SYLTER RUNDSCHAU
Vogeltod an Glasscheiben
Sylt. Jeder von uns hat es wohl schon erlebt: Ein Vogel fliegt gegen die Fensterscheibe. Man hört nur einen Knall, und manchmal findet man anschließend einen toten oder verletzten Vogel vor dem Fenster. Es gibt wohl kaum jemanden, der darüber nicht betroffen wäre, denn Kollisionen dieser Art enden meist tödlich. Manche Vögel schaffen es noch, in die nächste Hecke zu fliegen. Dort verenden sie dann unbemerkt.
Zur Zahl der Todesopfer gibt es daher nur Schätzungen, aber die sind beachtlich. Für die Schweiz und Österreich schätzt man, dass jährlich hunderttausende Vögel durch Kollisionen mit Glasscheiben umkommen. Für die USA gehen die Schätzungen in die Milliarden. Für Deutschland schätzt man, dass jährlich 18 Millionen Vögel allein durch den Anprall an Scheiben privater Wohnhäuser sterben. Die viel gefährlicheren öffentlichen Gebäude und auch die kleinen Fallen wie Buswartehäuschen sind darin noch nicht enthalten. Diese Schätzungen sind sehr zurückhaltend, man geht von nur einem Todesfall pro Gebäude und Jahr aus. Tatsächlich sind es vermutlich mindestens fünf bis zehn. Glas tötet unspezifisch: alle Arten, groß und klein, alt und jung - einfach alle.
Auch auf Sylt gibt es zahlreiche vogelgefährliche Gebäude. Schwimmbäder oder neue Restaurants in Strandnähe werben mit einem wunderbaren Panoramablick. Uns Menschen ermöglichen diese Glasfronten wunderbare Sichterlebnisse. Für Vögel bedeuten sie eine tödliche Gefahrenquelle und zwar immer wieder, denn einen Lerneffekt gibt es hierbei nicht.
Sehr gefährlich sind auch die beliebten Windschutz wände aus Glas, sie kommen auf Sylt häufig zum Einsatz, weil sie dezent sind und den Blick nicht behindern. Besonders gefährdet sind Zugvögel, die küstenparallel in großer Zahl Sylt passieren, so dass vor allem Glasbauten in Strandnähe für sie gefährlich sind.
Was macht nun Glasscheiben so gefährlich? Glas ist normalerweise transparent, so dass Bäume - also Lebensraum - sichtbar ist und direkt angesteuert wird. Glas suggeriert also eine Durchflugmöglichkeit, die nicht vorhanden ist. Aber auch die Spiegelungen im Glas werden zur Falle. Fenster können den angrenzenden Lebensraum stark spiegeln und Vögel erkennen dieses nicht.
Auch nächtliches Licht ist ein großes Problem - sowohl für ziehende Vögel als auch für Insekten. Es zieht sie an und lässt sie gegen Scheiben prallen oder es macht sie orientierungslos, wie beispielsweise durch Skybeamer.
Da immer häufiger Glas im Bau eingesetzt wird, wird die Zahl der Opfer wohl weiter steigen. Das müsste allerdings nicht sein. Die beste Lösung wäre, bei der Planung bereits das Gefährdungspotenzial abzuschätzen und dann zu entscheiden, ob es wirklich Glas sein muss. Und wenn ja, dann Lösungen zu wählen, die die Gefahrensituation entschärfen. Das können Scheiben mit eingewebten Fäden sein oder andere Arten von optischen Unterbrechungen.
Wer Gebäude und Einrichtungen nachrüsten möchte, kann dieses tun. Dezente Muster oder offensive Scheibendekoration - erlaubt ist, was gefällt, aber vor allem hilft. Wichtig ist dabei, dass die Markierungen von außen angebracht werden, da die Spiegelung sonst nicht unterbrochen wird. Immer gilt die so genannte "Handflächenregel". Vor allem kleine Vögel haben die Fähigkeit, selbst kleinste Lücken zu nutzen. Aus diesem Grund müssen Markierungen in ausreichender Dichte angebracht werden. Greifvogelsilhouetten sind beliebt, aber leider wirkungslos. Vögel erkennen in den statischen Silhouetten keine Feinde. Diese Nachrüstung lässt sich auch auf Sylt - vor allem an kleinen Konstruktionen wie Windschutzwänden, Glasveranden, Wartehäuschen und Privathäusern - vornehmen.
Für neue Gebäude gilt: Eine vogelschlagsichere Bauweise ist möglich. Bauherren sollten von ihren Architekten auf das Problem aufmerksam gemacht, und Schutzmaßnahmen bei der Planung berücksichtigt werden. Es gibt im Ausland bereits zahlreiche Beispiele, wie Architekten ästhetisch ansprechende Gebäude geplant und gebaut haben, ohne dass Glasfronten zur Gefahr für Vögel werden. Scheiben können gemustert sein, Fenster zurückversetzt oder gekippt sein. Es gibt viele Möglichkeiten. Eine nachträgliche Entschärfung ist bei großen Gebäuden allerdings schwierig. Da bleibt dann nur noch morgendliches Einsammeln der toten Vögel, um nicht im Fokus der öffentlichen Kritik zu stehen.
Wer hieran etwas ändern möchte, kann sich nun über eine neue Broschüre "Vogelfreundliches Bauen mit Glas und Licht" informieren. Sie ist unter anderem im Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume erhältlich. Als Ansprechpartner steht Dr. Jan Kieckbusch (Tel. 04347-704-332) zur Verfügung.
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Aus dem Polizeibericht







