SCHLESWIG-HOLSTEIN
Kieler Woche
Wettstreit der Monsterbezwinger
Wer springt höher, weiter, spektakulärer? Ein Windskater in voller Aktion bei der Ocean Jump Weltmeisterschaft 2010. Foto: Pape
Ganz liebevoll wird sie auch "das weiße Monster" genannt, ist zwölf Meter hoch und 45 Grad steil: die Rampe von der aus sich am Wochenende, beim 5. Kieler Woche Ocean Jump, wieder die Mountainbiker und Windskater in spektakulären Sprüngen in die Förde katapultierten. Bereits im zweiten Jahr kämpften 20 Funsportler dabei am Germaniahafen um den Weltmeistertitel und begeisterten mehrere hundert Zuschauer.
"Backflips", "Tailwhips" oder einfach "Loops" heißen die waghalsigen Sprünge, bei denen sich die Sportler auf ihrem Gefährt in der Luft um die eigene Achse drehen, überschlagen oder auch beides gleichzeitig vollführen. Und während die "Akrobaten" nach der Landung noch ihr Bike oder Skateboard aus dem Fördewasser zogen, fragte sich so mancher im staunenden Publikum am Beckenhang: Sind die Jungs nun wahnsinnig oder talentiert? "Einfach wahnsinnig talentiert", lautet die Antwort von Alexander Lehmann. Der 37-jährige Windsurfer ist der Veranstalter und Geschäftsführer des Kieler "Windsurfing Journal", das den Ocean Jump gemeinsam mit dem Geländesportmagazin "pedaliéro" ins Leben gerufen hat. Gleichzeitig ist er aber auch der amtierende Weltmeister 2009 und ging als großer Favorit in den gestrigen Wettkampf. Dass es sich bei seinem Titel nicht um Korruption handelt, beweist die vierköpfige unabhängige Jury, die die Sprünge auch in diesem Jahr nach einem internationalen Reglement bewertete. Neben Kreativität und Höhe der "moves" war dabei insbesondere die Landung ein entscheidendes Kriterium für die Punktvergabe. Möglichst glatt und sauber auf der Wasseroberfläche sollte diese sein.
"Das müssen einfach coole Typen sein, die sich das trauen"
Wie schwierig das ist, wurde den dicht gedrängten Zuschauern nach den ersten Durchgängen schnell bewusst. Trotz eifrigen Applauses erlangte der ein oder andere Fahrer nicht die nötige Höhe und landete unsanft auf der Wasseroberfläche. Damit bei diesen waghalsigen Stunts nichts Schlimmeres passiert waren für alle Fahrer Helm und Prallschutzweste Pflicht: "Sicherheit geht für uns vor", erläuterte Alexander Lehmann. Ein gut gepflegtes Equipment ist dabei ein weiterer Sicherheitsfaktor, und so schraubten viele Fahrer noch an ihren Bikes und Skateboards, während das Publikum sich bei Raggae-Klängen schon auf die weltweit einmalige Veranstaltung einstimmte.
Auffallend viele Jugendliche und insbesondere Frauen bevölkerten die Hänge. Darunter auch Larissa Görlitz (11) und Jonna Hansen (10), die sich ganz sicher waren: "Das müssen einfach coole Typen sein, die sich das trauen". Gemeinsam mit ihren Müttern waren sie schon zum dritten Mal zum Ocean Jump gekommen und freuten sich über die "gute Stimmung" und "spannenden Sprünge". Einzig ein Mädchen unter den Sportlern vermissten sie noch. Einer der "coolen Typen" und Vizeweltmeister des vergangenen Jahres, der mit sehr guten Sprüngen überzeugte, war Florian Jung. Als Profi-Windsurfer ist der Saarbrückener einige Wettkämpfe gewohnt, doch der Kieler Woche Ocean Jump hat ihn "infiziert". "Das ist ein Super-Event mit toller Stimmung und einmaliger Kulisse", so der 26 Jährige.
Welcher, der Fahrer in diesem Jahr "das weiße Monster" endgültig bezwungen hat und "die Krone des Funsports" mit nach Hause nehmen konnte, wurde erst am Abend in einer Show mit Feuerfontänen und Pyroeffekten gekürt. Zu gönnen wäre es einmal einem Mountainbiker nach den Windsurfsiegern der Vorjahre. Doch eines ist klar: harte, mutige Kerle sind sie alle und irgendwie "wahnsinnig talentiert".
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