SYLTER RUNDSCHAU
Wie Pferde es selbst bei Eiseskälte auf der Weide aushalten
Die Pferde von Ariane Espersen und Heike Müller bekommen zweimal täglich frisches Wasser geliefert. Foto: Steur
Sylt. Trotz der teilweise zweistelligen Minusgrade der letzten Tage verbringen viele Pferde Tag und Nacht draußen auf der Weide. Was nach Aussage von Kreisveterinär Dr. Dieter Schulze "grundsätzlich kein Problem ist", treibt der Sylterin Mareike Boysen im Einzelfall Tränen der Wut ins Gesicht: "Es gibt eine Reihe von Koppeln, auf denen die Pferde ohne jeden Schutz im eisigen Ostwind stehen und kein Wasser haben, weil die Tränken zugefroren sind - solche Halter sind grausam." Immer wieder habe sie an der Keitumer Landstraße das Eis aufgeschlagen und die Tiere gefüttert, da sie den Eindruck hatte, dass sich niemand darum kümmere. "Ich habe Kreisveterinär- und Ordnungsamt angerufen, aber offenbar interessiert das niemanden außer mir."
Ein Eindruck, dem Ordnungsamtsleiter Hans-Wilhelm Hansen widerspricht: "Wir gehen jeder Beschwerde nach und werden auch von selbst tätig, wenn uns etwas auffällt." So sei eine Mitarbeiterin der konkreten Beschwerde von Mareike Boysen nachgegangen, um sicherzustellen, dass die Pferde ordnungsgemäß versorgt würden. Hansen: "Ich appelliere an jeden Bürger, sich direkt ans Ordnungsamt zu wenden, wenn er das Gefühl hat, dass Tiere nicht ausreichend versorgt werden."
Auf Nachfrage der Sylter Rundschau erläutert Kreisveterinär Schulze die Bedingungen, die Pferdehalter erfüllen müssen, damit ihre Tiere auch in diesem Winter draußen stehen dürfen: "Voraussetzung ist, dass die Tiere in den Winter reingewachsen sind, also schon länger nur draußen stehen und somit das entsprechende Fell aufbauen konnten." Darüber hinaus müsse es auf der Weide einen Windschutz geben. "Das muss kein Stall sein, sondern es können auch im Winkel aufgestellte Platten, Strohballen oder ein schützender Knick sein", so Schulze. Die Pferde müssten sich außerdem trocken ablegen können, regelmäßig gefüttert und mit Trinkwasser versorgt werden. "Vom Gesetz her, reicht es, zweimal am Tag Wasser anzubieten. Bei so niedrigen Temperaturen saufen Pferde relativ wenig." Wenn all dies beachtet werde, könnten Pferde auch bei zweistelligen Minusgraden permanent draußen stehen. Auch wenn der Mensch dazu neige, "das persönliche Temperaturempfinden auf die Tiere zu projizieren".
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