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Offener Gesprächskreis

Missbrauch: Viele haben was gewusst

16. Juli 2010 | 04:50 Uhr | Von rob

Der Verein "Missbrauch in Ahrensburg" lädt Angehörige und Freunde von Opfern sowie Unterstützer für Dienstag, 20. Juli, ein. In einem offenen Gesprächskreis sollen Erfahrungen und Strategien ausgetauscht werden, wie man mit Missbrauch in seinem engsten Lebensumfeld umgehen kann. Das Treffen um 19 Uhr ist nicht öffentlich. Vereinsvorsitzender Anselm Kohn bittet um Anmeldung per E-Mail an sabine.gadzali@missbrauch-in-ahrensburg.de.

"Die Dimensionen der Fälle sind enorm. Wir brauchen Zeit, um es aufzuarbeiten", sagt Anselm Kohn. Er hofft, dass weitere Missbrauchsopfer reden und die sexuellen Übergriffe von Pastor Dieter K. anzeigen: "Das ist wichtig, selbst wenn die Fälle verjährt sind. Nur so wird deutlich, was alles passiert ist." Zudem sei es durchaus möglich, dass es einen Fall gäbe, der noch nicht verjährt sei.

Bei der Kirche und der Staatsanwaltschaft Lübeck liegen rund ein Dutzend Vorwürfe wegen sexuellen Missbrauchs gegen den ehemaligen Ahrensburger Pastor K. vor, darunter auch anonyme. In einem Schreiben gebe es Hinweise auf Übergriffe, "die zeitlich nicht zuzuordnen sind", so Oberstaatsanwalt Klaus-Dieter Schultz. Man habe die Kripo Ahrensburg um ergänzende Ermittlungen gebeten.

"Wir wissen von Menschen, die ihre Anonymität nicht preisgeben wollen", sagt Anselm Kohn und hofft, dass sie ihrer Meinung ändern. Sein Bruder Sebastian hatte sein Schweigen nach vielen Jahren gebrochen. 1999 hatte sich eine Frau, die als 16-Jährige von Pastor K. missbraucht worden war, an ihn gewandt und in einem Schreiben an Bischöfin Jepsen von ihren, Sebastian Kohns und weiteren Missbrauchsfällen berichtet. Einzige Reaktion der Kirche war eine Versetzung des Pastors.

Bis vor kurzem hieß es, er habe Konzepte für die Gefängnisseelsorge erarbeitet. Jetzt kam heraus, dass er auch in der Jugendstrafanstalt Schleswig tätig war, ohne dass die Dienststellen über die Vorwürfe informiert worden waren. "Das war auch für uns überraschend", sagt Thomas Kärst, stellvertretender Sprecher der Nordelbischen Kirche.

Auch dass die sexuellen Übergriffe des Pastors ein Art offenes Geheimnis in Ahrensburg waren, hat Kärst überrascht. "Ich habe es selbst erlebt, dass sich Ahrensburger meldeten und sagten, das sei eine schlimme Sache, aber es sei doch bekannt gewesen. Wie kann es sein, dass sich niemand berufen sah, dem nachzugehen?"

Bei der Aufklärung geht es nicht nur um den Missbrauch selbst, sondern auch um den Umgang der Kirche mit Tätern und Opfern. Die damalige Pröpstin Heide Emse, die für die Versetzung von Pastor K. gesorgt hatte, gibt an, Bischöfin Maria Jepsen im Jahr 1999 informiert zu haben. Jepsen selbst widerspricht jedoch, etwas von Missbrauch und minderjährigen Opfern gewusst zu haben. Heide Emse habe ihr am Rande eines Konvents nur mitgeteilt, dass der Pastor ein außereheliches Verhältnis gehabt habe.

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