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29. Juli 2016 | 09:47 Uhr

Tourismus : Deutsche entdecken Dänemark wieder

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Nach massiven Verlusten ziehen Ferienhaus-Buchungen in Dänemark erstmals wieder an. Eine neue Ostsee-Kampagne verstärkt die Konkurrenz mit Schleswig-Holstein.

Jahr für Jahr haben sich weniger Deutsche für einen Urlaub im dänischen Ferienhaus entschieden. Doch für diesen Sommer deuten erste Anzeichen auf eine Trendwende hin: „Die Buchungen aus Deutschland liegen zwischen fünf und zehn Prozent über dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum“, sagt der Vorsitzende des Branchenverbands der Ferienhausvermieter, Carlos Villaro Lassen. Er vertritt alle großen Anbieter wie Novasol, Dansommer, Dancenter oder Sol & Strand. Damit hat er einen Überblick über 38 000 der insgesamt 40.000 zur Vermietung stehenden dänischen Ferienhäuser.

„Es ist das erste Mal seit sechs Jahren, dass wir eine positive Tendenz erleben“, freut sich Villaro Lassen. 2008 hatte es zuletzt einen bescheidenen Aufschwung gegeben, dann kam die Wirtschafts- und Finanzkrise. Ohnehin war es nur ein kleines Zwischenhoch. Dramatisch fällt der Popularitätsverlust des dänischen Ferienhauses bei den Bundesbürgern im längerfristigen Vergleich aus: In den letzten 20 Jahren sind mehr als vier Millionen Übernachtungen von Deutschen im Königreich verloren gegangen. Das bedeutet ein Minus um über ein Viertel auf dem wichtigsten Markt.

„Wir haben die deutschen Urlauber für selbstverständlich gehalten – das war ein Fehler“, meint Lassen. Unter dänischen Touristikern herrscht die gängige Ansicht, sie hätten deutsche Gäste vor allem wegen der Wiedervereinigung verloren: Dadurch gebe es eben mit Mecklenburg-Vorpommern sehr viel mehr Kilometer Küste zum Erholen im eigenen Land. Studien dänischer Tourismusorganisationen haben aber auch zu Tage gefördert: Vielen Deutschen ist in den dänischen Ferienhausgebieten zu wenig los, es mangelt ihnen an organisierten Freizeitaktivitäten, Veranstaltungen und Aufenthaltsqualität außerhalb des Ferienhauses selbst. Dies gelte vor allem für jüngere Familien. Eine ganze Generation von ihnen habe Dänemark verloren, resümierte jüngst ein Report des als Reaktion auf die Krise geschaffenen „Wissenszentrums für Küstentourismus“ im Nordseeort Hvide Sande.

Und dann ist da das Preisniveau. Jeder, der in Dänemark einkaufen, Kaffee trinken oder Eis essen geht, wird deutlich mehr Geld los als in Deutschland. Laut einem Vergleich des Statistischen Bundesamts von 2013 müssen Verbraucher nördlich der Grenze für den Erwerb eines repräsentativen Warenkorbs EU-weit am tiefsten in die Tasche greifen. Das Preisniveau liegt um 42,2 Prozent über dem Durchschnitt aller Mitgliedsstaaten.

Die Marketing-Dachorganisation „Visitdenmark“ analysiert in einem Strategiepapier: „Die Qualität des Produktes stagniert an vielen Stellen, und das Preis-Leistungs-Verhältnis hat Dänemark in den letzten zwei Jahren weniger konkurrenzfähig werden lassen.“

Auf dem Ferienhausmarkt nördlich der Grenze geht ohne die Bundesbürger gar nichts. Im vergangenen Jahr sorgten sie dort für 9,7 Millionen von insgesamt 15 Millionen Übernachtungen. Mit weitem Abstand folgen die Norweger mit 718.000, die Niederländer mit 325.000 und die Schweden mit 231.000 Übernachtungen. Auf das Konto der Dänen selbst gehen in den vermieteten Ferienhäusern nur 3,7 Millionen Übernachtungen. Meist besitzen sie selbst ein Sommerdomizil oder werden von Verwandten und Freunden eingeladen.

2011 musste Dänemarks Image durch die Wiederbelebung der Grenzkontrollen weiter Federn lassen, im vergangenen Jahr schreckten manche Deutsche verschärfte Vorschriften für die Mitnahme von Hunden nach Dänemark ab. „Zu Unrecht“, wie Lassen meint. „Um die Hunderegeln gab es viele Missverständnisse, sie sind nicht so scharf wie viele dachten.“

Der Branchen-Vorsitzende meint, dass die Ferienhausanbieter inzwischen besser darin geworden seien, die gestiegenen Erwartungen der Deutschen an die Ausstattung und Qualität der Unterkünfte zu erfüllen. Auch glaubt er, die Branche beginne, sich Kritik von Deutschen an nachlassendem Service und Sauberkeit zu Herzen zu nehmen. Gleichwohl bleibt Lassen vorsichtig: „Ich hoffe, dass wir mit diesem Jahr die negative Kurve durchbrechen – aber versprechen kann ich es noch nicht, sondern frühestens zum Herbst.“ So oder so steht für ihn fest: „Es liegt noch ein großes Stück Arbeit vor uns.“ Insbesondere gehe es darum, die Nachfrage jenseits der Sommerferien zu erhöhen. Dazu gelte es, neue Zielgruppen zu erobern, kinderlose Paare etwa, die auf das Thema Genuss abfahren.

Dabei muss sich insbesondere der Tourismus in Schleswig-Holstein auf einen Angriff aus Dänemark einstellen. „Visitdenmark“ hat gerade eine Kampagne unter dem Motto „die dänische Ostsee“ gestartet. Der Branchenverband der Ferienhausvermieter setzt darauf große Hoffnung: „Damit möchten wir einige Kunden von der deutschen Ostseeküste kapern“, sagt Carlos Villaro Lassen. Allzuoft werde das Reiseziel Dänemark von Deutschen bisher mit der Nordsee gleichgesetzt. Nun will man den Blick potenzieller Besucher genauso auf das gegenüberliegende Meer richten. Und zwar vor allem bei denen, so erklärt es Lassen, die durch einen Aufenthalt in Schleswig-Holstein oder Mecklenburg-Vorpommern schon erfahren haben, wie schön es an der Ostsee ist.

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erstellt am 23.Mai.2014 | 18:04 Uhr

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