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26. Mai 2016 | 02:37 Uhr

Duftstoffe gegen Schnüffler-Stress

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Rauschgift- und Sprengstoffspürhunde müssen viel leisten – neue Methoden sollen sie noch aufnahmefähiger machen

Die Hundenase spielt in der Verbrechensbekämpfung, der Vermisstensuche, der Medizin und in anderen Bereichen eine immer größer werdende Rolle. An drei Tagen fand in Hamburg das erste Symposium zur Geruchslehre bei Diensthunden statt. Das Institut für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf hatte geladen. Rund 240 Teilnehmer von Wissenschaftlern, Polizeibeamten, Staatsanwälten und Anwälten aus ganz Deutschland nahmen an der Tagung teil. Themen waren unter anderem das Lernverhalten von Hunden, die Möglichkeiten und Grenzen der Geruchslehre im Strafverfahren – und die Anwendung von Pheromonen in der Hundeausbildung. Ein Aspekt, den Kai Rottmann von der Hamburger Polizei nun auf Anwendungstauglichkeit prüfen will. Der Hamburger leitet die Ausbildung der Hamburger Polizeihunde in der Diensthundeschule in Altengamme. 22 Wochen dauert es, einen Schutz- und Spezialhund auszubilden. Allein zwölf Rauschgift- und neun Sprengstoffspürhunde leisten in Hamburg ihren Dienst.

Bislang werden bei der Polizei Hamburg keine Beruhigungspheromone eingesetzt. Doch mit den Stoffen könnten die Hunde eine höhere Lernbereitschaft bekommen, so das Ergebnis des Symposiums. Rottmann schließt daher einen Einsatz in seinem Verantwortungsgebiet in Zukunft nicht aus. Beruhigungspheromone sind Geruchsbotenstoffe die von der Hündin direkt nach Geburt ihrer Welpen am Gesäuge gebildet werden. Während seiner Entdeckungsreisen sucht der Welpe immer wieder Kontakt zur Mutter, deren Beruhigungspheromon ihn emotional stabilisiert und beruhigt. Mit einem synthetisch nachgestellten Stoff könnte dieser beruhigende Effekt bewusst nachempfunden werden. Der Gebrauch von D.A.P (Dog Appeasing Pheromon), welches sich diesen beruhigenden Effekt natürlicher Pheromone zu Nutzen macht, vermindert Stress, Angst und Kummer bei Hunden jeden Alters. „Damit werden wir nicht morgen beginnen, aber vielleicht werden wir ein Pilotprojekt dazu starten“, kündigte Rottmann gestern an. Auch im Bereich Lernverhalten von Tieren konnte der Ausbilder einige Erkenntnisse sammeln.

Die Riechleistung einer Hundenase ist außergewöhnlich und für den Menschen unvorstellbar. „Hunde können dann noch riechen, wenn die Wissenschaft schon längst an seiner Grenze ist“, so Manfred Quedzuweit, Kriminaldirektor a. D. von der Polizei Hamburg. Als Beispiel nannte er, dass Hunde noch acht Monate nachdem ein Taschentuch nur wenige Minuten auf einem Leichnam lag, es unter vielen Taschentüchern identifizieren können. Die Wissenschaft nicht. Dennoch warnten alle Beteiligten des Wissenschaftlichen Beirats, u. a. mit Babett Höfling, Hans-Jörg Kaminski und Christine Schüler von der Arbeitsgemeinschaft Odorologie, dass die Erkenntnisse der Spürhunde nie Grundlage für ein Strafverfahren seien dürften. Der Hund könne nur das Indiz sein.

Wissenschaftlich sind die Möglichkeiten und Grenzen bei der Geruchsdifferenzierung bisher wenig erforscht. Auch ein Thema des Symposiums: Die Krebsfrüherkennung durch Hunde. „Wenn sich das Stoffwechselsystem verändert, können die Tiere dies riechen“, so Manfred Quedzuweit. An der TU Harburg arbeiten Wissenschaftler derzeit an möglichen Analysegeräten für die Messbarkeit.

Schon im nächsten Jahr könnte das zweite Symposium zur Geruchslehre bei Diensthunden stattfinden. „Gemeinsam mit Professor Klaus Püschel vom UKE sind wir im Gespräch das Symposium in den nächsten ein bis zwei Jahren wieder nach Hamburg zu holen“, so Christine Schüler von der Arbeitsgemeinschaft Odorologie.

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erstellt am 13.Sep.2013 | 00:31 Uhr

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