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Schleswig-Holstein am Sonntag

24. April 2014 | 17:15 Uhr

Bankenkrise - Den Sparkassen im Land ging es schon besser

vom

Bankenkrise, Inflation - und nun auch noch Berichte über finanzielle Probleme einiger Sparkassen in Schleswig-Holstein. Wie sicher sind unsere Sparkassen?

Kiel | Das Fazit von Reinhard Boll nach der Absage zum Provinzial-Verkauf war kurz. Der Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes für Schleswig-Holstein bilanzierte nüchtern: "Unsere Sparkassen haben sicherlich schon bessere Tage gesehen." Dabei waren die 14 Institute mit großen Erwartungen in das Jahr 2012 gestartet, nachdem das Geschäftsvolumen im Vorjahr um rund 100 Millionen Euro auf 36,6 Milliarden Euro gestiegen war. Auch bundesweit stehen die Sparkassen im Norden gut da: In der Rangliste 2011 haben es mit der Nord-Ostsee-Sparkasse, der Förde-Sparkasse, der Sparkasse Holstein sowie der Sparkasse Südholstein gleich vier Institute unter die besten 45 der insgesamt 426 öffentlich-rechtlichen Kassen geschafft. Unangefochtener Spitzenreiter im Ranking ist die Hamburger Sparkasse.
Die Finanzkraft der Hamburger soll den Schleswig-Holsteiner Sorgenkindern auf die Beine helfen. "Wir stehen weiter gern als Partner bereit, wenn das gewünscht ist", sagte Stefanie von Carlsburg, Pressesprecherin der HASPA Finanzholding, auf Anfrage von Schleswig-Holstein am Sonntag. Die Holding, der zu 100 Prozent die Hamburger Sparkasse AG gehört, ist bereits an den vier freien Sparkassen in Schleswig-Holstein beteiligt: mit 24,6 Prozent an der Sparkasse Mittelholstein, mit 15 Prozent an der Bordesholmer Sparkasse, mit 26 Prozent an der Sparkasse zu Lübeck sowie mit 50 Prozent an der Spar- und Leihkasse zu Bredstedt. Gerade die gemeinsame Übernahme der Bredstedter durch die HASPA Finanzholding und den Sparkassen- und Giroverband für Schleswig-Holstein sowie die Zuführung von 20 Millionen Euro frischen Kapitals durch die beiden wurde als Muster-Beispiel gefeiert. "Regional verwurzelte Sparkassen sind auch in Schleswig-Holstein Garanten einer flächendeckenden Versorgung breiter Bevölkerungskreise und des Mittelstandes mit kreditwirtschaftlichen Leistungen. Die Spar- und Leihkasse zu Bredstedt wird mit dem beschlossenen Konzept als regional verwurzelte Sparkasse gestärkt werden - zum Wohle der Bürger, der Wirtschaft und der Region", war sich Reinhard Boll damals sicher.

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Fusionskontrolle

Doch das Geld der Hamburger ist nicht überall willkommen. Eine Minderheitsbeteiligung der HASPA in Höhe von 25,1 Prozent bei der Kreissparkasse Herzogtum Lauenburg hatte das Bundeskartellamt im Februar untersagt. Dabei sind die Lauenburger eine der besser gestellten Sparkassen im Land. Dazu zählen auch die Sparkasse Holstein, die sogar auf den Hamburger Markt drängt und die Förde-Sparkasse.
Dass es um die Finanzkraft der Schleswig-Holsteiner Sparkassen recht unterschiedlich bestellt ist, belegen Probeberechnungen des Schleswig-Holsteinischen Sparkassen- und Giroverbands zu den Anforderungen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), besser bekannt als Basel III. Demnach verfehlen drei der 14 Sparkassen die hier vorgegebenen Eigenkapitalquoten. Insgesamt sechs Institute im Land haben massiven Handlungsbedarf und müssen wesentliche Teile des Jahresergebnisses den Rücklagen zuführen. Gleich elf Sparkassen erfüllen, so der Verband, die neuen Liquiditätsanforderungen nicht. Zusätzlich seien die Verluste aus Abschreibungen, die in diesem Jahr auf die schleswig-holsteinischen Sparkassen zukommen, beträchtlich, so ein Insider gegenüber Schleswig-Holstein am Sonntag. Mit "mindestens 70 Millionen" wird bei der krisengeschüttelten HSH Nordbank gerechnet, die auch unter dem neuen Vorstand Constantin von Oesterreich nicht aus den roten Zahlen kommt. Hinzu kämen weitere Abschreibungen aus anderen Beteiligungen - darunter die Landesbank Berlin - in Höhe von rund 50 Millionen Euro.

