WILSTERSCHE ZEITUNG

 

Villa Schütt

Bleiverglasung aufwändig restauriert

18. Juni 2011 | 04:50 Uhr | Von Ilke Rosenburg

Boje und Antonie Paulsen im Jahr 2007 vor den damals noch restaurierungsbedürftigen Bleiglasfenstern. Der Hausherr weist auf die am stärksten beschädigte Darstellung des Nährstandes, in der der Wildschweinkopf fehlte. Foto: Rosenburg

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Glückstädter Kunstglaser bearbeitete historisches Treppenhausfenster der Villa Schütt / Denkmalpfleger begeistert

Wilster. Ein Bleiglasfenster dieser Dimension in einer Villa in der Marsch, das ist einmalig. In der Regel, so Thorsten Schrolle vom Landesamt für Denkmalpflege Schleswig-Holstein, sei ein Objekt wie in der Wilsteraner Gründerzeitvilla Schütt, die 1897 für den Lederfabrikanten Marcus Schütt erbaut wurde, eher in Industriegebieten zu finden - ein Zeichen für ein gewisses Maß an Wohlstand. "In Wilster und Umgebung hat es Seltenheitswert", fügte er hinzu, vor allem in der Qualität, in fast unverändertem Zustand. Das sei auch der Grund für die Landesdenkmalpflege gewesen, die Restaurierung der farbigen Bleiverglasung des Treppenhausfensters mit Fördermitteln zu unterstützen. Im Rahmen des Tags des offenen Denkmals machen die Eigentümer das historische Gebäude auch für für die Öffentlichkeit zugänglich. "Es gibt darum auch ein öffentliches Interesse an dem Erhalt."

Jetzt nahm Thorsten Schrolle gemeinsam mit Beate von Malottky von der Unteren Denkmalschutzbehörde des Kreis Steinburg, Architekt Dr. Karl-Ernst Bürkner aus Ellerhoop und dem Eigentümer-Ehepaar der Villa Schütt, Boje und Antonie Paulsen, das von Kunstglaser Bernhard Loers restaurierte Treppenhausfenster in Augenschein. Eine Arbeit, die auf breite Begeisterung stieß.

Karl-Ernst Bürkner begleitet die Restaurierungsarbeiten in der Villa Schütt seit dem Jahr 2006. Damals wurden historisch wertvolle Decken- und Wandmalereien entdeckt, die es wiederherzustellen galt, ebenfalls mit Unterstützung der Denkmalpflege. Bürkner unterstrich den großen Idealismus der Eigentümer, die selber viel Geld in die Instandsetzung der Villa stecken.

Im vergangenen Jahr begann die Restaurierung des Bleiglasfensters. "Fachleute dafür zu bekommen, ist nicht einfach", erklärte Bürkner. Mit Bernhard Loers sei es gelungen, einen Kunstglaser zu beauftragen, "der sich auskennt". "Wir sind sehr zufrieden, er hat die Arbeit gut im Detail ausgeführt", betonte Bürkner. Zu 95 Prozent sei Loers mit Restaurierungsarbeiten in Kirchen befasst. Das Bleiglas-Projekt in der Villa Schütt stellte ihn vor eine besondere technische Herausforderung. Denn im Gegensatz zu Kirchen - mit wenig beheiztem Raum - habe er es hier mit Wohnraum zu tun, der ganzjährig energetisch versorgt werde. Das erforderte eine zusätzliche Schutzverglasung. Die Isolierverglasung bildet nun die äußere Schicht, innen liegt das künstlerisch gestaltete Bleiglas. "Es war das erste Mal, dass sowas so gemacht wurde", sagte Bürkner. Die Wilsteraner Firma Stechemesser arbeitete übrigens den Sandstein nach.

Bernhard Loers baute die Fensterelemente im Oktober 2010 aus, um sie in seiner Glückstädter Werkstatt zu bearbeiten. Er säuberte die Elemente sorgfältig. Danach galt es, die gebrochenen Stücke zu erhalten und sie so original wie möglich einzuarbeiten. Interessant war dabei besonders eines der Rundfenster, die die drei Stände Nährstand, Wehrstand und Lehrstand darstellen. Im Nährstand-Fenster klaffte ein Loch. "Das Feld mit der Wildsau musste zu über 50 Prozent erneuert werden, das einzige, das massiv bearbeitet werden musste", erläuterte der Kunstglaser. Der Kopf der Wildsau war herausgebrochen, musste komplett neu eingearbeitet werden - aus mundgeblasenem Echtantikglas.

Loers selbst ist von dem Original begeistert: "Das ist wirklich ein einmaliges Zeugnis hoher meisterlicher Arbeit. Eine handwerkliche Ausführung auf allerhöchstem Niveau." Und Thorsten Schrolle fügte hinzu, dass mit der gelungenen Restaurierung die Denkmalpflege dazu beitrage, dass Handwerkskultur am Leben erhalten wird. Mit der Übernahme eines Drittels der Kosten - rund 10 000 von insgesamt etwa 30 000 Euro - beteiligt sich die Landesdenkmalpflege an der Finanzierung der Bleiglas-Restaurierung.


 

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