WILSTERSCHE ZEITUNG

 

Exotischer Stör mit Igel-Schnauze

21. Juli 2010 | Von Sh:z


Fischer Eberhard Rübcke fing einen exotischen Stör. Foto: Arebeitsgemeinschaft Osteland

Einen 68 Zentimeter langen Stör hat der Berufsfischer Eberhard Rübcke aus Beidenfleth mit seinem Fischkutter "Luise" in der Elbe unterhalb Hamburgs gefangen. Vermutungen, es handele sich bei dem Kaviarfisch um einen der Störe der einst im Nordseeraum heimischen Art "Acipenser sturio", die im Frühjahr 2009 versuchsweise in den Elbnebenflüssen Stör und Oste ausgesetzt worden sind, bestätigten sich nicht. Umgehend eingeleitete Recherchen, in die Experten des Berliner Leibniz-Institutes für Gewässerökologie und Binnenfischerei sowie die Arbeitsgemeinschaft Osteland und der Arbeitskreis Wanderfische Oste einbezogen waren, ergaben: Bei dem spektakulären Fund - einem Fisch mit urtümlich wirkenden Knochenplatten und igelartiger Schnauze - handelt es um ein verirrtes Exemplar des Sibirischen Störs (Acipenser baerii).

Als hoch erfreulich bewertet es der Sprecher des Arbeitskreises Wanderfische Oste, Wolfgang Schütz aus Osten, dass die für solche Fälle vorgesehene Alarmkette funktioniert hat. Nach der telefonischen Mitteilung des Elbfischers hatte Arbeitskreismitglied Albertus Lemke den Stör im Hafen von Borstel (Kreis Stade) von einem Beiboot des Fischkutters "Luise" übernommen und in einem mit Sauerstoffzufuhr versehenen Spezialtank nach Oberndorf/Oste transportiert. Von dort aus wurden Detailfotos des Fisches an das Berliner Fachinstitut übermittelt. Wenig später konnte der Berliner Störprojektleiter Dr. Jörg Geßner mitteilen, bei "Luise", wie der Fisch unterdessen getauft worden war, handele es sich nicht um ein Exemplar des nur noch in Südfrankreich wild lebenden Europäischen Störs aus dem aktuellen Wiederansiedlungsprogrammen für die Flüsse Oste und Stör, sondern um den Vertreter einer der 26 übrigen Störarten.

Zu Zufallsfängen solcher für Laien schwer auseinander zu haltender Exoten, die zumeist aus Zuchtanlagen entwichen oder von Gartenteichbesitzern ausgesetzt worden sind, war es in der Vergangenheit gelegentlich auch im Einzugsbereich der Elbe gekommen.

In einem Informationsblatt mit dem Titel "Stör ist nicht gleich Stör" warnen die Berliner Fischbiologen davor, Vertreter exotischer Störarten in heimischen Gewässern auszusetzen. Die möglichen Folgen - Fischkrankheiten und Hybridisierung - könnten die jetzt angelaufene Wiederansiedlung des einst in der Nordsee heimischen Europäischen Störs gefährden.

"Luise" wird nun zunächst dem Naturkundemuseum Natureum Niederelbe in der Ostemündung bei Balje als Leihgabe angeboten worden. Später soll der Fisch, der bis zu 60 Jahre alt werden kann, in ein in Oberndorf geplantes "Stör-Informationszentrum" umziehen.

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