SYLTER RUNDSCHAU
"Es wird just ein Gottesdienst gehalten, sogar auf hochdeutsch"
Die Dorfkirche 1862: bevor 1875 ein Turm angebaut wurde, stand ein steinernes Glockenhaus (Bildmitte) separat. Foto: Foto: Archiv Deppe
Ein Kirchlein gibt steinernes Zeugnis eines längst verschwundenen Teils der Insel Sylt: Als im Jahre 1635 die Westerländer Dorfkirche Sankt Niels errichtet wurde, bediente man sich einiger Überbleibsel der Kirche des Sylter Hauptdorfes Eidum, das anno 1436 in den Fluten versunken war. Im Jahre 1859 stattete der Reiseschriftsteller Julius Rodenberg dem kleinen Gotteshaus einen Besuch ab:
"Nachdem ich lange draußen bei den eingesunkenen Grabsteinen verweilt hatte, trat ich in die Kirche ein. Es wird just ein Gottesdienst gehalten, sogar auf hochdeutsch, und ein Sylter neben mir auf der Bank lässt mich in sein Gebetbuch einsehen.
Rings an den Wänden des dürftigen Innenraums hängen die Bildnisse der alten Pastoren von Westerland, vom 17. Jahrhundert bis in unsere Zeit hinein - es sind viele treuherzige, starke, verwitterte Gesichter. Unter den Bildnissen sitzt betend die Kirchengemeinde von Westerland und Rantum.
Eine Orgel hat dieses Kirchlein nicht, daher gibt der Küster mit seiner andächtigen, aber unmelodischen Stimme den Ton an und die anderen folgen. Dann besteigt der Pfarrer, ein ernster, offenkundig viel geprüfter Mann, die niedrige Kanzel. Am Ende seiner Predigt spricht er ein Gebet für seine Majestät, den König von Dänemark.
Der Pastor erzählte mir nachfolgend: ’Ein Haupthindernis meiner Amtswirksamkeit ist und bleibt die mir nicht geläufig werden wollende friesische Sprache. Leider ist insbesondere das weibliche Geschlecht nicht dazu zu bewegen, sich im Gespräch mit mir der hochdeutschen Sprache zu bedienen. Ich gehe oft in die Häuser der Einzelnen und mache so wenigstens einige schwache Fortschritte in einer Sprache, die sich aus Büchern nicht erlernen lässt.’"
Lust auf mehr? Die Sylter Rundschau jetzt
2 Wochen kostenlos testen.






