STORMARNER TAGEBLATT

 

"Rumeiern bringt nichts - 2. Standbein muss her!"

10. September 2010 | 04:40 Uhr | Von Volker Stolten

Der Plan sieht einen Betrieb mit 39 800 Tieren vor. Foto: dpa

Jersbek. In Köthel möchte ein Landwirt einen Schweinemastbetrieb ansiedeln und stößt - wie berichtet - auf erbitterten Widerstand. In Jersbek möchte ein Landwirt einen Hähnenmastbetrieb verwirklichen. Ob Hans-Jürgen Kratzmann auf Gegenwind trifft oder eine gütliche Einigung erzielt wird, wird sich zeigen.

In der Gemeindevertretung kam jetzt das Anliegen unter Anteilnahme von mehr als 80 Bürgern und dem Landwirt selbst auf den Sitzungstisch und wurde trotz einiger Bedenken der Anlieger ganz sachlich und ohne große Gefühlsausbrüche diskutiert. "Wir stehen ganz am Anfang, gehen ruhig und besonnen an das Thema ran, wollen völlig ohne Druck und ganz sachorientiert agieren", erklärt Bürgermeister Herbert Sczech auf Anfrage. Zuvor sei es bereits zur örtlichen Begehung mit dem Bürgermeister und Anliegern gekommen sowie zur Besichtigung von Ställen in Bordesholm, sagt Hans-Jürgen Kratzmann. Der alteingesessene Landwirt plant auf seinem eigenen Land an der Straße Langereihe einen Hähnchenmaststall mit knapp 40 000 Tieren. Zweiter möglicher Standort sei nördlich des Altenheims im Wiesengrund, auch Langereihe.

"Für Unwissende ist die Zahl von 39 800 Masttieren natürlich utopisch, für uns Landwirte ganz normal", betont der gebürtige Stormarner, der seit 37 Jahren in Jersbek lebt. Mit 500 Hühnern anzufangen, bringe nichts. "Wir leben im Hamburger Speckgürtel, wo es keine Flächen mehr zu pachten oder kaufen gibt. Da müssen wir uns überlegen, wie wir mit zwei Familien überleben können." Klein rumzueiern reiche nicht mehr aus. "Das 2. Standbein muss her." Gleichwohl wisse er, dass das ein sensibles Thema sei. Er spiele auf jeden Fall aber "mit offenen Karten".

Jährlich wird von 60 Lastwagen-Fahrten ausgegangen. Bedenken gibt es unter anderem wegen des erhöhten Lkw-Verkehrs, der möglichen Geruchsbelästigung und der Erschließung. So sprach sich beispielsweise eine Zuhörerin für einen entfernteren Standort aus, der für Kratzmann allerdings nicht in Betracht komme, da seine weiteren eigenen Flächen verpachtet seien. Gutsbesitzer Julius von Bethmann-Hollweg regte daraufhin einen Flächentausch an. Über den will Kratzmann nachdenken und sich dann in nächster Zeit mit dem Gutsinhaber mal an einen Tisch setzen.

Bei dem geplanten Hühnerprojekt handelt es sich um ein so genanntes privilegiertes Bauvorhaben im Außenbereich, dem sich die Gemeinde nicht verschließen darf. Für die Ablehnung oder Genehmigung sei das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) zuständig, stellt der Bürgermeister klar. Wenn der Antrag von der Genehmigungsbehörde LLUR zurückkomme, habe die Gemeinde zwei Monate lang Zeit, eingehend zu beraten. Das planerische Prozedere dauere dann weitere sechs bis neun Monate. Was am Ende rauskomme, so Sczech, stehe in den Sternen. "Wie gesagt, wir stehen ganz am Anfang."


 

Leserkommentare

 


Lokalausgabe wählen

 

Was suchen Sie?

z.B. "Hotel", "Software", "Müller"

Wo suchen Sie?

z.B. "Flensburg" , "Rote Str."

Wen suchen Sie?

z.B. "Hotel", "Software", "Müller"

Wo suchen Sie?

z.B. "Flensburg" , "Rote Str."

 
INSTITUT50PLUS
Lebendig leben...
Angebote für eine aktive Lebensgestaltung
 
HÄUFIG GELESEN

Drei Tote bei Verkehrsunfällen im Norden

Drei Menschen sind am Donnerstag bei Verkehrsunfällen in Hamburg und Schleswig-Holstein ums Leben ...mehr

 
 


KONTAKT | IMPRESSUM | AGB | DATENSCHUTZ