SYLTER RUNDSCHAU

 

"Deutschland steht im europäischen Vergleich sehr gut da"

28. Februar 2013 | 00:00 Uhr | Von Antje Walther


Experten: Hähner (links) und Wiegard.  Foto: staudt

Experten: Hähner (links) und Wiegard. Foto: staudt

Glücksburg. Die Jahresauftakt-Veranstaltung der Hypo-Vereinsbank hat jahrzehntelange Tradition. Doch erlebten rund 200 Gäste am Dienstag im Alten Meierhof in Glücksburg eine Premiere: Erstmalig holten sich die Veranstalter "externe Expertise" ins Haus, erklärte Peter Hähner, der neue Firmenkunden-Chef in Norddeutschland. Der frühere Wirtschaftsweise Professor Dr. Wolfgang Wiegard sprach zum "Aufstieg, Abstieg, Klassenerhalt: Wo spielen Amerika, Asien, Europa im globalen Wettbewerb?".

Und der 67-jährige Volkswirt, der zuletzt an der Regensburger Universität lehrte, brachte gute Nachrichten mit. "Deutschland steht im europäischen Vergleich sehr gut da", sagte Wiegard, und dass dies kurz- und mittelfristig auch so bleiben würde. Allerdings müsse man in der Ökonomie, anders als bei naturwissenschaftlichen Gleichungen, auch menschliche Verhaltensweisen kalkulieren. Die OECD-Studie, die mutig bis ins Jahr 2060 vorausschaut ("Looking to 2060"), hält Wiegard für die beste. Sie prognostiziere "erhebliche Verschiebungen" in den Gewichten in Richtung China und Indien. Demnach würde das reale Bruttoinlandsprodukt von China und Indien, das derzeit 23 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung ausmacht, bis 2060 auf fast die Hälfte (46 Prozent) ansteigen; der Anteil der USA und des Euro-Raums hingegen von 40 auf 25 Prozent abnehmen. Italien durchlaufe nach der Wahl lediglich "kurzfristige Turbulenzen", so Wiegard.

Was das für regionale Unternehmen bedeutete, erläuterte Hähner: Internationale Stabilität und Wachstum seien von Interesse, weil hiesige Unternehmer Rohstoffe aus diesen Ländern beziehen und dort Abnehmer für ihre Produkte finden. China gibt Hähner als Beispiel für das wichtigste Importland aus deutscher Sicht.

"Wir müssen uns nur gut aufstellen", fordere der Sozialdemokrat Wolfgang Wiegard. Er lobte, was die Regierung nach einer lethargischen Phase während der Finanzkrise umsetzte und die Bundeskanzlerin für ihre Europa-Politik und dafür, sich nicht mit fremden Federn zu schmücken. Jetzt aber sei es "Zeit für die Agenda 2030". Wiegard fordert: "mehr Investitionen in Forschung und Entwicklung, in Bildung, Förderung der Frauenerwerbstätigkeit". Das Betreuungsgeld, und das wiederhole er auch als Bayer, sei hier eine "völlig unsinnige Maßnahme". Insbesondere im frühkindlichen Bereich sieht der Vater dreier Söhne Nachholbedarf und gibt zu bedenken, dass Deutschland sich kostenlose Hochschul-Studien leiste, während die Kita für die Eltern Gebühren koste. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sieht Wiegard nicht allein als staatliche Aufgabe: "Auch die Unternehmen müssen sich anstrengen."

Peter Hähner, Vater von drei Töchtern, stimmt zu. Für die Region biete Wind Perspektiven. Er wünscht sich ein Ende im Streit um die Wind-Messe. "Hamburg hat die Infrastruktur, Husum hat den Namen. Wenn ich das trenne, wird einer auf der Strecke bleiben", fürchtet er.


 
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