SCHLESWIG-HOLSTEIN
21-Jähriger vor Gericht
Mann mit Hammer blutig geschlagen
Kiel. Dieser Fall hinterlässt vor allem: Betroffenheit. Einerseits, weil dem Angeklagten große Brutalität vorgeworfen wird - er muss sich seit gestern wegen versuchten Mordes vor der Jugendstrafkammer des Kieler Landgerichts verantworten. Andererseits, weil Stephan S., mit 21 Jahren gerade am Anfang seines Lebens, selbst sagt, im Gefängnis sei es besser als in Freiheit. Denn dort drehte sich zuletzt alles nur um Hartz IV, Frust, Alkohol und Aggressionen.
Stephan S. lebte gut ein Jahr lang in einem Wohnblock in Eckernförde, den dort alle nur "Lager" nennen. Unterste soziale Stufe. Dort ist der junge Mann, der schon in frühester Kindheit von seiner Alkoholiker-Mutter verprügelt wurde, später von Heim zu Heim verfrachtet wurde, noch tiefer abgerutscht. "Es gab eigentlich keinen Tag, an dem ich nicht getrunken habe", sagte er.
Ausgeflippt vor Eifersucht
Getrunken hatte Stephan S. auch, als er im November 2008 bei Bekannten im "Lager" Karten spielte. An jenem Abend, so wirft ihm Staatsanwalt Matthias Daxenberger vor, hat einer der Bekannten Stephan S.' Freundin Bianca S. "über die Wange gestreichelt" - und Stephan S. flippte vor Eifersucht aus. Er soll dem Mann, der als "Ferry" bekannt und im Mai aus unbekannter Ursache verstorben ist, ein Bein gestellt und dessen Kopf mehrfach auf den Boden geschlagen haben. Daxenberger: "Das Opfer erlitt eine Schädelfraktur, ein Hämatom, musste sich einer OP unterziehen, lag drei Wochen im Krankenhaus."
Stephan S. wird noch eine weitere Tat vorgeworfen. Zwei Tage vor Weihnachten soll er den Zeugen und Nebenkläger Gerd K. besucht haben, um mit ihm zu trinken. "Als der Zeuge das Zimmer verließ, soll sich der Angeklagte einen Hammer geholt und K. gefolgt sein in der Absicht, ihn nunmehr zu töten", so der Staatsanwalt. Stephan S. habe mit den Worten "Du Schwein fasst meine Freundin an!" mehrfach wuchtig auf den Kopf und den Körper von Gerd K. eingeschlagen, bis dieser blutüberströmt liegen blieb. K. musste aufgrund der Verletzungen unter anderem die Milz entfernt werden. Der Fall hat eine Vorgeschichte. Vor einigen Jahren soll Gerd K. Bianca S. unsittlich berührt haben. Das sorgte immer wieder für "Stress", wie der Angeklagte sagte.
Keine Erinnerung mehr
Zu beiden Taten erklärte er nicht viel. Zu Fall eins sagte er: "Ich habe den nur einmal geschubst, er ist mit dem Kopf gegen die Wand gefallen, und als er sich nicht mehr bewegt hat, haben wir einen Krankenwagen gerufen." An Fall zwei kann er sich angeblich nicht mehr erinnern. "Irgendwann bin ich umgekippt und im Krankenhaus wieder aufgewacht." Dort habe ihm ein Polizist berichtet, "dass ich versucht haben soll, K. umzubringen. Ich habe nur gedacht, was für eine Scheiße ich jetzt schon wieder gebaut habe, weil meine Hände voller Blut waren." Richter Stefan Becker fragt nach: "Was denken Sie heute?" Stephan S.:"Dass es mir leid tut. Das war nicht richtig."
Der Prozess wird Montag fortgesetzt.
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