WILSTERSCHE ZEITUNG
Kein Geld - Kirche bald geschlossen?
Auf dem Gerüst der eingedeckten Kirche: Pastorin Gritta Koetzold und Bürgermeister Günther Biehl. Foto: sh:z
Sperrige Baugerüste und giftgrüne Sicherheitsnetze verunstalten schon seit Monaten aufgrund von Sanierungsarbeiten die kleine Stellauer Kirche. Im Inneren der 800 Jahre alten Feldsteinmauern sieht es noch viel schlimmer aus: An beiden Seiten ziehen sich Gerüste hoch, die Orgel ist ausgelagert und mangels Bischofsskulpturen und Altar aufbau fällt der Blick der Besucher ungehindert auf die von Feuchtigkeitsflecken gezeichnete östliche Giebelwand. Zur Abrundung des trostlosen Baustellenszenarios verbirgt eine Folie flächendeckend die dunkel getünchte Holzdecke. Ein Anfang der Woche vom Vorstand des Kirchenkreises Rantzau-Münsterdorf gefasster Beschluss weckte Befürchtungen der Kirchengemeinde, dass aus diesem Übergangszustand wegen Geldmangels ein dauerhaftes Provisorium werden könnte.
Der Vorstand hatte beschlossen, dass der beauftrage Architekt eine Aufstellung der bisher angefallenen Kosten vorlegen soll, danach werden weitere Mittel in Höhe von 25 000 Euro - die nach Ansicht der Wrister in keinem Fall ausreichen - freigeben. Allerdings geht der Kirchenkreisvorstand selbst davon aus, dass bei den finanziellen Rahmenbedingungen eine gottesdienstliche Nutzung der Stellauer Kirche auf absehbare Zeit kaum oder nur sehr eingeschränkt möglich ist. Die Stellauer sollten deshalb eine Verlagerung der Gottesdienste in die benachbarte Pastoratsscheune erwägen, schlägt der Kirchenkreisvorstand vor.
Dieser Gedanke erschreckt nicht nur die Stellauer Pastorin Gritta Koetzold, sondern auch den Wrister Bürgermeister Günther Biehl. "Wenn wir unsere Kirche nicht nutzen können, bleiben die Menschen weg - weniger Gottesdienstbesucher, weniger Taufen", sagt er und schätzt, dass ein vorzeitiger Stopp und das Aussetzen der Arbeiten für einen nicht absehbaren Zeitraum Konsequenzen hätte: "Auf Dauer würde ich da ganz klar mit Kirchenaustritten rechnen." Schon jetzt sind die Auswirkungen zu spüren: Die letzte Trauung in dem hierfür eigentlich im ganzen Umkreis beliebten Kirchlein fand im vorigen September statt. Kein Wunder - wer möchte schon unter einer Abdeckplane den Bund fürs Leben schließen? Dabei bietet das in Schleswig-Holstein in dieser Form einmalige Ensemble aus Kirche und Glockenturm, Altem und Neuem Pastorat und baumbestandenem Friedhof normalerweise sogar besondere Möglichkeiten, Eheschließungen zu feiern: Paare können in den Denkmal geschützten Gebäuden erst standesamtlich und dann kirchlich heiraten, einen Sektempfang geben und die malerische Kulisse für ihre Hochzeitsfotos nutzen.
Normalerweise. Wenn aber die Kirche geschlossen ist und daher Gottesdienste und auch Trauerfeiern im Alten Pastorat stattfinden, kann das vor einigen Jahren mit EU-Fördermitteln restaurierte Gebäude nur sehr eingeschränkt für seine Bestimmung als kultureller Veranstaltungsort genutzt werden. Ganz zu schweigen davon, dass die "Scheune" für viel besuchte Gottesdienste wie an Weihnachten einfach zu wenig Platz bietet. Für die Konfirmationsfeiern mussten die Stellauer in diesem Jahr schon in die Kirche der Nachbargemeinde Breitenberg ausweichen.
Doch die Einstellung der Arbeiten wollen die Wrister und auch die Umlandgemeinden nicht hinnehmen. Das zeigte sich jetzt, als spontan über 25 Gäste auch aus den Nachbardörfern und aus Kellinghusen an der Sitzung des Stellauer Kirchenvorstands teilnahmen. Angestrebtes Ziel ist, die begonnene Sanierung auch in Zeiten knapper Kassen zu einem vertretbaren und wirtschaftlich sinnvollen Abschluss zu bringen. Zu den Minimalanforderungen aus Stellauer Sicht gehört zum Beispiel, dass die Folie r im Kircheninneren verschwindet. Diese soll die Stäube auffangen, die bei der Sanierung der Holzdecke entstehen. Diese Arbeiten kosten allerdings Geld, das zur Zeit - noch - nicht bewilligt ist. Wie häufig bei Arbeiten an Jahrhunderte alten Gebäuden, sind auch an der Stellauer Kirche mehr Schäden zutage getreten als anfangs offenbar waren. Zudem erhöhten sich die Anforderungen des Denkmalschutzes, als zum Beispiel entdeckt wurde, dass die Hölzer des Dachstuhls noch aus der Erbauungszeit der Kirche stammen. Ferner legte der ungewöhnlich lang anhaltende Dauerfrost in diesem Winter die Arbeiten am Mauerwerk buchstäblich auf Eis, während die Kosten für die Einrüstung aber weiter anfielen. Hinzu kommen sinkende Kirchensteuer-Einnahmen.
Das war auch den Anwesenden bei der Kirchenvorstandssitzung klar. Dennoch waren sie sich einig - in das von vielen als "Juwel" bezeichneten Kirchlein müsse möglichst bald wieder eine Gotteshaus angemessene Atmosphäre einziehen. Dann nähme das Gemeindeleben keinen dauerhaften Schaden, und es wären wieder Veranstaltungen im Alten Pastorat den.
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