SCHLESWIG-HOLSTEIN

 

Niendorf

Bernstein war Phosphor: Tückischer Fund am Strand

09. April 2010 | Von Eckard Gehm

Ein Mann des Kampfmittelräumdienstes kontrolliert den Sand. Foto: dpa

Sie glaubte, Bernsteine gefunden zu haben, doch tatsächlich nahm eine Frau am Strand von Niendorf (Ostholstein) hochgiftigen weißen Phosphor mit nach Hause.

Niendorf. Dieser Fall entzündet erneut die Frage um die Gefahren von Kriegsaltlasten in der Ostsee. Die Lübeckerin (44) hatte die orange-braunen, erbsengroßen Brocken beim Sammeln von Steinen am Strand von Niendorf (Kreis Ostholstein) entdeckt. Polizeisprecher Frank Doblinski: "Auf ihrer Terrasse säuberte die Frau die Fundstücke mit Wasser. Wenig später fingen sie an zu qualmen, dann zu brennen."

Die Lübeckerin rief die Polizei, zwei Beamte legten die brennenden Phosphorstücke in ein verschließbares Glas, schraubten den Deckel drauf. Polizeisprecher Doblinski: "Die beiden Kollegen hatten sich Handschuhe angezogen, doch ihre Gesichter waren ungeschützt." Wenig später klagte einer der Beamten, ein Polizeiobermeister (27), über starke Schmerzen in den Atemwegen. Er musste in die Notaufnahme der Uni-Klinik gebracht werden. Auch die Lübeckerin ließ sich vorsorglich einliefern.

Schon 50 Milligramm sind für Menschen tödlich

Spezialisten des Kampfmittelräumdienstes analysierten die Brocken im Glas. Ergebnis: Es handelt sich um weißen Phosphor, der als Füllmittel in Brandbomben verwendet wurde. Er entzündet sich an der Luft von selbst, bildet dabei dichte Nebel aus Phosphorsäure. Schon 50 Milligramm sind für Menschen tödlich.

Nach 1945 waren in der Ostsee große Mengen an Munition versenkt worden. In den Urlaubsgebieten spricht niemand gerne über Kampfmittel-Altlasten, doch Umweltschützer warnen seit Jahren vor den Gefahren für Badegäste durch die verrostenden Bomben. Meeresbiologe Stefan Nehring will in den vergangenen 30 Jahren mehr als 130 Verletzungen mit Phosphor gezählt haben. "In Schleswig-Holstein gab es Fälle bei Kiel und Husum."

Jens Sternheim, Leiter des Katastrophenschutzamtes, bestätigt einzelne Phosphorfunde im Norden, eine Gefahr für Badegäste bestehe aber nicht. Der Strand von Niendorf wurde weiträumig abgesperrt, vom Kampfmittelräumdienst abgesucht. Es wurden keine weiteren Phosphorreste gefunden. Der Polizist bleibt weiter im Krankenhaus, da von Phosphor bekannt ist, dass tödliche Komplikationen unter Umständen erst fünf Tage nach dem Kontakt eintreten.


 

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