SYLTER RUNDSCHAU
Nordseeklinik
Nordseeklinik: Das zähe Ringen um 100 Jobs
Westerland. Elf Wochen nach Beendigung des Streikes an der Nordseeklinik ist äußerlich wieder Ruhe eingekehrt im Inselkrankenhaus: Nach dreiwöchiger Schließung der Reha-Klinik reisen seit Montag wieder die ersten Patienten an und in der Akutklinik wurde die zuvor mit der Chirurgie zusammengelegte Station 2 (Innere) wieder geöffnet.
Doch hinter den Kulissen wird weiter erbittert um Sparmaßnahmen auf der einen und Arbeitsplätze auf der anderen Seite gerungen. Während Arbeitnehmervertreter der Asklepios-Klinik vorwerfen, "weit über das erforderliche Maß hinaus" Arbeitsplätze abbauen zu wollen, betont die Geschäftsführung, dass es bei einer schnellen Einigung durchaus "Verhandlungsspielräume" gebe. Allerdings nur in den "stationsnäheren Bereichen", wie Geschäftsführer Florian Nachtwey sagt. Dass andere Bereiche wie Küche, Technik, Schreibdienst oder Service geschlossen und die Dienstleistungen an Fremdfirmen vergeben werden sollen, ist hingegen bereits beschlossene Sache, "sofern externe Anbieter in der Lage sind, die von uns geforderte Qualität zu marktgerechten Konditionen anzubieten", sagt Nachtwey. Speziell bei der Essensversorgung sei man bereits in "fortgeschrittenen Gesprächen" mit Sylter Großküchen.
Grundlage des vorgesehenen Personalabbaus, über den der Geschäftsführer gestern Nachmittag die Belegschaft persönlich informierte, ist die Reduzierung der Reha-Betten von zuvor 290 auf 150. Und das nicht nur vorübergehend, wie von Betriebsrat und Gewerkschaft erhofft, sondern dauerhaft. Die in der Vereinbarung zwischen Nordseeklinik und Gewerkschaft Verdi zur Beendigung des Streikes in Aussicht gestellte Kurzarbeit ließ sich nach Nachtweys Angaben nicht realisieren, da zunächst Überstunden und Urlaub abgebaut werden mussten und die nun bevorstehenden betriebsbedingten Kündigungen Kurzarbeit ebenso ausschließen.
Der vom Betriebsrat in einem letzte Woche verteilten Rundbrief angeführten Zahl von 91 Arbeitsplätzen, die durch Bettenreduzierung und Fremdvergaben verloren gehen würden, wird von der Geschäftsführung nicht widersprochen. "Wir haben immer von 50 bis 100 Stellen gesprochen, aber je schneller man sich einigt, desto eher lassen sich in stationsnahen Bereichen Stellen erhalten", betont Nachtwey unter Hinweis darauf, dass die Klinik in der momentanen Situation "jeden Tag Geld verliert". Aktuell hat die Nordseeklinik seinen Angaben zufolge unter 400 Mitarbeiter (von 440 vor einem Jahr), von denen knapp 250 zum medizinischen Bereich zählen (darunter 52 Ärzte). Wie Nachtwey bestätigt, hat die Mitarbeiterfluktuation seit Sommer deutlich zugenommen.
Angesichts der Ankündigung von Gewerkschaft und Betriebsrat, sich nicht unter Zeitdruck setzen zu lassen, rechnet der Geschäftsführer nicht mit einer Einigung noch im Januar. Theoretisch können sich die Verhandlungen über Sozialplan und Interessenausgleich sogar noch bis zum Sommer hinziehen.
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Aus dem Polizeibericht








