SYLTER RUNDSCHAU
Bindeglied zwischen Patient und Arzt
Sylt. "Man betritt nicht nur ein fremdes Zimmer, sondern auch ein fremdes Leben", sagt Annegret Hops. Seit 26 Jahren betritt sie regelmäßig die Krankenzimmer der Nordseeklinik, lernt fremde Menschen und Schicksale kennen. Annegret Hops ist ehrenamtliche Krankenhaus-Seelsorgerin.
Ebenso lange dabei ist Elke Harms, während mit Ellen Ipsen-Hansen, Erika Meyer-Hartmann, Jutta Richter, Sylke Ruhberg und Günther Schröder im Laufe der Jahre fünf weitere engagierte Mitstreiter hinzu kamen.
"Seinerzeit wurden die Besuchsdienste im Krankenhaus eingeführt, um die Pastoren zu entlasten", erinnern sich Elke Harms und Annegret Hops an die Anfänge zurück. Dies gilt heute wie damals, doch fungieren die sieben Seelsorger längst auch als Bindeglieder zwischen Patienten und den Ärzten und Schwestern.
Jede Woche ist auf allen Stationen der Akut- und Reha-Bereiche der Klinik Besuchsdienst. Dann gehen die Seelsorger von Tür zu Tür, stellen sich freundlich vor und fragen, ob Gesprächsbedarf bestünde. Dies ist häufig der Fall, nicht nur bei alleinstehenden Syltern und Gästen. Nicht ausschließlich Krankheit und Tod stehen dabei im Fokus - auch familiäre oder berufliche Probleme werden thematisiert.
Dass die Patienten ganz offen reden können, dafür bürgt die Schweigepflicht ihrer Gesprächspartner. Diese sind zudem psychologisch ausgebildet - zum Vorteil der Patienten, aber auch im eigenen Interesse: "Natürlich nimmt man viele Eindrücke mit nach Hause. Wenn etwa jemand stirbt, den man betreut hat, dann macht das schon betroffen", weiß Erika Meyer-Hartmann.
Damit solche Belastungen nicht zu sehr an der Seele nagen, trifft sich der Kreis regelmäßig zu Besprechungen und nimmt jeden Monat an einer Supervision teil, die eine Psychologin des Beratungs- und Behandlungszentrums Sylt leitet.
"Zuhören, Trösten, Mut machen und zu Veränderungen anregen", beschreibt Jutta Richter die elementaren Aufgaben. Und das bezieht sich nicht allein auf die Patienten: "Oft haben auch die Angehörigen einen hohen Gesprächsbedarf", erläutert Sylke Ruhberg.
Krankenhaus-Seelsorger zu sein, das bedeutet in erster Linie, zu geben - "doch es kommt auch viel Dankbarkeit zurück", weiß Günther Schröder. "Und wenn man sieht, wie sich ein Patient physisch wie psychisch stabilisiert, ist das ein Glücksmoment."
Doch die Helfer nehmen auch selber etwas mit: "Wir lernen für unser eigenes Leben, wie man Krisen meistert", sagt Annegret Hops und Elke Harms ergänzt: "Wenn man etwa sieht, wie gefestigt manche Menschen dem Tod entgegen sehen, dann strömt das viel Kraft aus."
Indes: Die Seelsorger, die eine sehr harmonische Gemeinschaft pflegen, werden nicht jünger. Und so sind Sylter, die etwas Zeit für ihre Mitmenschen opfern würden, sehr willkommen. Ideal wären Aspiranten, die bereits eine allgemeine psychologische Ausbildung oder aber eine Schulung durch die Telefonseelsorge respektive den Hospizverein vorweisen könnten.
Eine zwingende Voraussetzung ist dies aber nicht: "Interessenten, die belastbar, tolerant und verschwiegen sind, können wir eine Ausbildung durch die Telefonseelsorge ermöglichen", betont Annegret Hops, die unter der Rufnummer 23123 gern alle Fragen beantwortet.
BILDUNTERSCHRIFTEN:
Ein homogenes Team: Sylke Ruhberg, Jutta Richter, Elke Harms, Günther Schröder, Erika Meyer-Hartmann und Annegret Hops (v.l.). Nicht im Bild: Ellen Ipsen-Hansen Fotos: Deppe
Die Türen in der Klinik stehen für Elke Harms zumeist offen - sie und ihre Mitstreiter sind bei Patienten mit Sorgen stets willkommen
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Pressedienst Deppe
25980 Sylt / Morsum
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