SCHLESWIG-HOLSTEIN

 

Kinovorführung

"Die Bucht": Szenen eines Gemetzels

22. Juli 2010 | Von emd

Richard O´Barry

Er trainierte "Flipper" und deckte den qualvollen Tod tausender Delfine auf: Beim Leserfest ist Richard O´Barry gleich zwei Mal dabei.

Husum / Taiji. Walschützer Richard O´Barry begleitet die Wattenmeer-Expedition unseres Verlages. Am Sonnabend ist er in Husum gleich zwei Mal dabei - zunächst beim Leserfest am Nachmittag auf der Bühne am Hafen und abends im Husumer Kino-Center (ab 20 Uhr), wenn sein preisgekrönter Film "Die Bucht" gezeigt wird. Stephan Richter, Chefredakteur unserer Zeitung, wird die Gäste begrüßen, nach der Vorführung beantworten O´Barry und sein Co-Autor Hans Peter Roth Fragen. Der Historiker Dr. Joachim Reppmann moderiert.

Die Filmdoku "Die Bucht", die in diesem Jahr den Oscar als "Bester Dokumentarfilm" gewann, stellt ebenso wie das Buch zum Film Schönheit und Reichtum der Ozeane dem qualvollen Tod tausender Delfine in einer Bucht von Taiji gegenüber. Der normale Tourist muss glauben, dass die Menschen in dem japanischen Fischerort Wale lieben - überall Boote und Springbrunnen in Fischform, dazu ein Walmuseum. O´Barry jedoch dokumentiert, wie etwa 2000 Delfine (hauptsächlich Große Tümmler) in der Bucht zusammengetrieben und getötet werden. Der Film kam am 22. Oktober 2009 in die deutschen Kinos.

Ein Team in der Art von "Oceans 11"

"Um es stoppen zu können, müssen wir es der Welt zeigen", sagt O´Barry. Dazu bedurfte es einer Mannschaft, die einfallsreich, taucherfahren und risikobereit war. "Ein Team in der Art von ,Oceans 11'", scherzt O´Barry. Die Bucht, in der sich der Massenmord ereignet, ist fast eine Festung: nur durch drei Tunnel erreichbar und bewacht wie ein Militärgebiet. In zwei Nachtaktionen - verfolgt von Polizei und Geheimdienst - positionieren O´Barry und sein Team Wärme- und Nachtsichtkameras sowie Unterwassermikrofone. Das Ergebnis sind grausame Bilder. Fischer stechen auf die gefangenen Delfine ein. Binnen Sekunden färbt sich die blaue Lagune blutrot. Tiere werden an den Strand gespült, wippen mit der Brandung. Einige Dutzend werden eingefangen und an Delfinarien verkauft, die übrigen grausam abgeschlachtet und zu Fischkonserven verarbeitet. "Jährlich sterben so 23.000 Tiere", sagt O´Barry.

Dass er die Seite wechselte, sich heute als Aktivist für Tiere einsetzt, die er einst für Shows trainierte, hätte er nie gedacht: "Ich war so lange ignorant, wie ich gebraucht habe zu verstehen, dass diese Tiere nicht in Betonbecken gehören. Zehn Jahre habe ich diese Industrie mit aufgebaut, seit 35 Jahren versuche ich sie zu vernichten."

"Sie hörte bewusst auf zu atmen."

Schlüsselerlebnis war der Tod von "Kathy", einer von fünf "Flipper"-Darstellerinnen: "Sie schwamm in meine Arme, sah mir in die Augen und hat bewusst aufgehört zu atmen. Sie beging Selbstmord." O´Barry fühlt sich verantwortlich, weil es die "Flipper"-Serie war, mit der die Liebe zu den Delfinen begann.

Den Szenen des Gemetzels stellt der Film eindrucksvolle Bilder einer unberührten Unterwasserwelt gegenüber. Zum Film gibt es das gleichnamige Buch aus dem Delius-Klasing-Verlag. Kartenvorbestellungen unter Tel. 04841/2569.


 

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