurst-Technik
Vor elf Jahren hatte Kui Kyung Lee ihren ersten Kontakt mit deutscher Wurst: In Stuttgart kaufte sie damals in einer Metzgerei Salami ("die war schwer zu schneiden") und Wiener Würstchen. "Ich wusste sofort, dass es ein gutes Nahrungsmittel war", erinnert sich Kui Kyung Lee. Deshalb kehrte sie jetzt nach Deutschland zurück, um in einem Crash-Kursus die Fertigkeiten zu lernen.
"Eine Art Praktikum für Mettwürste, Kochwürste und Brühwürste", sagt der Geschäftsführer der Schlachterei, Arne Kinsky. Doch der Geschäftsmann schränkt sofort ein: "Die Rezepte auswendig lernen reicht nicht für eine gute Wurst." Damit eine Wurst perfekt wird, müsse man auch die entsprechenden Fertigkeiten trainieren. "Man muss es anfassen, spüren und schmecken", erklärt Kinsky. Seine Praktikantin weiß das. Morgens ist die Koreanerin eine der Ersten im Betrieb, und in den Pausen sitzt sie vor einer dicken Kladde und notiert, was sie alles gelernt hat. Zu ihrer Lieblingswurst hat sie die Grützwurst erkoren - hergestellt nach traditionellem pommerschen Rezept aus Gerstengrütze und Blut mit Schweineschwarte und Rosinen. "Es hat sie überrascht, dass wir unsere Grützwurst noch mit etwas Zimt verfeinern", sagt Arne Kinsky. Wie zur Bestätigung nickt Kui Kyung: "Grützwurst könnte den Kindern in Korea gefallen", sagt sie mit feinem Lächeln.
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