SYLTER RUNDSCHAU
Ein Sprungbrett für junge Künstler
Dunkel. Der ganze Raum ist dunkel. Nur an einer der vier Wände lässt sich schemenhaft die Silhouette eines Weihnachtsbaumes erkennen. Im Hintergrund dringt ein ratterndes Geräusch aus einem Lautsprecher. Dann plötzlich wird das Geräusch lauter, im gleichen Augenblick beginnen auf dem Bild an der Wand die Kerzen des Baumes heller aufzuleuchten. "Ich liebe diese Installation", sagt Indra Wussow und blickt erneut auf jenes Szenario, das den Eindruck erzeugt, als liefe dort ein Stromgenerator, der für das Leuchten der Kerzen sorge. "Es ist einfach, aber gut", befindet die Gründerin der Stiftung "kunst:raum sylt-quelle" mit einem Lächeln.
Und sie muss es ja wissen - schließlich ist Indra Wussow dafür verantwortlich, dass die Installation der Düsseldorfer Künstlerin Anja Ciupka in den Räumen der Sylt-Quelle in Rantum unter dem Titel "Werkschau I" ebenso zu sehen ist, wie Werke von sechs weiteren jungen Künstlern im Alter zwischen 20 und 30 Jahren. Im Gegensatz zum vergangenen Jahr, als die damalige Winterausstellung der Stiftung unter dem Titel "Überweltigt" (wir berichteten) firmierte, ist der Name diesmal bewusst relativ schlicht gehalten.
"Es ließ sich kein gemeinsames Überthema finden, unter dem alle Künstler zusammenzufassen wären. Das ist eine sehr heterogene Gruppe", begründet Wussow, "da hätte es keinen Sinn gemacht, dem Ganzen eine Klammer zu geben. Das hätte nur von den Künstlern abgelenkt." Und so hat die Schar der Ausstellenden in diesem Jahr nur eines gemeinsam: sie sind alle Stipendiaten der Erwine-Steinblum-Stiftung, die nach der 1983 verstorbenen, zu Lebzeiten sehr an Kunst interessierten Großmutter von Indra Wussow benannt ist. Wussow selbst sitzt in der Jury, die jedes Jahr aufs Neue die Preisträger ermittelt.
"Unser Ziel ist es, den Künstlern zu ermöglichen, in unterschiedlichen Lebensräumen zu arbeiten und dabei Impressionen zu sammeln", sinniert sie. Als eines jedoch will sie Stiftung und Ausstellung jedoch nicht verstanden wissen: als reine Nachwuchsförderung. "Das sind allesamt renommierte Künstler, die zwar am Anfang ihrer Karriere stehen, aber keine Greenhorns mehr sind. Mit Hilfe der Stiftung sollen sie andere Welten kennenlernen und Horizonte erweitern, aber auch ihre Karriere anschieben", schreibt Wussow den Stipendiaten, die unter anderem einen Arbeitsaufenthalt auch in der südafrikanischen Dependance der Stiftung, dem "jozi art:lab" in Johannesburg, absolvieren, ins Stammbuch.
Vorerst jedoch sollen die Künstler mit ihren Werken - egal, ob es nun die oft bedrohlich wirkenden Naturdarstellungen von Niels Siebert, die von Ruprecht von Kaufmann stammenden düsteren Zwischenwelten oder aber als Kontrapart dazu die durch kräftige Farben zur Kulisse entfremdeten Alltagsszenen Miriam Wanias oder aber die farbintensiven, auf der Vorderseite von Leuchtkästen befindlichen Bilder Philipp Fürhofers sind - bis zum 14. März kommenden Jahres das Publikum in den Bann ziehen. Zur Vernissage am Sonntag gelang dies bereits gut: "Wir konnten rund 60 Besucher begrüßen", berichtet Wussow.
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