SYLTER RUNDSCHAU
Naturzentrum Braderup
Abschied von der Heide
"Bevor ich hier anfing", schmunzelt Stefan Schöpe, "hatte ich von der Natur keine Ahnung - außer, dass man sie ganz gut genießen kann." Heute weiß der 20-jährige Münchner, wie ein Austernfischer aussieht, wann die Heide blüht und warum Naturschutz ein wichtiges Gut ist. Eine Erfahrung, die Stefan Schöpe mit vielen anderen teilt, die sich bei der Naturschutzgemeinschaft Sylt alljährlich als freiwilliger Helfer, Praktikant oder Zivildienstleistender nützlich machen.
Es ist ein beständiges Kommen und Gehen im Naturzentrum Braderup, dessen Leiter Werner Mansen just wieder mehrere Helfer verabschiedete. Schon reisen die Nachfolger an und für Mansen beginnt einmal mehr die Zeit der Einarbeitung der Neuen.
"Gute Leute lässt man ungern gehen", bedauert Mansen, der manchen einstigen Schützling später als Praktiker wiedersieht: "Es verbringen immer wieder ehemalige Helfer ihren Urlaub auf Sylt und besuchen uns. Heute sind sie Ärzte, Lehrer oder Biologen."
Auch Stefan Schöpe, dem die Natur fremd war, hat sein Faible für selbige entdeckt: "Ich werde in Kürze ein Studium für Landschaftsnutzung und Naturschutz beginnen", erzählt der junge Bayer. Das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ) bei der Naturschutzgemeinschaft Sylt hat ihn nicht nur in der Berufsfindung geprägt, sondern auch persönlich reifen lassen: "Ich bin selbstbewusster geworden."
Das resultiert nicht zuletzt aus den Führungen, die die Helfer selbstständig leiten. "Wenn es gelingt, gelangweilte Schulklassen zu motivieren, ist das ein schönes Erlebnis."
Auch Mona Stinner blickt positiv auf ihre Sylter Zeit zurück. Im Rahmen eines Geografie-Studiums absolvierte die Mainzerin ein zweimonatiges Praktikum. "Die Natur hier ist wirklich einmalig", befindet die 23-Jährige, wenngleich ihr der Trubel in der Hauptsaison etwas suspekt erschien.
Einen Nachschlag in Form eines Praktikums gönnte sich Tim Kirschke. Der 21-Jährige Westfale absolvierte bei der Naturschutzgemeinschaft Sylt bereits seinen Zivildienst und ist eine wichtige Stütze - etwa dann, wenn er Leonard Becker, der für ein Schulpraktikum aus Münster angereist ist, fachliche Tipps gibt.
Mit diesem Wissen kehrt auch Max Walther nach Hause zurück. "Die Naturgewalten im Winter" haben den 20-jährigen Hannoveraner ebenso fasziniert wie "der Duft der Heide, den ich wohl noch lange in der Nase behalten werde". Manche Grillparty und andere Unternehmungen haben die jungen Naturschützer gemeinsam erlebt. Und angesichts des bisherigen Sommers ahnen sie beim Abschied: "Mal eben nach der Arbeit ins Meer springen - das werden wir höllisch vermissen."
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