SCHLESWIG-HOLSTEIN
Kindesmissbrauch
Döring will Pädophile therapieren
Kiel. "Lieben Sie Kinder mehr als Ihnen lieb ist?" Mit dem Slogan sollen Pädophile angesprochen werden, die Kinder in ihren sexuellen Träumen berühren oder sie tatsächlich missbrauchen. Die, vor denen sich Eltern fürchten und die als Sexmonster und Kinderschänder verschrien sind. Davon gibt es viele. Experten der Kieler Universitätsklinik gehen davon aus, dass 0,73 Prozent aller Männer pädophile Neigungen haben. Bezogen auf die männliche Bevölkerung in Schleswig-Holstein im Alter zwischen 18 und 79 Jahren sind das bis zu 7800 Personen.
Längst nicht alle Übergriffe werden strafrechtlich aufgedeckt. Von den geschätzten jährlich 60.000 Fällen von Kindesmissbrauch in Deutschland werden nur knapp 20.000 bekannt und etwa 16.000 angezeigt. Wissenschaftler sprechen von Dunkelfeldtätern.
Erfolgreiche Vorbeugung "der beste Opferschutz"
Aus diesem Dunkel will Schleswig-Holsteins Justizminister Uwe Döring (SPD) Männer jetzt herausholen und ihnen vorbeugende therapeutische Maßnahmen anbieten. Döring: "Unser Dunkelfeld-Projekt soll dafür sorgen, dass aus potenziellen Tätern keine wirklichen Täter werden, und so mögliche Opfer schützen." Zwar sei eine konsequente strafrechtliche Verfolgung von sexuellem Kindesmissbrauch unerlässlich, "sie macht aber keine Taten ungeschehen". Bei aller Wut über Kindesmissbrauch: Erfolgreiche Vorbeugung sei "der beste Opferschutz".
Ein Vorbild-Projekt gibt es seit drei Jahren in Berlin. Dort wird Pädophilen eine Kombination aus triebdämpfenden Mitteln, verhaltenstherapeutischen Gesprächen und Übungen angeboten, damit sie ihren Alltag besser meistern. 700 Männer haben sich bereits gemeldet und um Hilfe gebeten, weil sie sich vor ihrer Veranlagung fürchten und Schlimmeres verhindern wollen. Hilferufe kamen aus dem ganzen Bundesgebiet, darunter von 15 Menschen aus Schleswig-Holstein.
"Grundpfeiler des Projektes sind Anonymität und ärztliche Schweigepflicht"
Jetzt will Döring das Berliner Modell kopieren und im Januar am Kieler Uni-Klinikum eine eigene Anlaufstelle einrichten. "Der Weg nach Berlin ist zu weit, um regelmäßig an Therapiestunden teilzunehmen. Eine Anlaufstelle in Schleswig-Holstein ist deshalb sinnvoll", meint der Minister. Er wirbt bei den Fraktionen im Landtag um Unterstützung. 80 000 Euro will er in den Haushaltsberatungen locker machen: für die Stelle eines Psychotherapeuten mit sexualmedizinischer Zusatzweiterbildung sowie für eine Hilfskraft.
Die Krankenkassen können die Behandlungskosten nicht übernehmen. Grund: Sie würden für die Abrechnung Namen und Diagnose des Therapierten benötigen. Und diese Daten müssen geheim bleiben. "Grundpfeiler des Projektes sind Anonymität und ärztliche Schweigepflicht", so Döring. Angaben über die Neigung der Hilfesuchenden oder gar über begangene, jedoch strafrechtlich nicht bekannt gewordene Taten dürften auf keinen Fall nach draußen dringen.
Wenn die Geldbeschaffung klappt, können sich bei der neuen Kieler Anlaufstelle ab Januar Betroffene melden, die sich erstmals gefährdet sehen, und solche, die nie strafrechtlich aufgefallen sind, weil sie nicht erwischt wurden, sowie Männer, die bereits als Täter in Erscheinung getreten sind, aber nicht rückfällig werden wollen. "Behandelt werden nur Männer, die nicht mehr unter der Aufsicht der Justiz stehen, also insbesondere eine verhängte Strafe vollständig verbüßt haben", so Döring. Federführend bei dem Projekt soll der Kieler Sexualwissenschaftler Professor Harmut Bosinski sein, der auch im Beirat des Berliner Projektes sitzt.
Leserkommentare
@K.FINNERN: Also wäre es besser, wenn diese "frei herumlaufenden" Täter sich NICHT zur Therapie melden würden, weil sie ja wissen, dass der Arzt sie verzeigen wird?
Was haben Sie eigentlich für eine Vorstellung vom Arztgeheimnis? Das Arztgeheimnis ist absolut, genauso wie das Berufsgeheimnis des Rechtsanwalts. Offenbar gibt es noch immer Bürger, die über diese Institution des Arztgeheimnisses und seinen Sinn nicht Bescheid wissen und/oder nicht nachgedacht haben.
Haben sie sich mal Gedanken darüber gemacht ??
Sich vielleicht mal gefragt ,was hier Ärzten für eine Verantwortung auf die Schulter gelegt wird .
Das ist ja das Problem ,die Schweigepflicht ist absolut und was wenn ein in Behandlung befindlicher Mann weitere Taten begeht ,erwischt wird und alles rauskommt ??
