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Schleswig-Holstein am Sonntag

28. November 2014 | 23:46 Uhr

LKA findet genetischen Fingerabdruck : DNA an Kleidung: Neue Spur im Fall Barschel

vom

Wird das Rätsel um Barschels Tod doch noch gelöst? Ermittler haben an der Kleidung einen genetischen Fingerabdruck gefunden.

Kiel | Eine neue Gen-Spur weckt Hoffnungen - doch taugt sie etwas bei der Suche nach Antwort auf die Frage, ob sich der frühere Ministerpräsident vor rund 25 Jahren umbrachte oder ermordet wurde? Auf den ersten Blick hört es sich vielversprechend an.
Knapp 25 Jahre nach dem mysteriösen Tod von Uwe Barschel in einem Genfer Hotelzimmer haben Spezialisten des Landeskriminalamts in Kiel DNA-Spuren eines Unbekannten an der Kleidung des CDU-Politikers gefunden. Könnte damit nun doch noch Licht in den bislang ungelösten Polit-Krimi um den früheren schleswig-holsteinischen Regierungschef kommen? Klären die Spuren, ob sich Barschel nach der Waterkant-Affäre 1987 umgebracht hat oder ob er womöglich doch ermordet wurde, weil er angeblich über illegale, internationale Waffenschiebereien auspacken wollte?
Nicht allein im Hotelzimmer?
Für den früheren schleswig-holsteinischen CDU-Landtagsabgeordneten Werner Kalinka, der bereits Bücher über den Fall verfasst hat, steht schon lange fest, dass Barschel ermordet wurde. Er sieht sich durch die Ergebnisse der von ihm selbst 2010 angeregten DNA-Analyse von Asservaten in seiner Vermutung bestätigt. Stehe doch nun fest, dass es eine zweite Spur gebe, die nicht von Barschel selbst stamme, und dass dieser damals in seinem Hotelzimmer eigentlich nicht allein gewesen sein könne.
Das sichergestellte DNA-Material des Unbekannten ist laut Kalinka noch gut erhalten, um es es mit möglichen Verdächtigen vergleichen zu können. Werner Kalinka zu shz: "Es haben sich an Socken und der Krawatte mindestens eine zweite DNA-Spur gefunden, die nicht von Barschel stammt. Die ist auch deutlich ausgeprägter als in anderen Bereichen."
Fremder oder Zimmermädchen?
Das sei schon eine neue Qualität in der Ermittlungssituation, da man jetzt sicher wisse, dass es eine zweite Spur gibt, die nicht von Barschel stamme. Im shz-Interview forderte Werner Kalinka die Staatsanwaltschaft Lübeck auf, die eingestellten Ermittlungen wieder aufzunehmen um abzuklären, ob diese neue Spur von einer unbekannte fremden Person stamme die im Hotelzimmer nichts zu suchen hatte, oder vom Zimmermädchen. "Dies ist doch jetzt die weitere Aufgabe einer Staatsanwaltschaft."
In der Tat haben die Spezialisten Rückstände von DNA einer fremden Person auf der Strickjacke, den Socken und der Krawatte sichergestellt, die der CDU-Politiker in der Nacht seines Todes 11. Oktober 1987 im Genfer Hotel "Beau Rivage" trug. Auch auf einem Hotel-Handtuch im Zimmer 317, in dem Barschel tot in der Badewanne lag, seien Spuren entdeckt worden.
Einer der größten deutschen Politskandale
Doch helfen sie bei der Lösung des Falls? Sicher ist bislang nur, dass Barschel 1987 in einen der größten deutschen Politskandale verwickelt war, bei dem SPD-Spitzenkandidat Björn Engholm illegal ausgespäht und denunziert wurde. Als Ministerpräsident gab Barschel damals sein "Ehrenwort", dass die Vorwürfe haltlos seien. Rund eine Woche später trat er zurück, noch drei Wochen später war er tot.
Während etliche danach auf einen Selbstmord aus Verzweiflung schlossen, mehrten sich später Stimmen, die von einem Mord ausgingen. So wurde etwa bei der Autopsie ein tödliches Gemisch aus acht verschiedenen Medikamenten in Barschels Leiche gefunden. Auch ließen Zeugenaussagen vermuten, dass Barschel wegen Waffendeals von Leuten im Umfeld internationaler Geheimdienste zum Schweigen gebracht wurde.
Ermittlungen erfolglos eingestellt
Selbst die Staatsanwaltschaft Lübeck wollte die Mordtheorie nicht ausschließen, stellte aber 1989 dennoch die Ermittlungen ein. Sie erklärte, es gebe keine Perspektive für weitere Untersuchungen. Diese könnten aber jederzeit wieder aufgenommen werden. Genau das verlangt Kalinka nun im Licht der neuen Spur und beklagt, dass sich die Anklagebehörde bereits in der Vergangenheit nicht gerade mit Ruhm bekleckert habe.


