SYLTER RUNDSCHAU

 

Baugenehmigung gegen Pflastersteine?

05. Februar 2010 | Von Ulrike Bergmann

An der Ostseite des Muasem Hüs wurden die neuen Pflastersteine verlegt. Foto: Deppe

Sylt. Im Dezember vergangenen Jahres bekam Peter Douven Post von Baustoffhändler Axel Karstensen. In dem Schreiben wurde der Geschäftsführer des Insel Sylt Tourismus Service (ISTS) aufgefordert, 7 800 Euro für am Muasem Hüs eingebaute Pflastersteine zu bezahlen. Grundlage dieser Zahlungserinnerung sei eine Abmachung aus Vor-Fusions-Zeiten mit Sylt-Osts damaligem Bürgermeister Christoph Schmatloch gewesen. Mit ihm habe es, so schreibt Karstensen, die "Vereinbarung" gegeben, dass die Steine vom Hannoveraner Fliesenhändler Nils Meyer bezahlt würden - so dieser eine Baugenehmigung für das Karstensen-Grundstück in Keitum bekäme (siehe Brief).

Zum Hintergrund: Wie vergangenes Jahr berichtet, wollte der Baustoffhändler Karstensen vom Keitumer Bahnhof ins Tinnumer Gewerbegebiet umziehen. Sein bisheriges Grundstück wollte er an besagten Unternehmer aus Hannover verkaufen. Unter anderem, weil sich dieser mit der im März 2009 neu gewählten Gemeindevertretung aber nicht auf einen Bebauungsplan einigen konnte, platzten sämtliche Vorhaben: Karstensens Umzug, der Bau von Dauerwohnraum oder Ferienhäusern am Keitumer Bahnhof durch die Firma Meyer - und, so hat Karstensen es zumindest geschrieben, die Vereinbarung, dass Meyer die Pflastersteine zahlen würde.

Douven reichte das Schreiben zuständigkeitshalber an die Gemeinde Sylt weiter. Dort beschäftigte sich der Hauptausschuss im Dezember und nochmals am 2. Februar mit dem Thema - und wurde stutzig. Bürgermeisterin Petra Reiber: "Für mich sah es nach einem Kompensationsgeschäft aus und das ist rechtswidrig." In Justizkreisen geht man einen Schritt weiter und spricht davon, dass hier ein Fall von Korruption (Vorteilsnahme für die Gemeinde) vorliegen könnte.

Das Sylter Gremium beschloss einstimmig, den Vorgang öffentlich zu machen und Reiber teilte dies Karstensen mit: "Darauf antwortete er sinngemäß, dass er das nicht in Ordnung fände."

Zwei Tage später erklärte Karstensen auf Nachfrage unserer Zeitung, den Sachverhalt in seinem Schreiben einfach nur falsch dargestellt zu haben: "Meine Überlegung war damals, dass ich, wenn Herr Meyer mir das Grundstück in Keitum bezahlt, Geld zur Verfügung hätte, um der Gemeinde die Pflastersteine zu schenken. So wie allerorten Parkbänke, Skulpturen oder sonst was hingestellt werden - ich wollte so etwas Profanes wie diese Steine. Die Bezahlung hätte Herr Meyer indirekt ja übernommen, da ich erst durch den Grundstücksverkauf dazu in der Lage gewesen wäre. Das wollte ich in dem Schreiben so ausdrücken - es ist aber völlig falsch rüber gekommen. Wenn ich das Schreiben jetzt lese, verstehe ich, dass man auch auf andere Gedanken kommen kann."

Die beiden weiteren angeblich Beteiligten reagierten gegenüber unserer Zeitung überrascht. Meyer: "Ich weiß von dieser Angelegenheit absolut nichts. Mit mir war das nicht besprochen." Und Schmatloch sagte: "Ich habe weder mit Herrn Meyer noch mit Herrn Karstensen jemals eine Vereinbarung getroffen beziehungsweise ist jemals darüber gesprochen worden. Es hat auch niemals von mir mit den beiden Herren ein Gespräch über eine Spende an die Gemeinde, ohne und in Bezug auf das Bauvorhaben Karstensen gegeben. Ich kann aus meinen alten Terminkalendern ersehen, dass alle Termine mit den beiden Herren immer im Beisein von Verwaltungsmitarbeitern stattgefunden haben und diese dazu als Zeugen benennen."

Reiber und der Hauptausschussvorsitzende Erik Kennel (SWG) wiederum zeigten sich gestern über diese Stellungnahmen verwundert. Kennel: "Diesen Vorgang und die Aussagen der beteiligten Herren brauche ich gar nicht zu kommentieren. Sie wirken von alleine." Und Reiber sagte: "Wenn ich die Erklärung von Herrn Karstensen höre, irritiert es mich, dass er in einem offiziellen Schreiben an die Gemeinde folglich die Unwahrheit gesagt hat. Spätestens als ich ihm Anfang dieser Woche mitteilte, dass sich der Hauptausschuss nochmals mit dem Thema beschäftigen wird, hätte er doch an mich herantreten und mir sagen müssen, dass er sich falsch ausgedrückt habe."

Unabhängig davon, wie die Rechnung entstand, hat die Gemeinde ihre Richtigkeit anerkannt. Reiber: "Die Steine wurden geliefert und eingebaut. Damit ist die Gemeinde rechtlich verpflichtet, sie zu bezahlen."


 

Leserkommentare

 


Lokalausgabe wählen

 

Was suchen Sie?

z.B. "Hotel", "Software", "Müller"

Wo suchen Sie?

z.B. "Flensburg" , "Rote Str."

Wen suchen Sie?

z.B. "Hotel", "Software", "Müller"

Wo suchen Sie?

z.B. "Flensburg" , "Rote Str."

 


 

SENIOREN

 
GEZEITEN
Auf und Ab an der Küste
Hoch- und Niedrigwasser für viele Küstenorte
 
HÄUFIG GELESEN

Drei Tote bei Verkehrsunfällen im Norden

Drei Menschen sind am Donnerstag bei Verkehrsunfällen in Hamburg und Schleswig-Holstein ums Leben ...mehr

 
 


KONTAKT | IMPRESSUM | AGB | DATENSCHUTZ