Sorry ,aber das geht über jegliche Kompetenz und auch jegliche Verantwortung hinaus ,die man einem Menschen aufbürden darf ,auch wenn er Arzt ist .
Würden sie diese Verantwortung tragen wollen ,ohne rechtlichen Rückhalt außer der Schweigepflicht jemanden rumlaufen lassen ,der weitere Verbrechen begehen könnte ,von denen vielleicht nur sie etwas zu wissen bekommen ??
Kein Arzt muss diese therapie anbieten. Tut er es, so wird er wissen, worauf er sich einlässt, zumal hier: die Vorlage liefert die Berliner Charité, dort sitzt Bosinski im Beirat. Der Therapeut darf sich ja sagen, dass er durch sein Angebot die Gefahr senken hilft. Sollte ihm ein Patient den Eindruck machen, dass er kurz davor ist, sich an ein Kind heran zu machen, so hat er die Chance, ihm zuzureden. Wer hätte diese Chance sonst, ohne Therapie?
Das Problem dürfte sich im Allgemeinen aber nicht auf deise Weise stellen, sondern eher so, dass eh vorwiegend schon verantwortungsbewusste Pädophile sich zur Ther. anmelden, während die völlig skrupellosen keinen Grund dazu sehen. Da liegt die etwas kurze "Reichweite" des Projekts. Es verhilft wohl eher dazu, dass schon zögernde Pädophile stärker verfestigt werden, als dass es jene, die noch nie zögerten, von ihren Absichten und ihrer Denkweise abhalten könnte.
Die Schweigepflicht ist übrigens m.W. nicht so absolut, wie ich das sagte. Wenn konkret Gefahr im Verzug ist, könnte ein Arzt zB die Polizei darauf aufmerksam machen, ohne ihr mitzuteilen, wie er zu seinem Wissen gekommen ist. Ich bin aber nicht vom Fach.
"aus möglichen Kinderschändern"
Find ich lolig! Wann kümmert sich eigentlich mal jemand um mögliche Frauen-Vergewaltiger??? Ach nee, Frauen sind ja nix wert, deswegen braucht man sie auch nicht zu schützen und so... Oder wie war das nochmal?
Ich bin dafür, dass ALLE Männer solche Therapien machen und sich alle auch chemisch kastrieren lassen, schließlich ist irgendwie jeder Mann ein potenzieller Kinderschänder bzw. Vergewaltiger! Man(n) weiß ja nie...
Zum Glück hat man Pädophilie erfunden (Richard von Krafft-Ebing hieß der glaube ich...), damit man nur dem bösen schwarzen Mann die Schuld geben kann, und man selber ist fein raus, denn man(n) ist ja schließlich nicht pädophil! ;-)
Was würden wir ohne den Begriff Pädophilie nur machen...?
Eine Therapiestelle fuer paedophile Maenner einzurichten ist der richtige Ansatz. Hingegen scheint mir die Methode halbherzig. Eine chemische Kastration bleibt
bei einigen Maennern nahezu wirkungslos ( Mir sind einige Faelle bekannt). Richtig
waere wenn man den Paedophilen ausnahmslos die Moeglichkeit zur freiwilligen
chirurgischen Kastration anbietet.Diese Vorbeugungsmassnahme waere im Interesse
der Gesellschaft. Der Gedanke, dass in Deutschland eine Dunkelziffer von 100 000-
200 000 potentielle Kinderschaender im Untergrund verharren muesste jeden zustaendigen Politiker schlaflose Naechte bereiten. Leider sorgen sich einige mehr
um das Wohlbefinden der Taeter als ueber die Opfer. Die vorbeugende Kastration
kann nur denen helfen bei denen sich die paedophile Neigung noch auf Fantasien
beschraenkt und noch nicht in ein gewalttaetiges Stadium erreicht hat. Es waere
also die richtige Methode im jeden Bundesland eine Stelle zu schaffen, wo sich
gefaehrdete Maenner anonym und ohne groesseres Palaver und Komissionen
freiwillig kastriert werden. Dies wuerde einige moeglicherweise davon abhalten
spaetere Taeter zu werden.
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Zitat :
Wenn die Geldbeschaffung klappt, können sich bei der neuen Kieler Anlaufstelle ab Januar Betroffene melden, die sich erstmals gefährdet sehen, und solche, die nie strafrechtlich aufgefallen sind, weil sie nicht erwischt wurden,
Zitat Ende
Vorbeugende Maßnahmen schön und gut ,aber der letzte Teil des Satzes soll doch wohl ein schlechter Scherz sein .
Das hieße ja konkret ,das sich hier Täter melden können ,sich therapieren lassen und dank der ärztlichen Schweigepflicht am Ende noch straffrei ausgehen .
Sollen jetzt schon die Ärzte entscheiden ,wer für seine Verbrechen belangt wird und wer nicht ??
Sorry ,aber bei solchen Denkweisen kann einem schlecht werden ,vor allem für die Opfer solcher "nicht erwischten" Täter ist es mit Sicherheit tröstlich ,das ihr Vergewaltiger weiter frei herum läuft ,zumindest wird ER als TÄTER dann ja therapiert .
Und sollte sich ein Opfer dann doch melden ,wird es wohl glatt noch scheel angeschaut nach dem Motto "der/die torpediert mit seinem Verhalten doch die Therapie".
Manchmal fragt man sich wirklich auf welchem Planeten unsere "Volksvertreter" denn leben .