AKTIVREGION 21

 

Nordfriesland Nord

Ethische Orientierung gewinnen

31. Januar 2012 | Von Wolfgang Henze

Gemeinsam springen: Die ehrenamtlichen Teo-Begleiter werden in erlebnispädagogische Spiele eingewiesen. Foto: Henze

Es ist ein wissenschaftlich begleitetes, ökumenisches Projekt: Kinder und Jugendliche denken gemeinsam über sensible Themen nach

Breklum. Es war die Feststellung, dass die Institutionen der demokratisch verfassten Gesellschaft bei Jugendlichen nicht mehr sonderlich hoch im Kurs stehen, die schließlich die Initialzündung für das neue Jugendprojekt "Tage ethischer Orientierung" lieferte. Parteien, Kirchen, Jugendverbände und sogar die Schulen werden von Jugendlichen heute überwiegend nicht mehr als lebensorientierende Wertevermittler verstanden. Zunehmende Bedeutung erlangen vielmehr die Medien, ganz besonders in ihrer Ausprägung als "neue Medien", also rund um Computer, Internet und soziale Netzwerke.

Tatsächlich berührt der rasante Bedeutungsverlust von Institutionen bei der individuellen Entwicklung Jugendlicher natürlich nicht deren definierte Funktionen, und darüber hinaus ebenfalls nicht ihre Verantwortung für Kinder und Jugendliche. Einen ähnlichen Bedeutungsverlust erleben aber auch die Kirchen. Der Rat der evangelischen Kirchen in Deutschland beschreibt es so: "Die Kirche ist nur noch eine Sinnanbieterin unter vielen und kann sich auf keinen Bonus oder eine religiöse Sozialisation in der Kindheit mehr verlassen."

Diese Situationsfeststellung trieb in ganz besonderem Maße Pastorin Claudia Brüning von der Projektstelle Schule und Kirche im Kirchenkreis Nordfriesland um, die seit geraumer Zeit "Tage ethischer Orientierung" (Teo) für junge Menschen anbietet, und diese gegen-wärtig bereits zum fünften Mal vorbereitet. "Ich verstehe Teo als Angebot der Kirche an die Schulen", sagt Claudia Brüning, und gibt gerne zu, dass sie dieses Vorhaben in Mecklenburg-Vorpommern "abgeguckt" hat, wo Teo bereits seit elf Jahren angeboten wird.

TEO - ein ökumenisches Projekt

Rund 100 Schüler können jeweils an den "Tagen ethischer Orientierung" teilnehmen, die in den Jugendherbergen von Tönning oder Niebüll veranstaltet werden. Rund neun bis elf ehrenamtliche Betreuer werden für Teo benötigt, die vorher selbst eine ausgiebige Vorbereitungsphase am Christian Jensen Kolleg in Breklum durchlaufen müssen. Bei den Betreuern handelt es sich häufig um Lehrer oder Studenten, aber im Grunde kann sich jeder Bürger für die Begleitung der Schüler während des Seminars bewerben.

Während der Tage erleben Schüler und Schülerinnen unterschiedlicher Klassenstufen, Schulen und Schularten zusammen mit Lehrern, kirchlichen Mitarbeitern und Ehrenamtlichen "ethisch orientierte" Tage an einem außerschulischen Lernort, an denen sie gemeinsam über sensible Themen nachdenken können, die im familiären oder schulischen Alltag häufig zu kurz kommen. Sie können miteinander diskutieren, spielen und lernen. Die gesetzten Themen sind dabei situativ in der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen verankert.

Pastorin Brüning legt Wert auf die Feststellung, dass es sich bei Teo um ein ökumenisches Projekt handelt, dass wissenschaftlich von der Universität Flensburg begleitet wird. Unterstützt wird Teo von vielen an ethisch orientierter Bildung interessierten Menschen und Organisationen wie Schulen, Kirchengemeinden, Eltern- und Schülervertretungen und ehrenamtlichen Trainern. Teo ist darüber hinaus ein Förderprojekt der AktivRegion Nordfriesland Nord.


 

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