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28. Mai 2016 | 20:00 Uhr

Wolfsland Dithmarschen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Der Kreis zwischen Eider und Nord-Ostsee-Kanal hat alles, was die Einwanderer brauchen – mindestens einer hält sich seit Längerem dort auf

Stille Landstriche entlang der Eider, Wälder auf der Geest und riesige Ackerflächen, die Schutz bieten, wenn Mais und Getreide hoch genug stehen. Dithmarschen könnte Schleswig-Holsteins Wolfsland werden. Das hält auch Jens Matzen (57) vom Wolfsinformationszentrum Schleswig-Holstein für möglich, zumal das Nahrungsangebot schon durch die vielen Rehe ausreichend ist. Auch wenn niemand sagen kann, wie viele Wölfe tatsächlich durch Dithmarschen streifen und ob sie sich dauerhaft zwischen Eider und Nord-Ostsee-Kanal aufhalten, so wurden doch bereits einzelne Tiere nachgewiesen oder es gab zumindest Hinweise auf Meister Isegrim.

Das jüngste Fall liegt zehn Tage zurück. Auf einer Weide in der Eiderniederung bei Wrohm hat ein Wolf vermutlich ein totgeborenes Kalb angefressen. Es wurde eine DNA-Probe genommen, die jetzt im Forschungsinstitut Senckenberg untersucht wird. Erst wenn das Ergebnis bekannt ist, kann hundertprozentig gesagt werden, ob es tatsächlich ein Wolf war. Für einen Wolf spricht aber, dass in der Gegend am selben Tag ein Artgenosse gesichtet wurde. Die genaue Ortsbeschreibung möchte Matzen aber nicht verraten, es sollen keine Neugierigen angelockt werden.

Etwas gewundert hatte sich Matzen darüber, dass Mitte Mai ein Wolf sogar auf dem Außendeich bei Büsum unterwegs war und dort zwei Schafe riss. Die bei den toten Schafen entnommenen Genetikproben ergaben einwandfrei, dass ein Wolf die Deichschafe tötete. Die Experten konnten bislang aber nicht herausfinden, aus welchem Rudel das Tier stammt. Jedoch zeigt das genetische Profil einen sehr hohen Verwandtschaftsgrad mit einigen deutschen Rudeln.

Heftig spekuliert wird unterdessen weiter darüber, ob sich die im vorigen Jahr im Raum Hennstedt nachgewiesene Wölfin noch in Dithmarschen aufhält. Nicht auszuschließen ist, dass sie es war, die bei Wrohm gesichtet wurde. „Ein Radius von 25 Kilometer ist für Wölfe nichts Ungewöhnliches“, meint Matzen. Denn die Raubtiere beanspruchen in der Regel ein Revier von etwa 100 Quadratkilometer.

„Kurios“ findet Matzen, dass die Wölfin im vorigen Sommer zwischen Dithmarschen und Schwerin „gependelt“ war. Nachdem sie im Mai bei Kleve und Linden Schafe gerissen hatte, wanderte sie nach Mecklenburg-Vorpommern, wo sie nachweislich auch ein Schaf tötete. „Vier Wochen später war sie dann wieder zurück in Dithmarschen und riss östlich von Tellingstedt ein Reh“, so der Wolfsbetreuer.

Hennstedt, Tellingstedt, Wrohm – hat die inzwischen zweieinhalb Jahre alte Wölfin, die aus dem 300 Kilometer Luftlinie entfernten „Altengrabower Rudel“ in Sachsen-Anhalt stammt, in diesem Dreieck womöglich ihr Revier gefunden? Einiges spricht dafür. Denn Wölfe brauchen tagsüber wirkliche Ruhe, aktiv sind sie nur in der Nacht. Und es muss genügend Futter vorhanden sein. Beute sind vor allem Rehwild, Hasen, Mäuse. „Das ist hier in der Eiderniederung alles gegeben.“

Wie Matzen erklärt, ist Dithmarschen offensichtlich der einzige Landstrich in Schleswig-Holstein, wo sich Wölfe länger aufhalten. Die Tiere, die in den Kreisen Ostholstein, Segeberg und Stormarn sowie im Herzogtum Lauenburg nachgewiesen wurden, waren dagegen wohl auf Durchreise in Richtung Norden. So wurden bislang drei Wölfe von einem Auto erfasst und getötet.

Auf Wanderschaft sind meistens junge Tiere, denn Wölfe müssen ihr Rudel verlassen, wenn sie ein Jahr alt und geschlechtsreif sind. Auf der Suche nach einem eigenen Revier wandern sie oft aus Ostdeutschland kommend Richtung Nordwesten, legen täglich bis zu 70 Kilometer zurück. Matzen meint, dass sie die Elbe als Leitlinie nehmen und schließlich in Dithmarschen landen, wobei sie den Nord-Ostsee-Kanal „ohne Mühe“ durchschwimmen.

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erstellt am 25.Jul.2014 | 13:38 Uhr

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