SYLTER RUNDSCHAU

 

Henkel: "Die Politik hat Sarazzin ans Kreuz genagelt"

04. September 2010 | 03:00 Uhr | Von kko

"Die Abwracker" Hans-Olaf Henkel beschreibt sie in seinem Buch. Foto: kko

Kampen. "Wie Zocker und Politiker unsere Zukunft verspielen" - so der Untertitel des im Frühjahr erschienenen Buches "Die Abwracker" von Hans-Olaf Henkel. Dazu nahm der ehemalige Präsident des deutschen Industrieverbands BDI und Ex-Manager von IBM am Donnerstagabend im proppevollen Kaamp-Hüs Stellung. Henkel las nicht aus seinem Buch, er dozierte und polemisierte. Seine Kernaussage: Die Wirtschaftskrise entstand durch machtgierige Politiker und Bänker.

Henkel, der seit 2006 im Gremium der "Bank of America" sitzt und nach dem die Schmetterlingsart "Bracca olafhekeli" benannt ist, die von Vögeln nicht gefressen wird, geht mit seinen Erklärungen über 30 Jahre zurück. Anhand von eigenen Anekdoten ("Als ich 1978 nach Connecticut zog und ein Haus mieten wollte...) veranschaulicht er, wie in den USA die Immobilienkrise entstand: Banken gewährten nicht gedeckte Kredite, die Blase platzte, Amerikas Wirtschaft rutschte drastisch ab und zog die deutsche mit. Henkel, der gerne von Schuld und Nicht-Schuld spricht, verurteilt diejenigen Banken, die amerikanische Kredite aufkauften.

Das daraus gefolgerte Fazit des bekennenden FDP-Wählers: "Wenn es nicht anders geht, muss man Banken verstaatlichen." Der HSV-Fan setzt auf Regeln ("wie beim Fußball"), nicht auf eine Änderung des Systems. "Marktwirtschaft ist automatisch sozial", meint er und zusammen mit Demokratie und Menschenrechten das Fundament funktionierender Staaten. "Wie erklären Sie dann die immer geringere Wahlbeteiligung?", meldet sich am Ende eine jüngere Zuhörerinnen aus dem mehrheitlich aus Pensionären bestehenden Publikum zu Wort. Demokratieverdrossenheit? "Nein", kontert Henkel. Der Verdruss gelte den Parteien, die nun "Sarazzin ans Kreuz genagelt haben", nachdem Bundeskanzlerin Angela Merkel ihn "vorverurteilt" hätte. Das Publikum applaudiert und die junge Fragerin, die sich später als SPD-Mitglied zu erkennen gibt, schweigt.


 

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