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Schleswig-Holstein am Sonntag

23. November 2014 | 23:12 Uhr

Suche nach Vermissten : Spurlos verschwunden

vom

In Schleswig-Holstein sind aktuell 309 Menschen als vermisst gemeldet. Meist werden die Fälle schnell gelöst - manchmal enden sie tragisch.

Kiel | Die 15-jährige Birgit Marie Udinga taucht mit ihrem dreimonatigen Baby plötzlich unter. Der 17-jährige Dennis Hoops verschwindet über Nacht unvermittelt aus dem Elternhaus. Der zehnjährige Sebastian kommt nach dem Spielen am Strand nicht mehr zu seinen Eltern zurück. Drei spektakuläre Vermissten-Fälle, die die Menschen in Schleswig-Holstein in den vergangenen Wochen bewegten.
Und diese Fälle sind nur ein kleiner Ausschnitt der Realität. 309 Personen werden - laut Stand vom Freitag - aktuell in Schleswig-Holstein vermisst, sagt Stefan Jung, Sprecher des Landeskriminalamts (LKA). Darunter sind insgesamt 40 Kinder unter 14 Jahren. Von denen wiederum gelten 21 als langzeitvermisst, das heißt, die Fälle wurden vor mehr als sechs Monaten zur Anzeige gebracht. Jung spricht in diesem Zusammenhang von einem hohen Anteil an illegalen Kindesentziehungen mit Verschleppung ins Ausland nach gescheiterten Beziehungen. Im Norden werden immer mehr Menschen als vermisst gemeldet.
14 Vermisstenanzeigen pro Tag
Gab es im Jahr 2007 landesweit 5030 Anzeigen, so wurden 2011 bereits 5246 Personen gemeldet. Das sind im Durchschnitt 14 Vermisstenanzeigen pro Tag. "Je länger eine Person vermisst wird, desto weniger wahrscheinlich ist ein glücklicher Ausgang der Sache, gut 90 Prozent der Fälle klären sich aber innerhalb von 24 Stunden", sagt der LKA-Sprecher. Kinder würden die Zeit beim Spielen vergessen, sich einfach nicht abmelden. Oder es handele sich um jugendliche Ausreißer - wie im Fall der 15-jährigen Birgit Marie Udinga. "Solche Personen sind oft schon mehrfach abgehauen, leben in Betreuungseinrichtungen oder in problematischen sozialen Verhältnissen." Bei Erwachsenen lägen die Gründe für ein Verschwinden sehr häufig in Beziehungsproblemen. "Dazu kommen noch Patienten aus betreuten Einrichtungen, oft ältere Herrschaften, die sich nicht orientieren können oder auf Medikamente angewiesen sind."
Ein ganz spezieller Fall ist der des seit 2010 spurlos verschwundenen Tekin Bicer aus Kiel. Trotz der kürzlichen Aussage eines Hells-Angels-Mitglieds, man habe Bicer getötet und die Leiche im Fundament einer Lagerhalle bei Kiel entsorgt, konnte er bislang trotz Abriss der Halle nicht gefunden werden.
Situation richtig einschätzen
Schwierig sei es bei einer Vermisstenmeldung für die aufnehmenden Beamten immer, die Situation richtig einzuschätzen. "Die Lebensumstände sind entscheidend. Es gilt zu ergründen, ob eine ernste Gefahr für Leib und Leben der Person besteht, ob Anzeichen für ein Verbrechen oder Suizidabsichten bestehen." Danach müsse man entscheiden, ob es vielleicht sogar reiche, wenn noch einmal die Freunde oder die Familie der Person abtelefoniert würden. "Ansonsten reicht unser Spektrum der Möglichkeiten von einer einfachen Fahndung bis hin zum Hubschraubereinsatz."
So wie im tragischen Fall des kleinen Sebastian. Seine Leiche wurde erst nach Tagen mühevoller Suche auf Amrum gefunden, er war beim Einsturz einer selbstgebuddelten Höhle am Strand erstickt. Auch Dennis Hoops aus Owschlag konnte nur noch tot aus dem Nord-Ostsee-Kanal geborgen werden, die Ursache bleibt vermutlich für immer ungeklärt. Gut ging der Fall der jungen Mutter mit Kind aus. Birgit Marie Udinga und ihren kleinen Sohn Leon fand die Polizei bei bester Gesundheit in Magdeburg auf.

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erstellt am 21.Aug.2012 | 10:02 Uhr

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