SCHLESWIG-HOLSTEIN
Hamburg
Der große Uni-Umzug ist vom Tisch
Hamburg. Ein Total-Umzug der Hamburger Universität in den Hafen ist so gut wie sicher vom Tisch. Statt dessen erwägt der Senat nun offenbar, einige der großen Fakultäten auf den Kleinen Grasbrook zu verlagern und dort einen zweiten Campus aus dem Boden zu stampfen. Der bisherige Standort in Eimsbüttel bliebe damit in verkleinerter Form erhalten. Das würde auf einen Halbe-halbe-Kompromiss zwischen Gegnern und Befürwortern eines Umzugs hinauslaufen.
Im Rathaus hieß es inoffiziell, Bürgermeister Ole von Beust (CDU) habe in einem Geheimtreffen mit den Spitzen der schwarz-grünen Regierung die neue Variante erörtert. An die Elbe umziehen sollen danach die Bereiche Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Wirtschaftswissenschaften und Sozialwissenschaften; das Physik-Forschungszentrum DESY soll in Bahrenfeld bleiben. Ob sich der Senat auf diese Linie geeinigt hat, ist unbekannt. Offiziell hieß es lediglich, die Pläne für die Zukunft der maroden Universität würden wie angekündigt im Laufe des Frühjahrs präsentiert.
Forschungs-Campus
Der neue Uni-Präsident Dieter Lenzen wollte die Spekulationen über einen halben Umzug nicht kommentieren. Er wiederholte aber seine Idee, auf dem Grasbrook einen Forschungs-Campus anzusiedeln, den Großteil der Hochschulschule aber am Standort zu belassen. Einen komplette Verlagerung der Universität in den Hafen hatte der aus Berlin abgeworbene Lenzen bei seinem Amtsantritt vor wenigen Wochen abgelehnt. Wissenschaftssenatorin Herlind Gundelach (CDU) versucht dagegen seit fast zwei Jahren, einem Neubau der gesamten Hochschule auf dem Grasbrook den Weg zu ebnen. Hintergrund: Etliche Uni-Gebäude in Eimsbüttel sind stark sanierungsbedürftig, zudem erschwert Platzmangel im Viertel notwendige Erweiterungen. Gundelachs Neubaupläne würden mit bis zu drei Milliarden Euro zu Buche schlagen, die sie im Wesentlichen durch den Verkauf frei werdender Grundstücke in Eimsbüttel finanzieren will. Ihre Kritiker halten das für utopisch. Ablehnung kommt vor allem von der Hamburger Wirtschaft, die eine Vertreibung von Hafenfirmen vom Grasbrook verhindern will. Die Handelskammer hatte deshalb zwei Alternativen vorgeschlagen. Eine sieht die Modernisierung und den Ausbau am bisherigen Standort vor, die andere einen neuen Campus auf dem Gelände des Großmarkts. Gundelach hat beide Vorstöße als unrealistisch zurückgewiesen.
Die Hängepartie um die Uni-Zukunft sorgt innerhalb der schwarz-grünen Regierung für Verdruss. Ein GAL-Parteitag hat sich ausdrücklich für den Verbleib in Eimsbüttel ausgesprochen. Auch etliche CDU-Abgeordnete sind wegen Gundelachs Bevorzugung der Neubau-Variante verärgert. Wirtschaftssenator Axel Gedaschko hat seine Parteifreundin öffentlich wissen lassen, dass es mit ihm keinen Totalumzug in den Hafen geben werde.
Auffällig bei dem langwierigen Gerangel ist vor allem die Zurückhaltung des Bürgermeisters. Bis heute hat sich von Beust öffentlich nicht festgelegt. Nun versucht er, das Thema schnell abzuschließen. Offensichtlich sucht er dabei sein Heil in einer Sowohl-als-auch-Lösung, nicht im Entweder-oder. Auf die Wirtschaft kann er aber auch dabei nicht setzen. Der Industrieverband Hamburg (IVH) reagierte gestern empört auf den Kompromis. Auch ein Teilumzug in den Hafen gefährde den Standort, mahnte IVH-Chef Hans-Theodor Kitsch. "Die Flächen müssen unbedingt für die Hafenentwicklung und Industrieansiedlung genutzt werden." Mittelfristig stehen dort laut Kutsch 1000 Arbeitsplätze auf dem Spiel. Die SPD sprach von einem "hochschulpolitischen Gewürge". Auch die neuen Überlegungen brächten die Universität "keinen Schritt weiter", sagte SPD-Hochschul-Expertin Dorothee Stapelfeldt.
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