SYLTER RUNDSCHAU

 

Sport verbindet: Schüler, Lehrer und fusionierte Dörfer

04. September 2010 | Von Ulrike Bergmann

Es wächst zusammen was seit ein paar Wochen zusammen gehört: Um das Gemeinschaftsgefühl zu stärken, fand am Mittwoch ein Sportfest der frisch fusionierten Schule für Sylt statt - und damit ist endlich klar, warum es beim anderen großen Zusammenschluss auf der Insel noch immer klemmt und kratzt: Es fehlt der beim gemeinsamen Schweißvergießen entstehende Teamgeist. Die zu einer Gemeinde verschmolzenen Dörfer sollten deshalb zügig ein "Sport verbindet"-Event auf die Beine stellen. Dafür werden die Bewohner von Westerland, Tinnum, Rantum und so weiter in dorf- und altersmäßig gemischte Riegen eingeteilt. Gemeindevertreter oder Ortsbeiräte geben den Ballack und wenn mehr Kapitäne gebraucht werden, als Politiker vorhanden sind, müssen eben Kindergärtnerinnen und Grundschullehrer mit ran.

Erzieher und Pädagogen dabei zu haben ist auch deshalb gut, weil sie kampferprobt im Schlichten großer und kleiner Streitereien sind. Und die wird es schon deshalb geben, weil Startschuss und Siegerehrung aus praktischen Gründen nun mal nur in einem Ort (und das ist nicht automatisch der am weitesten abgelegene) stattfinden können. Die Zusammensetzung der Riegen muss per Losverfahren bestimmt werden. Andernfalls dauert schon die Mannschaftsaufstellung so lange, wie die Schaffung von Dauerwohnraum oder der Bau einer Fun-Sporthalle.



Nun zu den Wettkämpfen, von denen in jedem Ort einer stattfinden und mit dem Stichwort Nachhaltigkeit verbunden sein sollte. Es sind demnach nur Spiele zugelassen, die einen langfristigen Nutzen für den Ort haben.

Beispielsweise in Rantum wird (Motto "Unser Dorf soll schöner werden") von jeder Riege ein häßliches Gebäude abgetragen. Da die Mannschaft gewinnt, die diese Aufgabe am schnellsten erledigt, wählt man am besten in billiger Fertigbauweise entstandene Häuser aus.

In Morsum stechen die Riegen nacheinander mit dem Eisboot in die Nordsee und dürfen erst wieder anlanden, wenn sie einen Plan für den kostenlosen Bau eines neuen Lebensmittelladens entwickelt haben.

In Westerland muss jede Mannschaft in einer vorgegebenen Zeit so viele Autos wie möglich von der Insel schaffen - wobei das simple In-die-Nordsee-rollen zur Disqualifizierung führt. Alternativ käme das Ausschachten von Wassergräben rund um den Bahnhof in Frage.

Das Keitumer Spiel hat natürlich auch mit Wasser zu tun: Da gewinnt, wer den ersten Schwimmzug in einem der Thermenbecken macht. Wenn es in den Tagen vor dem Wettkampf nicht ausreichend regnen sollte, ist dafür eine Eimerkette ("Von der Stirne heiß, rinnen muss der Schweiß") von der Feuerwache bis ans Watt erforderlich.

Und in Tinnum können die Mannschaften (bitte binnen fünf Minuten!!!) wählen, ob sie lieber eine neue Katastrophenschutzhalle bauen oder eine alte abreißen wollen. Nur in Archsum und Munkmarsch müssen keine Spiele gespielt, sondern auf dem Festland möglichst viele neue Bewohner (bringen sie Kinder mit, gibt das Extra-Punkte) angeworben werden.

Was braucht man für so ein Sportfest noch? Schiedsrichter. Und da nimmt man wegen der Neutralität am besten Insulaner, die mit der Fusion möglichst wenig am Hut haben...


 

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