SYLTER RUNDSCHAU
Freiheit für die Fische und Spargel für Dithmarschen
Nein, sie werden keine Promis dazu bringen, sich nackig zu machen, um für die Rechte der gefangen gehaltenen Wassertiere zu demonstrieren. Für das Westerländer Aquarium haben sich die Tierschutz-Aktivisten von "Peta" etwas anderes ausgedacht. In der vergangenen Woche haben sie die Betreiber des Wasser-Zoos dazu aufgefordert, die in den 25 Meerwasserbecken gehaltenen Fische durch menschliche Artisten zu ersetzen.
Auch wenn die Tierrechtler gleich lautende Aufforderungen an alle deutschen Aquarien geschickt haben, verfügen sie offenbar über Insider-Kenntnisse hinsichtlich des chronisch finanzschwachen Syltaquariums. Heißt es doch: "Die Umgestaltung in ein Unterwassertheater wäre für alle ein Gewinn: Die Besucher würden sich am Meerjungfrauenballett erfreuen, der Direktor am Gewinn und die Fische an der Freiheit."
Als gelungenes Beispiel für die öffentlichkeitswirksame Aufforderung führt "Peta" zwar das britische Unterwasser-Ensemble "Aquabatix" und dessen Show "Mermaid Love Story" an, doch noch größer wäre der Publikumserfolg wohl, wenn man die beliebtesten der rund 2000 Meerestiere gegen echte Insulaner austauschen würde.
Man stelle sich nur die Schlangen an der Kasse vor, wenn Fisch-Papst Jünne Gosch den Hummer (oder auch den Hering) geben würde, Soft-Satiriker Manfred Degen den Clownsfisch, Mark-Medlock-Managerin Cornelia Reckert die Goldbrasse (wenn es ihr lieber ist, auch den Leoparden-Stechrochen), Adler-Reeder Sven Paulsen einen Nautilus (hieß so nicht das Schiff von Käpt’n Nemo?) und Obergenosse Gerd Nielsen einen Schwarm Rotfeuerfische. Und auch für Doktorfische, diverse Hai-Arten, Seezungen und Krabben ließen sich leicht die passenden Pendants finden, oder? Wenn das kein Alleinstellungsmerkmal im touristischen Wettbewerb ist, was dann?
Der Protest gegen die beiden (zugegebenermaßen lebensrettenden) Behördenfunkmasten in Hörnum und List lässt erahnen, was auf Sylt erst los wäre, wenn das Land die Insel auf der Suche nach Fläche für Windkraftanlagen einbeziehen würde. Nachdem die Regierenden die Insel auf der Suche nach sprudelnden Steuer-Quellen in den letzten Jahren mit ungewollten Hotels zupflastern ließen, gibt es einige Sylter, die fürchten, dass irgendein schlauer Politiker womöglich auch bei der Windkraft noch auf dumme Gedanken kommt.
Sollten in diesem Falle die Sylter Grundstückspreise nicht abschreckend genug sein, haben diese Sylter vorsorglich ein in seiner Einfachheit geniales Konzept erarbeitet, mit dem sich die Eignungsflächen für Windkraftanlagen in Schleswig-Holstein mehr als nur verdoppeln ließe.
Um auch das hoffnungslos verspargelte Sylter Hinterland optisch aufzuwerten, sollen neue Windmühlen nur noch in Dithmarschen zugelassen werden - und zwar überall. Dort ist erstens genügend Platz, zweitens will dort ohnehin niemand Urlaub machen oder auch nur durchfahren und drittens kann man Kohl auch direkt unter so einem Rotor anbauen.
Entscheidender Vorteil für Sylter und Sylt-Urlauber: Die Rotoren bieten die Möglichkeit, in der Dithmarscher Einöde endlich ein paar Mobilfunk-Sendeverstärker zu installieren und die leidigen Funklöcher auf der NOB-Fahrt von Hamburg nach Sylt zu stopfen.
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