Einlagensicherung

Die schrumpfenden Gewinne haben auch massive Auswirkungen auf die gemeinnützigen Bereiche. Die Sparkassen sind in Schleswig-Holstein der größte nicht-staatliche Förderer von Kunst, Kultur und gemeinnützigen Aufgaben. Jährlich stellen sie selber oder über ihre 52 Stiftungen gut 16,5 Millionen Euro für Projekte zur Verfügung. So profitiert das Schleswig-Holstein Musik Festival ganz wesentlich davon. Zudem sind die Sparkassen mit 8 265 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einer der größten Arbeitgeber im Land. Doch gerade hier droht durch Fusionen ein massiver Arbeitsplatzabbau, wie er auch den derzeit noch rund 3000 Beschäftigten der Provinzial in Schleswig-Holstein droht, sollte der Versicherer mit der Provinzial Rheinland wirklich verschmelzen.
Bei aller Sorge um die Zukunftsfähigkeit einzelner Kassen, das Geld der Sparer in Schleswig-Holstein ist sicher. Die gesetzliche Einlagensicherung bei Banken und Sparkassen beträgt in Deutschland 100.000 Euro. Darüber hinaus haben die Sparkassen eigene Sicherungssysteme: Bei drohenden oder bestehenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten eines Mitgliedsinstitutes leistet die zuständige Sicherungseinrichtung der jeweiligen Sparkassen-Finanzgruppe Hilfe und sichert die Liquidität dieses Institutes. In Schleswig-Holstein ist dies der Sparkassen- und Giroverband Schleswig-Holstein. Die bundesweit elf gebildeten Sparkassenstützungsfonds sichern sich zusätzlich gegenseitig ab.

von Dieter Schulz, Schleswig-Holstein am Sonntag
erstellt am 17.Dez.2012 | 02:13 Uhr

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01. | Kay Jürgensen | 17.12.2012 | 10:55 Uhr
ALBERT ANSTAND 17.12.2012 10:33

Lassen Sie sich nicht bluffen, die Allianz AG gehört zu den kerngesundesten Unternehmen des ganzen Landes. 103 Milliarden Umsatz, mit einer Umsatzrendite von etwa über 7 %. Man verfügt über enorme Anlagevermögen, komplette Innenstädte gehören der Allianz.

Das Gegenteil ist der Fall. Die Provinzial erstickt in strukturellen Problemen, das Lebensversicherungs- Geschäft ist am Boden, was bei seit Jahren niedrigen Zinsen nicht verwunderlich ist. Man -muss- deshalb fusionieren. Das Problem schwelt weiter, die Sparkassen brauchen das Geld.
https://www.allianz.com/de/investor_relations/ergebnisse_berichte/geschaeftsberichte.html#

02. | Albert Anstand | 17.12.2012 | 10:33 Uhr
interessant

Interessant, was sich alles hinter den dünnen Nachrichten des shz verbirgt, daß die Allianz gesunde Unternehmen wie die Provinzial kauft um sich zu sanieren, war nicht so klar bisher.

03. | Hans Stein | 16.12.2012 | 18:14 Uhr
PUPPE AUS DER HAUPTSTADT - Es war einmal....

… eine Kanzlerin Merkel, die die Richtlinien der Politik bestimmte und bestimmt. Schön die ganze Wahrheit bringen.

Jetzt aber mal losgelöst von den Farben: Die Finanzkrise wurde von Amerika ausgelöst. Jeder konnte dort ein Haus bauen, auch ohne Eigenkapital. Und wenn er die Leistungen hierfür nicht mehr erbringen konnte, gab er es einfach an die Bank zurück. Und was machten die Banken? Die verbrieften ihre Forderungen – also machten Wertpapiere daraus - und verkauften sie in alle Welt. So fing alles an. Und auch die dummen Europäer kauften sehr viel von diesem Schrott, Commerzbank, HSH, WestLB, HRE, Deutsche Bank usw. Wie jetzt zu lesen ist, kam die Deutsche Bank damals nur mit einem blauen Auge davon, weil sie ihre Bilanz manipulierte.

