SYLTER RUNDSCHAU

 

Westerland

Aus Lesepatenschaft wird Freundschaft

27. Januar 2012 | 04:50 Uhr | Von Hanna Andresen

Franz und Matti (beide 7) kommen gerne zu den Lesestunden mit Erika Hinze. Danach wird schließlich immer gespielt. Foto: Andresen

Leseförderung soll nicht auf der Strecke bleiben, deswegen helfen freiwillige Paten Schulkindern ihre Fähigkeiten auszubessern

Westerland. Dass ältere Damen gar nicht mal so schlecht lesen können, weiß der siebenjährige Matti seitdem er zusammen mit Erika Hinze das Lesen trainiert. Die 69-Jährige kommt regelmäßig in die Grundschule mit Förderzentrum St. Nicolai, um zusammen mit Franz (7) und Matti zu lesen. "Ich finde es grundsätzlich gut, mit Kindern zu arbeiten und witzig ist es auch", erzählt Hinze. Franz liest seiner Patin eine kurze Geschichte über Samiras Fische vor - anfangs noch zögerlich, die Wörter wollen dem Erstklässler so früh am Morgen noch nicht über die Lippen. Nach dem zweiten Satz geht es dann schon besser und Hinze lobt ihren Schützling. Wenn die Arbeit getan ist, wird meist "Mensch ärgere dich nicht" oder "Domino" gespielt. Dabei tauchen die beiden Jungs in eine andere Welt ein, sind darauf fixiert die Männchen vor dem anderen ins Ziel zu bekommen.

Das Lesepatenprojekt wurde im April 2010 vom Freundeskreis der Gemeindebücherei Sylt nach einem "runden Tisch" mit Vertretern der Sylter Schulen initiiert. Aufgrund des hohen Migrantenanteils und dem daraus resultierenden Bedarf an Leseförderung, rückte schnell die St.-Nicolai-Schule ins Zentrum der Arbeit. Das Problem sei die vernachlässigte Leseförderung, die aufgrund anderer Medien auf der Strecke bliebe, erklärt Nina Hoyer, Vorstandsmitglied des Freundeskreises. "Wer liest denn heute noch seinen Kindern eine Gutenachtgeschichte vor?"

Mittlerweile zählt das Projekt um die 20 Lesepaten, die sich einmal wöchentlich mit ihren Schützlingen in der Schule treffen. Häufig sind daraus kleine Freundschaften zwischen Paten und Schülern entstanden, sodass aus der gemeinsamen Zeit nicht selten der lang ersehnte Höhepunkt der Woche wird. Sowohl die Paten als auch die Schüler profitieren von dem Projekt: Die Kinder und Jugendlichen erfahren Zuwendung von Erwachsenen und die Paten bekommen das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun und gebraucht zu werden.

Annette Kukielka (72) ist ebenfalls eine der ehrenamtlichen Paten und bestätigt, dass sich eine Freundschaft zwischen ihr und ihrer Schülerin entwickelt hat. Momentan lesen sie "Pipi Langstrumpf" - die Schülerin habe anscheinend eine Schwäche für Astrid Lindgrens Bücher entwickelt.

Unterstützt wurde das Projekt von Anfang an von der Sylter Bank, die nun 500 Euro gespendet hat. Bruno Schnabel, Vorstandsmitglied des Freundeskreises, freute sich: "Wenn wir um Hilfe bitten, bekommen wir meistens eine positive Antwort der Bank."

Wer Lesepate werden möchte, kann sich bei Nina Hoyer unter der Telefonnummer 835 866 5 über das Projekt informieren. Ebenso können sich interessierte Schulen auf der Insel an die Organisatoren wenden, wenn sie Bedarf bei sich feststellen.


 

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