SCHLESWIG-HOLSTEIN
"Laut gegen Nazis"
Hamburg steht auf gegen Rechts
Zahlreiche Prominente wie TV-Koch Tim Mälzer (vorne links) und Musiker Lotto King Karl (vorne rechts) unterstützen die Kampagne. Foto: dpa
Hamburg. In seiner Küche hat Tim Mälzer ein einfaches Rezept gegen Rassismus. Wenn er Anzeichen für Diskriminierung entdecke, ziehe er personelle Konsequenzen - bis hin zum Rauswurf, berichtete der TV-Koch gestern im Hamburger Rathaus. Dass Mälzer neben Musiker Lotto King Karl sowie Vertretern des HSV und des FC St. Pauli die Landespressekonferenz gestalteten, war einem besonderen Anlass geschuldet. Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) hatte den Künstlern und anderen Aktiven im Kampf gegen Rechts die politische Bühne überlassen, um für die Aktion "Hamburg steht auf" zu trommeln.
Vom 16. bis zum 24. März soll die ganze Stadt deutlich wie nie Flagge zeigen jedwede Art von Neonazi-Umtrieben und rechte Gewalt. Hamburg will die bundesweite Speerspitze der Wochen gegen Rassismus bilden. Geplant sind in der Hansestadt Konzerte, Workshops, Lesungen, Ausstellungen, vor allem aber Schulprojekte gegen Ausgrenzung und Rechtsextremismus.
Von Google bis zu Fußballclubs
Getragen wird die Offensive von der Initiative "Laut gegen Nazis", in der seit Jahren Musiker und andere Künstler mit ihren Mitteln rechtes Gedankengut bekämpfen. Die Enttarnung der Zwickauer Neonazi-Killer, die auch in Hamburg einen türkischen Gemüsehändler erschossen hatten, hat der Initiative zusätzlichen Schub gegeben. Anno 2012 ist der Unterstützerkreis deutlich weiter gefasst, bei "Hamburg steht auf" sind 150 Teilnehmer aus Kultur, Wirtschaft und Politik aktiv dabei. Darunter Google und Warner Bros., aber auch die großen Fußballclubs der Stadt, die eigene leidvolle Erfahrungen mit rechten Gewalttätern haben. Pauli-Präsident Stefan Orth: "Wir setzen beim FC St. Pauli auf die Selbstreinigungskraft unter den Fans."
Erreichen will "Hamburg steht auf" nicht zuletzt Jugendliche und junge Erwachsene, sagt Jörn Mende von "Laut gegen Nazis". Für rechte Seelenfänger sei schließlich gerade Musik ein wichtiges Vehikel. Auch deshalb machten nun verstärkt Musiker gegen Neonazis mobil. Lotto King Karl will auf und abseits der Bühne schlicht eine "Grundhaltung" klarmachen, und die heißt: "Hallo Leute, gegenseitiger Respekt gehört zu unserer Gesellschaft."
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