SCHLESWIG-HOLSTEIN
Hamburgs Gehwege
Tausend zusätzliche Kräfte gegen Eis
Die Schlitterpartie auf vereisten Gehwegen in Hamburg soll ein Ende haben. Stadtentwicklungssenatorin Anja Hajduk (GAL) versprach am Montag eine "spürbare Verbesserung der sehr, sehr schwierigen Situation". So soll die Stadtreinigung den Winterdienst gegen Eis und Schnee auf den Wegen ab sofort mit 1000 zusätzlichen Kräften verstärken. Außerdem wird von Dienstag früh an eine Hotline geschaltet. Unter der Telefonnummer 040-25761313 können Anwohner nicht gestreute öffentliche Flächen melden, sagte die Senatorin nach einem Krisengespräch mit Bezirksamtsleitern und Stadtreinigung. In Hamburgs Krankenhäuser herrschte unterdessen wegen der Eisglätte auf Gehwegen und Straßen Hochbetrieb.
Nach Angaben der Stadtentwicklungsbehörde wurden bei dem Krisentreffen auch fünf regionale Koordinationsstellen vereinbart, die in Zusammenarbeit mit Bezirksämtern und Hochbahn den Einsatz des Winterdienstes steuern sollen. "Bei zusätzlichem Schneefall wird das Personal um weitere rund 200 Personen aufgestockt, um den Räumdienst auf den Straßen zu gewährleisten", betonte Hajduk.
Stadt stellt mehr kostenloses Streugut bereit
Nachdrücklich forderte die Senatorin auch die Anlieger auf, vor ihren Gebäuden der Streupflicht nachzukommen. Um dies zu erleichtern, werde an bis zu 50 weiteren öffentlichen Stellen Streugut kostenlos zur Verfügung gestellt. Wer auf öffentlichen Wegen stürzt und sich dabei Bein oder Arm bricht, kann die Bezirksämter für den Unfall haftbar machen, erläuterte eine Behördensprecherin. Für Unfälle auf ungeräumten Wegen, die an Privatgrundstücke grenzen, hafte der jeweilige Hauseigentümer.
Der zusätzliche Winterdienst wird sich nach den Worten von Hajduk vor allem auf das Streuen vereister Gehwege konzentrieren. Die Eisschichten dort seien derzeit zu stark, um sie beseitigen zu können. Die Hauptverkehrsstraßen seien derzeit weitgehend schnee- und eisfrei, betonte die Senatorin. Eis und Schnee gebe es dagegen noch in Nebenstraßen. Ihre Beseitigung habe derzeit aber keine Priorität. Die Grünen-Politikerin räumte ein, dass der Winterdienst nicht optimal gelaufen sei. Wenn der Winter vorbei sei, werde man analysieren, "was wir besser machen müssen".
22 statt der üblichen acht Ärzte in der Notaufnahme
Im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) behandelten Notfallärzte am Wochenende 125 Frakturen. Insgesamt wurden gut 520 Patienten aufgenommen, sagte der Chef der Unfallchirurgie, Prof. Johannes Rueger. Das waren etwa 120 Fälle mehr als an einem normalen Wochenende. Besonders häufig versorgten die Ärzte Speichenbrüche sowie Frakturen am Sprunggelenk und am Oberschenkelhals. Statt der üblichen acht Ärzte waren 22 Mediziner im Einsatz. "Wir haben sogar Kollegen aus dem Urlaub zurückgeholt. In dieser Woche werden wir in drei anstatt zwei Sälen operieren", sagte Rueger.
Die Linken kritisierten das späte Reagieren der Behörden scharf. "Die Hamburger Krankenhäuser sind überfüllt und Zehntausende von Menschen wagen sich seit Wochen nicht aus ihrer Wohnung oder ihrem Haus heraus. Das ist die Auswirkung eines dramatischen Winters, aber auch die Auswirkung einer Verwahrlosung der öffentlichen Ordnung wie sie Hamburg noch nicht erlebt hat", erklärt Fraktionsvize Norbert Hackbusch. Die Linken haben den schwarz-grünen Senat in einem Antrag aufgefordert, sein Winterräumkonzept und über die zukünftigen Planungen für Fahrradfahrer und Fußgänger Bericht zu erstatten.
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