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Nordfriesland

Plattdeutsch erobert digitale Welt

22. Januar 2013 | 06:30 Uhr | Von ji


Renate Schnack Foto: ji

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Konferenz in der Nordsee-Akademie. Aus Verfügungsfonds des Ministerpräsidenten sollen Wörterbuch und Grammatik gefördert werden.

Nordfriesland. Vor dem Hintergrund, dass nur noch jeder zehnte Einwohner Schleswig-Holsteins der plattdeutschen Sprache mächtig ist, veranstalteten der Fördervereen Plattdüütsch-Zentrum Leck und der Schleswig-Holsteinische Heimatbund (SHHB) in der Nordsee-Akademie in Leck unter der Schirmherrschaft des Präsidenten des Schleswig-Holsteinischen Landtags, Klaus Schlie, eine gemeinsame Konferenz. Dies geschah mit dem erklärten Ziel, den plattdeutschen Aktivisten und interessierten Politikern einen Handlungsplan zu vermitteln und so dem Erhalt und der Pflege des Plattdeutschen einen neuen, nachhaltig wirksamen Schub zu geben.

Als Repräsentanten der gastgebenden Organisationen hießen Helmut Wree (Förderverein) und Jutta Kürtz (SHHB) die rund 100 erschienenen Teilnehmer aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens der Region willkommen. In einem Grußwort erklärte Schlie, sich nach Kräften um den Fortbestand der unter dem Schutz der Landesverfassung wie auch dem der Europäischen Sprachencharta stehenden plattdeutschen Sprache zu bemühen, sei ihm dies doch "nicht nur dienstliche Verpflichtung sondern auch ein Herzensanliegen".

Renate Schnack, als Beauftragte des Ministerpräsidenten in Angelegenheiten nationaler Minderheiten und Volksgruppen, Grenzlandarbeit und Niederdeutsch, stellte ihren Vortrag unter das Thema "Plattdeutsch und Politik". Nach ihren Worten lässt das Arbeitsprogramm der Landesregierung einen Schwerpunkt erkennen: den Schutz und die Förderung der schleswig-holsteinischen Sprachenvielfalt, insbesondere der alteingesessenen, Identität stiftenden Sprachen. Sie lobte den Schleswig-Holsteinischen Heimatbund für die geleistete Vorarbeit zur Verbesserung der Anwendung der plattdeutschen Sprache im Kindergarten, in der Schule und Hochschule. Schnack stellte die Notwendigkeit heraus, bei der Erstellung von Lehrmitteln die moderne Technik einzubeziehen, vor allem die Digitalisierung von Texten und Lehrwerken in Angriff zu nehmen. Ministerpräsident Torsten Albig werde diesen wichtigen Vorstoß unterstützen, indem er aus Mitteln seines Verfügungsfonds die Digitalisierung eines niederdeutschen Wörterbuchs und einer Grammatik fördern wolle.

Nach einem humorvollen plattdeutschen Grußwort des Kreispräsidenten Albert Pahl meldete sich Rolf Fischer, Staatssekretär im Ministerium für Bildung und Wissenschaft, zu Wort. "Identität, Sicherheit und Sprache gehören zusammen, da sie als eine Einheit empfunden werden," konstatierte er. Zur Ausbildung von Lehrkräften merkte er an: "Die Landeszentren für Niederdeutsch in Leck und Ratzeburg leisten in dieser Hinsicht wertvolle und vielfältige Arbeit." Für die zielgerichtete Förderung der plattdeutschen Sprache an allen Bildungseinrichtungen sei es unverzichtbar, gesicherte Daten zu erheben. Niederdeutsch sei zwar kein eigenes Unterrichtsfach, jedoch die Schule verpflichtet, Kenntnisse der plattdeutschen Sprache und Kultur zu vermitteln.

Heiko Gauert (Hohenlockstedt) ging ausführlich der Frage nach: "Plattdüütsch - wat is dat egentlich?" Indem er die enge Verwandtschaft des Niederdeutschen zu vielen europäischen Sprachen aufzeigte, leistete er einen Beitrag zur Stärkung des Selbstbewusstseins aller, die "Platt snacken". Bei je einem "Blick über den Tellerrand" zeigte Hans-Hinrich Kahrs aus Stade auf, wie man in Niedersachsen die plattdeutsche Sprache ins Bildungswesen einbezieht, während Dr. Reinahrd Goltz vom Bremer Institut für Niederdeutsch den Beleg erbrachte, dass Plattdeutsch im Bildungswesen nur bei kontinuierlicher Anwendung erfolgreich sein kann.


 
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