SCHLESWIG-HOLSTEIN

 

Hormone für Bodybuilder

Doping auf Rezept: Kieler Arzt im Visier

26. August 2010 | Von Rieke Beckwermert

Ein Arzt aus Kiel soll Bodybuildern aus Schleswig-Holstein illegale Dopingmittel verschrieben haben. Die Staatsanwaltschaft und der Zoll ermittelt nun gegen den 62-jährigen Mediziner, der Gefälligkeitsrezepte ausstellte.

Kiel / Hamburg. Er stellte Bodybuildern offenbar illegal Hormone wie Testosteron und das Anti-Asthmamittel "Clenbuterol" auf Rezept aus - und das seit fast zehn Jahren. Ein Kieler Internist (62) steht derzeit im Visier der Staatsanwaltschaft der Landeshauptstadt. Das teilte eine Sprecherin am Mittwoch mit.

Die Ermittler werfen dem Arzt das verbotene Verschreiben von Dopingmitteln vor. In der Szene werden Hormone und andere Anabolika zum Muskelaufbau und schnelleren Fettstoffwechsel geschluckt. Doch es ist nicht nur die Einnahme. Die Patienten sollen die Rezepte auch in der Szene gewinnbringend weiterverkauft haben. Zollfahnder sind den Kraftsportlern sowie dem Arzt nach umfangreichen Ermittlungen auf die Schliche gekommen.

Erhebliche Mengen

Am Dienstag durchsuchten die Beamten im Auftrag der Staatsanwaltschaft die Praxis und die Wohnung des Internisten im Kieler Stadtteil Brunswik. Sie beschlagnahmten die Krankenakten der beiden Bodybuilder, denen er verbotenerweise seit 2001 mutmaßlich "erhebliche Mengen Dopingmittel" verschrieben hatte.

Die Kieler Beamten des Zollfahndungsamtes Hamburg ermitteln seit Januar 2009 gegen mehrere Bodybuilder aus dem Großraum Kiel wegen des Verdachts des illegalen Handels von Dopingmitteln. Der Sprecher des Zollfahndungsamts Hamburg, Dietmar Schulze: "Nachdem bei einer Durchsuchung ein Rezept des Arztes mit Hormonpräparaten gefunden wurde und die Aussagen zweier Sportler bestätigten, dass der Arzt diese Gefälligkeitsrezepte ausstellte, geriet er in den Fokus der Ermittlungen." Eine erste Sichtung der Beweise habe den Verdacht erhärtet.

"Deren freie Entscheidung"

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Internisten nun einen Verstoß gegen die Vorschriften des Arzneimittelgesetzes vor - darauf stehe ein Strafmaß von einer Geldstrafe bis hin zu einer Freiheitsstrafe von maximal drei Jahren, sagte ein Sprecher der Kieler Staatsanwaltschaft: "Sollten wir dem Mann auch Gewerbsmäßigkeit nachweisen können, steht darauf eine Freiheitsstrafe von nicht unter einem Jahr." Die Ermittlungen stünden jedoch erst am Anfang.

Die Vorsitzende des Deutschen Bodybuilding- und Fitnessverbands (DBFV) in Schleswig-Holstein, Susanne Bock aus Kiel, wollte den Fall nicht kommentieren - "denn ich betreibe ehrenamtlich Nachwuchsarbeit und meinen eigenen Sport, sonst nichts. Wenn manche Leute meinen, sie müssen so arbeiten - sowohl der Arzt als auch die Konsumenten - dann ist das deren freie Entscheidung."


 

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