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Schleswig-Holstein am Sonntag

25. April 2014 | 01:53 Uhr

Abnehmen - Was Diäten wirklich bringen

vom

Der Frühling naht - und für viele beginnt der Kampf gegen die Fettröllchen am Bauch. Für shz.de bewertet der Ernährungsexperte Matthias Laudes sieben beliebte Diäten.

Kiel | Der Wunsch nach kurzfristiger Gewichtsabnahme ist speziell im Frühling riesengroß. Es gibt eine fast unüberschaubare Anzahl von Diäten und Abnehmprogrammen. Diäten, die eine gesunde Lebensmittelauswahl enthalten und das Essverhalten trainieren, gelten als sinnvoll. Zusammen mit Prof. Dr. Matthias Laudes, Professor für Klinische Ernährung und Leiter der Adipositas-Sprechstunde der Uni Kiel prüft shz.de die populärsten Diäten.
Die Brigitte Diät
Es handelt sich um eine ausgewogene, kalorienreduzierte Mischkost. Durch ein Baukastensystem mit vielen, abwechslungsreichen Rezepten kommt man auf eine Energiezufuhr von etwa 1200 Kalorien am Tag. Gute Planung ist nötig und einige der Kochvorschläge enthalten verhältnismäßig viele Zutaten. Die vorwiegend empfohlenen Fleisch- und Fischsorten befinden sich im gehobenen Preissegment.
Laudes: "Diese schon lange etablierte Diätform wird häufig angewandt und ist sinnvoll. Hier ergeben sich gute Erfolgsaussichten, wenn diese Ernährungsweise beibehalten wird."
FdH (Friss die Hälfte)
Von der gewohnten Nahrungsmenge wird nur noch die Hälfte gegessen. Das ist relativ einfach zu realisieren und man muss auf seine Lieblingsspeisen nicht verzichten. Die Gefahr von Hungergefühlen besteht und es findet keine langfristige Ernährungsumstellung statt.
Laudes: "Bei dieser Diätform kann die empfohlene tägliche Energiezufuhr von 1000 bis 1200 Kalorien unterschritten werden; es kann zu Mangelerscheinungen kommen. Dann wird auch Muskelmasse abgebaut. Empfehlenswert ist eine Kalorienreduktion von etwa 600 Kalorien am Tag. Das bedeutet ein Gewichtsverlust von zirka einem halben Kilo pro Woche."
Die Formula-Diät
Hier wird mit einem Pulver-Konzentrat eine trinkfertige Mahlzeit hergestellt. Die Kalorienmenge am Tag beträgt weniger als 1200 Kalorien. Um eine gute Verstoffwechslung im Körper zu gewährleisten, muss zusätzlich viel getrunken werden. Neben einer fehlenden Kautätigkeit kommt es ebenfalls zu keiner Ernährungsumstellung.
Laudes: "Diese Diätform wird bei starkem Übergewicht als Einstieg in die Gewichtsreduzierung angewandt. Wir sprechen hier von einer sogenannten ,VLCD = Very Low Calorie Diät. Das sollte unbedingt unter ärztlicher Kontrolle erfolgen. Für gesunde, leicht übergewichtige Menschen ist eine zehn-Tage-Kur auch ohne ärztliche Aufsicht möglich. Danach sollte man sich langsam wieder an normale Ernährung gewöhnen, indem man etwa eine leichte Mahlzeit am Tag gegen das Pulver austauscht und nach ein paar Tagen eine weitere."
Glyx-Diät / Schlank im Schlaf / Low Carb
Bei diesen Diätformen spielt das Ansteigen des Insulinspiegels durch Kohlenhydrate eine wichtige Rolle. Ein niedriger Insulinspiegel kann das Abnehmen erleichtern. Die Glyx-Diät versucht diesen Mechanismus des Körpers durch möglichst komplexe Kohlenhydrate, wie Vollkornprodukte, zu erreichen. Diese haben dann einen niedrigen glykämischen Index und sorgen für einen ausgeglichenen Insulinspiegel. Bei der Schlank-im-Schlaf-Methode wird abends komplett auf Kohlenhydrate verzichtet, um damit einen Fettabbau während der Nacht herbeizuführen. Bei der Low-Carb-Diät werden grundsätzlich wenige Kohlenhydrate verzehrt, um ähnliche Effekte zu erzielen.
Laudes: "Komplexe Kohlenhydrate, wie etwa Vollkornprodukte, sind grundsätzlich zu empfehlen. Die drei Methoden sind allerdings wissenschaftlich nicht belegt. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hält den glykämischen Index zum Abnehmen nicht für praxisrelevant. Unser Gehirn benötigt Kohlenhydrate, um optimal zu funktionieren, deshalb ist ein Verzicht nicht ratsam."
Hollywood-Diäten, zum Beispiel Ananas-Diät / Eier-Diät
Hier werden nur wenige, sehr kalorienarme Nahrungsmittel verzehrt. Das ist sehr leicht durchzuführen und führt zu einem schnellen Gewichtsverlust. Die kleine Speisenauswahl ist im Alltag schwer durchzuhalten. Es kommt zu Hungergefühlen und Nebenwirkungen wie Kreislaufproblemen.
Laudes: "Diese Diäten sind für eine langfristige Gewichtsreduzierung ausdrücklich nicht zu empfehlen. Durch die drastische Kalorienreduzierung schaltet unser Körper in einen Energiesparmodus. Es folgen Heißhunger und damit verbunden ein Jo-Jo-Effekt. Oftmals ist das Körpergewicht nach solchen Diäten höher, als vorher."
Trennkost nach Hay
Bei dieser Diät werden Eiweiß (Fleisch, Fisch, Eier) und Kohlenhydrate (Kartoffeln, Nudeln, Reis, Brot) getrennt von einander verzehrt. Etwa 80 Prozent der Nahrung sollen aus Gemüse und Obst bestehen. Neutrale Lebensmittel, wie Fett und Gemüse, können sowohl zu den Eiweiß-, als auch zu den Kohlenhydratmahlzeiten gegessen werden. Die sehr strengen Vorschriften für die Lebensmittelkombinationen lassen sich dauerhaft schwer durchhalten.
Laudes: "Die Gesundheitsversprechen dieser Ernährungsform sind wissenschaftlich nicht haltbar. Eine strikte Trennung von Eiweißen und Kohlenhydraten ist schwierig und nicht notwendig."
Weight Watchers
Es soll eine energiereduzierte Mischkost verzehrt werden. Lebensmittel werden mit einem Punktesystem versehen und es gibt keine festen Diätpläne. In wöchentlichen Gruppensitzungen wird bewusstes Essen geschult. Nachteil können die teilweise großen Gruppen mit wechselnden Teilnehmern sein. Es fallen Kosten für die Beratungen an.
Laudes: "Diese etwas kommerziell geprägte Diät hat seit Langem ihre Berechtigung. Hier kann die Gruppenerfahrung das Durchhaltevermögen stärken. Eine langfristige Ernährungsumstellung kann zum Erfolg führen."
Resümee des Ernährungsexperten
"Empfehlenswert ist eine ausgewogene, kalorienreduzierte Mischkost. Über das Gewicht entscheidet allein die tägliche Energiezufuhr. Dabei ist es egal, wann bestimmte Nahrungsmittel gegessen werden. Ich empfehle eine kalorienreduzierte Nahrungszusammensetzung aus 50 Prozent Kohlenhydraten, maximal 30 Prozent Fett und etwa 20 Prozent Proteinen am Tag."

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von Annette Symanczyk
erstellt am 25.Feb.2013 | 04:06 Uhr

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