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Bad Oldesloe

"Die Katzen werden uns übern Zaun geschmissen"

21. Juli 2012 | 06:50 Uhr | Von Hendrik Mulert


Sie haben alle Hände voll zu tun: Nadja Schumacher und Heike Reher vom Tierschutz Bad Oldesloe halten vier Welpen in ihren Armen. Die jungen Katzen sind bereits vergeben. Kein Wunder: Wer kann diesen Augen widerstehen?  Foto: Mulert

Sie haben alle Hände voll zu tun: Nadja Schumacher und Heike Reher vom Tierschutz Bad Oldesloe halten vier Welpen in ihren Armen. Die jungen Katzen sind bereits vergeben. Kein Wunder: Wer kann diesen Augen widerstehen? Foto: Mulert

Bad oldesloe. Puschel hat die Ruhe weg. Der in die Jahre gekommene Kater schleicht gemütlich über das Gelände. Das können sich die Mitarbeiter seines Zuhauses - dem Tierheim - zurzeit nicht erlauben. Denn vor der landesweiten so genannten Katzenschwämme ist auch die Oldesloer Einrichtung nicht gefeit.

Die Zahl der Katzen ist so groß, "dass die Mitarbeiter viele von den Tieren mit nach Hause nehmen müssen", sagt Heike Reher, die Vorsitzende des Tierschutzvereins. Allein 30 Welpen seien es, um die sich gekümmert werden muss. Insgesamt leben 110 Katzen im Heim. "Teilweise werden uns die Katzen über den Zaun geschmissen", sagt Heike Reher.

Im Quarantäne-Zimmer herrscht Hochbetrieb. Hier müssen die Neuankömmlinge bis zu zwei Wochen verbringen, werden auf Krankheiten getestet. Katzen jeden Alters sitzen in teilweise übereinander gestapelten Käfigen. Die einen verziehen sich schüchtern in die Ecken, die anderen spielen miteinander. Und Schröder, der 15-jährige Senior, hält ein Schläfchen. Die acht Wochen alte Hope - mit pechschwarzem Fell - ist vor kurzem von einer Frau ins Tierheim gebracht worden, die das Jungtier verdreckt an der Straße gefunden gefunden hatte. Hope hat eine verkrümmte Luftröhre. Das Essen fällt ihr schwer. Nach jeder Mahlzeit droht sie zu ersticken. Das Personal kann mit einer Notfall-Spritze eingreifen.

Manche Tiere werden vor dem sicheren Tod gerettet: Nur durch Zufall wurden zwei Katzen, die in einer verschlossenen Box im Wald ausgesetzt wurden, gefunden und anschließend im Tierheim aufgepäppelt. Alle Katzen, die ein vorübergehendes Zuhause im Tierheim finden, werden als erstes kastriert. Nur so könne man der Schwemme Herr werden, meint Reher, die Tiere würden sich in der freien Wildbahn zusehends vermehren: . "Eine Katze kann drei Mal im Jahr Nachwuchs bekommen. Ein Wurf kann bis zu zwölf Welpen hervorbringen. Das potenziert sich", so die Vorsitzende. Das hat auch ein Halter aus dem Oldesloer Umland erlebt, der den Überblick über seinen Nachwuchs verloren hatte. 35 Katzen sind es mittlerweile geworden, erzählt Reher. An Kastration hatte der Mann im Vorwege offensichtlich nicht gedacht. Nun soll das Tierheim helfen. Nach und nach bringt er die Vierbeiner vorbei, um den Eingriff nachholen zu lassen. "Dadurch helfen wir dem Halter und uns", sagt Heike Reher - durch die Kastration wird die Vermehrung gestoppt und die Katzenschwemme im Heim auf lange Sicht verringert.

Ohne den Einsatz der fünf Ganztags- und Teilzeitkräfte sowie den vielen ehrenamtlichen Mitarbeitern wäre die schwierige Situation nicht zu meistern, sagt die Vorsitzende. Viel Geld kann der Verein seinen Angestellten allerdings nicht bieten. Die Jahreskosten des Tierheims belaufen sich auf 150 000 Euro, ein Drittel davon wird mittlerweile von den Städten Bad Oldesloe und Reinfeld sowie Amtsgemeinden in Bad Oldesloe-Land, Nordstormarn und Sandesneben-Nusse erstattet. Die restlichen 100 000 Euro müssen unter anderem durch Spenden generiert werden. Nicht immer einfach, berichtet Reher.

Den Bewohnern des Tierheims sind die Finanzen ziemlich egal. Sie wollen Zuneigung. Die bekommen die Katzen, Hunde, Kaninchen und Meerschweinchen vom Personal. Aber Ziel bleibt es natürlich, sie zu vermitteln - vor allem bei der hohen Zahl an Katzen. Das klappe zurzeit zum Glück gut, sagt Heike Reher. Der Vorteil bei einem Vierbeiner aus dem Heim: "Die Tiere sind durchgecheckt, kastriert, geimpft und entwurmt.

Der 14 Jahre alte Puschel werde aber wohl nicht mehr von einer Familie aufgenommen, vermutet die Vorsitzende. Das findet sie aber überhaupt nicht schlimm: "Er ist unser Maskottchen geworden."


 
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