WILSTERSCHE ZEITUNG

 

50 Fische ausgesetzt: Der Stör ist zurück

18. Mai 2009 | Von Andreas Radajkin

Wieder da: In einem Aquarium warteten die Störe darauf, in die Freiheit entlassen zu werden. Fotos: ara

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Seit Sonnabend schwimmen wieder 50 Störe in der Stör.

Itzehoe. "Sind das Haie?" Aufgeregt deutete Jonas (7) auf die Jungfische im Aquarium vor dem Hafenbecken. Seine Mutter beruhigte ihn: Es handele sich lediglich um einen harmlosen Fisch namens Stör. Der sei ein lebendes Fossil, erklärte Dr. Jörn Gessner vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei. Jetzt schwimmt der Stör wieder im gleichnamigen Fluss - eingesetzt im Rahmen des Störschipperfestes.

Die Gattung sei 200 Millionen Jahre alt und habe sogar die Dinosaurier überlebt, erläuterte Gessner. Ende des 19. Jahrhunderts verließ der Knochenfisch seine heimischen Gewässer. Die Elbvertiefung und die eingeleiteten Abwässer seien Schuld gewesen. Das Ökosystem habe sich inzwischen wieder erholt, die Stör sei ideal für den experimentellen Besatz. Ob die Fische überhaupt einen Lebensraum finden und wie sie sich verhalten, wollen die Wissenschaftler in der Hoffnung auf grundlegende Daten beobachten. Mit dem Besatz sei ein Anfang gemacht, so Professor Dr. Frank Kirschbaum, Wissenschaftler der Humbold-Universität. Die in Frankreich gezüchteten Störe sind ein Jahr alt, bis zu 15 Jahre kann es bis zur Geschlechtsreife dauern. Eines der 50 Tiere trage einen Sender im Körper, er werde mit Peileinrichtungen ständig verfolgt, sagte Gessner.

Seit einigen Jahren begleitete die Stadt Itzehoe neben anderen Vereinen und mehreren Privatleuten als Mitglied in der "Gesellschaft zur Rettung des Störs" die zielstrebige wissenschaftliche Arbeit. "Als Projekt einer Agenda-21-Gruppe begann 1999 das regionale Interesse an diesem Fisch", erinnerte Bürgermeister Rüdiger Blaschke. 2005 folgte eine Störausstellung des Meeresmuseums Stralsund mit Unterstützung der Stör-

Gesellschaft, drei Jahresversammlungen - inklusive der gestrigen - fanden in Itzehoe statt.

Maßgeblich am Fortschritt beteiligt war Uwe Jens Lützen: "Er hat immer wieder gedrängelt und zugesehen, dass hier vor Ort was passiert", sagte Kreispräsident Hans-Friedrich Tiemann. Lützen habe sich seit Jahren für das Anliegen der "Wiedereinbürgerung" des Störs persönlich eingebracht, lobte auch Blaschke.

"Ein Stör braucht einen Namen, und der ist gefunden", so Gessner. Der mit dem Peilsender bestückte Fisch wurde nach der kürzlich verstorbenen Esther Fröbe, "einer sehr rührigen und anerkannten Journalistin", benannt, auch wegen ihrer Identifizierung mit der Region.

Das Aussetzen der Störe übernahmen die Ehrengäste: Nacheinander fuhren sie mit einem Boot der Feuerwehr aufs Wasser und ließen die Tiere schwimmen - natürlich auch "Esther".


 

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