SYLTER RUNDSCHAU

 

Ein Kunstmuseum, in dem man übernachten kann

11. Februar 2012 | 00:10 Uhr | Von Jörg Christiansen

"Kein Künstler will als reine Deko in einem Hotel hängen": Kunsthistorikerin Dr. Margrit Brehm hat die im Hotel "Budersand" gezeigten Künstler und ihre Werke in einem kleinen Buch zusammengefasst. Fotos: christiansen

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Im Hotel "Budersand" hängen 201 Gemälde, Zeichnungen, Grafiken und Fotos von insgesamt 40 zeitgenössischen Künstlern / Ein Kunstgenuss, der den Hotelgästen vorbehalten ist

Hörnum. In den meisten Hotels und Ferienappartements werden die Bilder passend zur Farbe des Sofas oder der Vorhänge ausgewählt. Im 5-Sterne-Hotel "Budersand" sucht man solche Deko-Kunst vergeblich. Die Kunstwerke, die im gesamten Haus verteilt an den Wänden der Flure, Zimmer und öffentlichen Räume hängen, stammen durchweg von zeitgenössischen Künstlern internationalen Ranges. Zeichnungen und Radierungen von Joseph Beuys sind ebenso zu finden wie etwa Bilder des japanischen Pop-Künstlers Yoshitomo Nara, das Amerikaners Benjamin Butler, des Richter-Schülers Thomas Schütte oder Werke von Vertretern der "Neuen Leipziger Schule".

Eine ebenso ungewöhnliche wie gerade für dieses Haus und Hausherrin Claudia Ebert passende Auswahl. Folgt die Unternehmerin damit doch quasi einer Familientradition. Ihr Großonkel Karl Ströher, Miteigentümer des Wella-Konzerns, war in den 60er Jahren einer der fortschrittlichsten deutschen Sammler. Ihr Bruder Thomas Olbricht besitzt eine der größten Kunstsammlungen Europas und seit 2010 in Berlin ein eigenes Museum, den "me Collectors Room". Olbricht und der Kurator Wolfgang Schoppmann haben dann auch die Auswahl der Werke für das 2009 eröffnete Hotel tatkräftig unterstützt. So wie sich Literaturkritikerin Elke Heidenreich der Zusammenstellung und Betreuung der 1 200 Bände umfassenden Hotel-Bibliothek angenommen hat, die das kulturelle Ambiente des Hauses abrundet.

Die 201 Gemälde, Zeichnungen, Grafiken und Fotos machen das "Budersand" mit seinen 79 Zimmern und Suiten, für viele Gäste unbemerkt zu einem Museum zeitgenössischer Kunst. Um den Blick der Hotelgäste etwas mehr auf die Gemälde, Zeichnungen, Grafiken oder Fotos der insgesamt 40 Künstler zu lenken, gibt es jetzt ein 96-seitiges Buch, in dem Kunsthistorikerin Dr. Margrit Brehm Wissenswertes über Werke und Künstler zusammengetragen hat.

"Es ist kein Kunstband oder Katalog, sondern eher ein Brevier, mit dem man auf Entdeckungsreise gehen kann", sagt die Autorin. Wer alle 201 Werke in Augenschein nehmen möchte, muss jedoch entweder als Zimmermädchen anheuern oder recht oft im Hotel einchecken und jedes Mal ein anderes Zimmer buchen. Da nicht nur die öffentlichen Räume als Galerie dienen, sondern auch sämtliche Zimmer, kommt man beispielsweise nur als Gast von Zimmer 233 in den Genuss eines 25,3 x 21 Zentimeter kleinen Unikates der beiden Japaner Yoshitomo Nara und Hiroshi Sugito aus der Serie "Over the Rainbow". Ebenso wie ein farbenfrohes Ölgemälde des Argentiniers Gabriel Kondratiuk oder "Das Gästezimmer" von Peter Scior den Gästen von Suite 314 vorbehalten bleiben.

Eines der wenigen Bilder, die so ziemlich jeder Gast des Hauses zur Kenntnis nehmen wird, ist die gelbe Schilflandschaft an der knallig blauen Stirnwand des auch als Frühstücksraum dienenden Hotelrestaurants. Der Clou des Werkes der malenden Rockmusikerin Nicole Bianchet erschließt sich jedoch nur demjenigen, der es aus nächster Nähe betrachtet. Entsteht der silbrige Farbton des Schilfes doch dadurch, dass Bianchet die als Malgrund dienende Sperrholzplatte kräftig mit einem Cutter bearbeitet hat. Ob dieses Spiel mit Romantik und Aggression, Thomas Schüttes ironische Auseinandersetzung mit altbekannten Kunstwerken oder das von Götz Diergarten thematisierte Spannungsfeld von Individualität und Uniformität - wer sich die während eines entspannten Urlaubsaufenthaltes vorhandene Zeit nimmt, wird viel entdecken und dank des an der Rezeption erhältlichen Buches (29.90 Euro) erfahren.

Und noch etwas lernt man bei einem Rundgang durchs Kunst-Hotel "Budersand". Nämlich, dass man wahre Kunstwerke zwar nicht nach der Sofa-Farbe aussucht, sie aber wie selbstverständlich perfekt dazu passen.

Die Kunst im "Budersand" ist den Hotel-Gästen sowie Besuchern des Restaurants und der Lobby vorbehalten. Für den Sommer sind auch für externe Besucher Führungen mit Dr. Margrit Brehm geplant. Die genauen Termine stehen noch nicht fest.


 

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