SYLTER RUNDSCHAU
70 Prozent der Sylter gingen zur Wahl
Sylt. Die Verwirrung um die niedrige und bei Bundes- und Landtagswahl scheinbar sehr unterschiedliche Wahlbeteiligung vom Sonntagabend klärte sich nach Vorliegen des Endergebnisses aller Sylter Wahlkreise schnell auf. Wie Wahlleiter Hans-Wilhelm Hansen gestern morgen erklärte, war es durch die vorgezogene Landtagswahl nicht mehr möglich, Landes- und Bundeswahlgesetz zu synchronisieren.
Daher wurden die Stimmen der Briefwähler bei der Landtagswahl in den 15 Wahllokalen zusammen mit den vor Ort abgegebenen Stimmzetteln ausgezählt. Die Briefwahlzettel für die Bundestagswahl wurden hingegen - getrennt nach Amtsbereich und Gemeinde Sylt - zentral ausgezählt und erst ganz zum Schluss wie zwei eigene Wahlbezirke gerechnet.
Was bei insgesamt 2 572 Sylter Briefwählern (16 Prozent) erhebliche Auswirkungen hatte. Solange noch nicht alle Sylter Wahlbezirke ausgezählt waren - für die Bundestagswahl war das um 22.46 Uhr der Fall - sah es dadurch nach einer extrem niedrigen Beteiligung von nur etwa 53 bis 55 Prozent aus. Am Ende lag die Beteiligung bei beiden Wahlen jedoch etwa 70 Prozent. Bei der Bundestagswahl waren das sechs Prozent weniger als 2005, bei der Landtagswahl zehn Prozent mehr. Hansen: "Das zeigt, dass am Sonntag eine Wahl die andere mitgezogen hat." Nach fünf Wahlen in diesem und drei im letzten Jahr sind Hansen und seine Kollegen froh, dass der nächste Urnengang voraussichtlich erst zur Kommunalwahl 2013 organisiert werden muss. Hansen: "Das haben wir uns auch verdient."
Bei den Wahlen am Sonntag landete die CDU auf Sylt sowohl bei der Bundes- (39,1%) wie auch bei der Landtagswahl (38,4%) klar vor der SPD (21,9/19,1%), die den zweiten Platz nur knapp vor der FDP behaupten konnte, die auf 18,8 (Bund) und 15,8 % (Land) kam und ihre Ergebnisse um jeweils gut zehn Prozent steigerten. Die Grünen holten 12,4 beziehungsweise 11,1 Prozent der Stimmen. Wobei der Sylter Andreas Tietze als Direktkandidat der Grünen für den Landtag auf seiner Heimatinsel 12,6 Prozent der Erststimmen erhielt.
Tietze, der bereits den Wahlabend im Landeshaus in Kiel verbrachte, zieht über die Landesliste in den Landtag ein, in dem die Grünen künftig mit zwölf statt bisher vier Abgeordneten vertreten sind. Ab der ersten Sitzung am 27. Oktober wird der bisherige Kreistagsabgeordnete offiziell Landtagsabgeordneter sein. "Mit zwölf Abgeordneten lässt sich eine gute Fraktionsarbeit machen", findet der kurz vor der Promotion stehende Sozialökonom. Innerhalb der Fraktion bewirbt sich der 47-Jährige um das Themenfeld Soziales in Verbindung mit Wirtschaft und will dazu beitragen, "das sozialpolitische Profil der Grünen zu schärfen".
Als Gewinner der Wahl durfte sich gestern auch Udo Rühl fühlen, auch wenn der Vorsitzende der FDP Sylt selbst kein Mandat anstrebt. "Es hat uns selbst etwas erstaunt, dass wir nicht nur zehn Prozent zugelegt haben, sondern in einigen Wahlbezirken sogar vor der SPD liegen", sagt Rühl. Das Ergebnis zeige, dass auch für Kommunalwahlen das Wählerpotenzial da sei. "Bisher fehlen aber die Leute, die bereit sind, zu kandidieren. Vielleicht finden sich ja jetzt welche."
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