Die Probleme aus der Subprime-Krise wurden einfach nur weitergereicht. Nun haben die Kunden, Sparkassen und Versicherer als Geldanleger sie.

Die Sparkassen haben aber nicht nur Probleme wegen der Subprime-Krise. Die Strukturprobleme sind seit langem offensichtlich. Sie können bei gesunkenen Margen den Kostenblock zwar noch bedienen, aber die Überschüsse werden immer geringer. Jedes Haus hat einen (sehr gut bezahlten) Vorstand, eine Revisions-, Personal-, Organisationsabt.-, eine DV-Orga, Kredit-Orga, Marketingabt., Markt- und Kreditmarktfolgeabteilungen usw. Dazu kommt, dass in den Zentralorten viel zu große Häuser für viel zu wenig Kunden gehalten werden, Beispiel Flensburg, wo in dem alten Gebäude der SL-FL-Sparkasse mehr Mitarbeiter als Kunden zu sehen sind. Was für ein Luxus.

Die Kostenprobleme kennt man aber überwiegend schon seit mind. 10 Jahren, nur geändert hat man wenig.

Dazu kommt bei einigen Sparkassen eine erstaunliche Marktferne: Der Kunde ist Mittel. Punkt.

Das haben die Genossenschaftsbanken viel besser hinbekommen, obwohl sie eine ähnliche Struktur haben. Aber sie wachsen eben, im Gegensatz zu den behäbigen Sparkassen.

04. | Puppe aus der Hauptstadt | 16.12.2012 | 16:56 Uhr
Es war einmal ...

Steinbrück war als Finanzminister an der Bankenrettung maßgeblich beteiligt. Also, schön auf dem Teppich bleiben und nicht vergessen, dass die Sozis das Geld aus dem Provinzial-Verkauf seinerzeit für die Altersversorgung verwenden wollten, es aber dann lieber sinnlos verprasst haben. Schön die ganze Wahrheit bringen.

05. | Puppe aus der Hauptstadt | 16.12.2012 | 16:56 Uhr
Es war einmal ...

Steinbrück war als Finanzminister an der Bankenrettung maßgeblich beteiligt. Also, schön auf dem Teppich bleiben und nicht vergessen, dass die Sozis das Geld aus dem Provinzial-Verkauf seinerzeit für die Altersversorgung verwenden wollten, es aber dann lieber sinnlos verprasst haben. Schön die ganze Wahrheit bringen.

06. | Gerhard Stahl | 16.12.2012 | 16:51 Uhr
Lieber Hugo, für wen machen Sie denn Wahlkampf, denn : alle Regierungsparteien

greifen schon immer in die Kassen der Sparkassen, der HSH und damit auch der
Provinzial. Das letztere besser dasteht als die Alli ist auch ein schlechter Witz
von Ihnen : denn den LV-Versicherungen geht es wegen dem Versagen aus
der Politik allen ans Leder !

07. | Hugo T. | 16.12.2012 | 16:25 Uhr
Hintergrund - Versicherte sind geschützt

Der Kauf durch die Allianz hätte bedeutet, daß die schwächelnde Allianz aus der Provinzial Rendite zieht um ihre eigenen maroden LV-Verträge zu sanieren, damit wenigstens die früher garantierte Mindestverzinsung gezahlt werden kann, an den Spielbanken (Finanzmärkten) ist zur Zeit und auch mittelfristig kein Gewinn zu holen.

Der Verkauf hätte für die Eigentümer von Lebensversicherungen bei der Provinzial bedeutet, daß die Ablaufleistung deutlich geringer ausfallen würde - also eine Enteignung von Versicherten der Provinzial zugunsten der Versicherten der Allianz.

Prima, daß Peer Steinbrück damals das Vetorecht in die Verträge geschrieben hat, und das jetzt nicht die käuflichen Schwarz-Gelben dran sind, die hätten - gegen Spenden, versteht sich, - das Veto nicht eingelegt.

So haben Rot-Grün und Steinbrück zumindest die Vermögen der Provinzial-Lebensversicherten in SH gesichert. Ist doch mal eine gute Nachricht nach all der Steuerverschwendung an die Banken ("Rettungsschirm") durch die "Wirtschaft-Parteien" (CDU, FDP, CSU) in Berlin.

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