SYLTER RUNDSCHAU

 

Gastromüll auf Sylt:

Immer mehr Essen landet in der Tonne

28. Januar 2012 | 04:50 Uhr | Von Nils Jesumann

Schwarzbrot, Kohlköpfe und Käselaibe: Was in den Tonnen des Entsorgungsunternehmens Remondis landet, wird im Mecklenburgischen Kogel zu Methangas verarbeitet. Foto: Jesumann

Die Menge an Nahrungsmittelabfällen hat seit 2007 um rund 200 Tonnen zugenommen / Dehoga Sylt spricht trotzdem von Trendwende

Sylt. Denkt der Deutsche an Sylt, so wabern Bilder von Reichtum und Überfluss an seinem inneren Auge vorbei: Und wer glaubt, dass dort, wo Überfluss herrscht, auch Verschwendung seinen Platz hat, der liegt auf den ersten Blick richtig. Denn seit Jahren wächst hier der Müllberg aus dem Hotel- und Gaststättengewerbe: Was auf dem Büfett übrig bleibt oder im Restaurant unbestellt die Küche nicht verlässt, heißt im Fachjargon "Nassmüll". Und dieses Gemisch aus zubereitetem Essen und Küchenabfällen landet am Ende des Tages direkt in der Mülltonne - Tendenz steigend.

Nach Angaben des Entsorgungsunternehmens Remondis, das rund 240 Gastrobetriebe auf der Insel betreut, ist die Menge an Nahrungsmittelabfall seit 2007 von 1 591 Tonnen auf 1 789 Tonnen im vergangenen Jahr angewachsen. Dies entspricht einer Steigerung von zirka 200 Tonnen. Aber wie kommt das Mehr an Gastromüll zustande?

Mit 6,9 Millionen Übernachtungen schrieb Sylt 2009 einen Besucherrekord. Das waren noch einmal 3,4 Prozent mehr als im bis dato gemessenen Rekordjahr 2008. Betrachtet man diese Zahlen, so drängt sich ein Zusammenhang zwischen den gestiegenen Übernachtungen und dem gleichzeitig gewachsenen Abfallberg auf. Doch die Übernachtungszahlen steigen bereits seit Jahren und können allein genommen den großen Abfall-Sprung nicht ausreichend begründen.

Die Vorsitzende des Gewerbe- und Gaststättenverbandes Sylt (Dehoga Sylt), Cornelia Reckert, sieht hingegen eine Trendwende: Es gebe schon jetzt weniger Nahrungsmittelabfall und mehr Verantwortungsbewusstsein in der Branche. "Ich weiß von vielen Kollegen, die hauptsächlich à la minute kochen, um keinen Schwund zu produzieren." Auch habe man erst im November letzten Jahres zusammengesessen, um die Entwicklung zu besprechen, so Reckert. "Wir sind heute sehr bemüht, den Abfall klein zu halten - es gibt ein neues Bewusstsein." Und werde einmal zu viel produziert, dann könne es auch mal "Rinderfilet oder Hummer" für die Belegschaft geben, erinnert sich die Sylter Dehoga-Vorsitzende. Auch Gewerbe-Pionier Jürgen Gosch hat in 40 Jahren Berufserfahrung Strategien entwickelt, um Überproduktion für die Mülltonne zu vermeiden: "Denn das ist das Schlimmste, was uns passieren kann", so Gosch.

Aber warum nicht spenden, was vom Büfett überbleibt oder was selbst die Mitarbeiter nicht verspeisen können? "Geht nicht", weiß die Leiterin der Sylter Tafel, Dörte Lindner-Schmidt. Die deutschen Hygienevorschriften ließen hier keinen Spielraum: "Alles, was die Küche verlässt, darf nicht mehr bei uns angeboten werden." Daher ist die Sylter Tafel auf Nahrungsspenden aus anderen Gewerbezweigen angewiesen.




 

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