Tatsächlich war der Fall Barschel von Anfang an derart von Pleiten, Pech und Pannen begleitet, dass manche Absicht dahinter vermuteten. Bereits die Schweizer Ermittler hatten wegen eines defekten Filmes lausige Tatortfotos abgeliefert, der erste Obduktionsbericht war unvollständig. Später verschwanden Beweismittel aus der Asservatenkammer.
Staatsanwaltschaft will nicht weiter ermitteln
Und nun? Für die Staatsanwaltschaft Lübeck gibt es trotz der Spur bislang keinen Grund für neue Ermittlungen. "Die Ergebnisse können der Staatsanwaltschaft Lübeck keinen Anlass geben, in die Todesermittlungssache wieder einzutreten", sagte Oberstaatsanwalt Ralf Peter Anders dem NDR. Die Spuren seien so schwach, dass sie nicht für ein recherchefähiges DNA-Profil genutzt oder mit der Datenbank des Bundeskriminalamts (BKA) abgeglichen werden könnten.
Der frühere Chef-Ermittler im Fall Barschel, Heinrich Wille, ist ähnlicher Meinung - wenn auch aus anderen Gründen. Selbst wenn die Spuren aussagekräftig wären, sagte der damalige Leiter der Lübecker Staatsanwaltschaft der Nachrichtenagentur dpa, brächte das kaum etwas. Denn auch dann wäre nichts in den Datenbanken zu finden. "Wenn ich Recht habe, dann war es ein professioneller Mord", sagt Wille. Und Geheimagenten aus Iran, Israel oder Südafrika seien nun mal nicht registriert. "Damals gab es keine Ansatzpunke, die auf einen Täter weisen. Ich befürchte, das wird jetzt nicht anders sein."
Solange der Fall nicht aufgeklärt ist, wird es wohl weiterhin mehr oder weniger plausible Theorien geben. Kalinka kritisiert daher das Vorgehen der Staatsanwaltschaft. In den vergangenen Jahrzehnten sei die Arbeit der Staatsanwaltschaft Lübeck "alles andere als ruhmvoll" gewesen. "Es drängt sich geradezu die Frage auf, ob an bestimmten Ermittlungen kein oder nur wenig Interesse besteht."
Die Suche nach der Wahrheit hat auch lange nach dem Tod des Politikers immer wieder neue Wendungen genommen. Noch im vergangenen Jahr hatte die Generalstaatsanwaltschaft nach einer Strafanzeige von Barschels Witwe Freya wegen des Verdachts der Strafvereitelung im Amt die Kieler Anklagebehörde mit einer Untersuchung beauftragt. In der Anzeige gegen Unbekannt ging es um ein fremdes Haar aus Barschels Genfer Hotelbett, das bei der Staatsanwaltschaft Lübeck verschwunden war.
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erstellt am 31.Jul.2012 | 08:26 Uhr

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