STORMARNER TAGEBLATT
Bad Oldesloe
Mosaike - über Nacht interaktiv!
Mit entsprechender Technik lassen sich die Code-Aufkleber auf den Mosaiken entschlüsseln. Foto: Olbertz
Bad oldesloe. Guck mal einer an, es tut sich was: Dass immer mal wieder ein neues Fliesenmosaik im Stadtbild auftaucht, daran haben sich die Oldesloer ja fast schon gewöhnt. Gelegentlich verschwindet auch mal eines - zum Beispiel an einer Rampe im "Skateland" auf dem Exer. In der Nacht zu gestern sind die Mosaike plötzlich interaktiv geworden. Was für ein Zufall - ausgerechnet an dem Tag, zu dem das Oldesloer Stadtmarketing das Fernsehen in die Kreisstadt bestellt hatte. Ein Schelm, der sich Böses dabei denkt ...
Auf zahlreiche der Fliesenpiktogrammen in der Innenstadt wurden so genannte QR-Codes geklebt: Quadrate aus schwarzen und weißen Kästchen. Um sie "lesen" zu können, braucht man ein modernes Mobiltelefon mit einem speziellen kostenlosen Programm. "Angesagte Leute mit einem Smartphone können damit einen schnellen Link bekommen", erklärt Grafiker Christian Bernardy (auch bekannt als "Schlagerbernd") vom Kulturnetzwerk : "Der Code hat ja auch ein bisschen eine gekachelte Optik." In der Werbung für das Klangstadt-Open-Air hat er die kleinen Quadrate ebenfalls verwendet. "Guckt mal, was wir können. Wir sind modern, zeigen wir damit", erläutert der Oldesloer Künstler.
Auch Ina Weber vom Stadtmarketing findet: "Das ist eine relativ originelle, moderne Verknüpfung. QR-Codes sind ein neues, sehr innovatives Medium, um zu kommunizieren."
"Schnelle Antwort" an der Hauswand
QR steht für Quick Response - also schnelle Antwort. Das System wurde im Auftrag von Toyota für die Logistik der Automobilproduktion entwickelt. Der breiteren Öffentlichkeit dürften sie erstmals auf den selbstgedruckten Online-Tickets der Bahn aufgefallen sein. Inzwischen werden sie vermehrt in der Werbung eingesetzt. Wer das kleine Programm hat, um die Codes zu entschlüsseln, wird flink Texte oder Links zu Internetseiten finden.
Wer immer die Codes auf die Oldesloer Fliesen geklebt hat, hat sich viel Arbeit gemacht, denn die Internetbotschaften sind passend zum Mosaik gewählt. Bei dem Motiv am historischen Rathaus kann man beispielsweise gleich eine Mail ans Standesamt schicken. Der Code am Bügel bei der Reinigung enthält einen Link zu kachelmannwetter.de, das Fragezeichen am Stormarner Tageblatt verweist auf "Space-Invaders against racism", und gegenüber am Haus wird an der Spruchfliese auf den Urheber des Sinnspruchs (Lothar Schmidt) verlinkt. Andere Fliesen führen auf die Internetseite des Stadtmarketings zu diesem Thema.
"Die Codes haben zu etlichen Diskussionen geführt, weil viele das nicht kennen", sagt Bürgermeister Tassilo von Bary: "Das macht die Sache noch mal spannender. War es der Fliesenleger oder gar jemand anderer?" Er meldet aber auch leichte Zweifel an: "Das könnte das Gesamtkunstwerk stören ..." Von Bary meint, beobachten zu können, dass "der Kachelmann" neuerdings Rücksicht auf Eigentum nimmt. Beispiel Standesamt, so der Verwaltungs-Chef: "Da hat er das Motiv nicht an das denkmalgeschützte Gebäude geklebt, sondern an den Kasten daneben." Christian Bernardy ist ebenfalls nicht vollauf begeistert: "Das ist Straßenkunst und die ist vom Wesen her illegal." Ihm sei das "künstlerisch zu flach. Da macht sich jemand Mühe, zieht bei Nacht und Nebel los ... da hätte ich etwas mehr erwartet."
Lese-Programme
Kostenlose Programme zum Einlesen von QR-Codes für das iPhone sind beispielsweise "NeoReader"; "QR Lesegerät" oder "barcoo" - verfügbar im App-Store bei Apple. Für Android-Handys gibt es ebenfalls "barcoo" oder auch "QR Droid".
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