STORMARNER TAGEBLATT
Ideenreichtum für die Öffentlichkeit
Überdreht: Langsam fing’s an, aber dann! Ein Unbekannter hatte eine Idee und legte los. Heimlich, still und leise kamen Fliesenpikto-gramme ins Oldesloer Stadtbild. Und keiner nahm Notiz. Warum auch: Was bedeutet schon eine Fliese, die verschämt in der Ecke ihr Dasein fristet? Der unbekannte Fliesenleger hätte gewiss noch länger vor sich hin gewerkelt - ignoriert von der Öffentlichkeit, die er anspricht. Es ist das Verdienst des Stormarner Tageblatt, die Piktogramme bemerkt und in einen Zusammenhang gestellt zu haben. Mit anderen Worten: Wir haben den Künstler aus seinem Schattendasein geholt, seinem Werk Öffentlichkeit und damit Bedeutung verschafft - so wie es sich für eine lokale Tagezeitung ja auch gehört. Der Rest ist das übliche Geschäft: Andere Blätter sind wachgerüttelt, das Radio schickt seine Nachwuchskräfte los, und zuletzt fällt das Fernsehen in die Kreisstadt ein, um der Welt Kunde vom Oldesloer Fliesen-Phänomen zu bringen. Längst geht’s nicht mehr um die kleinen Mosaiksteinchen, die sich immer wieder zu einem merk-würdigen Bild zusammenfügen. Jetzt lautet die Frage: Wer ist der Unbekannte? Wie lassen sich die Fliesen vermarkten? Wen wundert’s, dass just an dem Tag das Fernsehen in der Stadt aufschlägt, an dem ein heller Kopf Fliesenpikto-gramme mit QR-Codes beklebt, deren Entschlüsselung Smartphone-Besitzern allein vorbehalten ist (wie unserer Karikaturist belegt). Eine schicke PR- Aktion des Stadtmarketings, die Bad Oldesloe kurz mal ins Rampenlicht rückt. Mit der Idee des Künstlers - anonym agieren und mit Bildbotschaften den öffentlichen Raum neu entdecken - hat das nichts mehr gemein. Wie der Fliesenleger auf diesen Medienhype reagiert? Vielleicht renoviert er zu Hause erstmal sein Bad - aus Frust!
Angedacht: Stellen Sie sich vor: Sie haben ihr bisheriges Leben in einer Gemeinde verbracht, kennen die in- und auswendig und können sich auf die tolle Nachbarschaft verlassen. Doch dann sind sie gesundheitlich angeschlagen, können das große Haus oder Garten nicht mehr alleine "wuppen" und müssten eigentlich ganz woanders in ein Heim. Da bricht eine Welt zusammen, reißen ruckzuck die Verbindungen ab, droht Vereinsamung. Das muss nicht sein, sagt sich das kleine Delingsdorf und hat eine geniale Idee: Warum nicht zehn Senioren zusammen ziehen lassen. In der WG für Oldies können sie im Ort bleiben, so selbstbestimmt wie möglich wohnen, sich gegenseitig helfen. Und wenn jemand externe Pflege benötigt, wird die eingekauft. Aus vielen Gesprächen weiß Bürgermeister Randolf Knudsen, dass diese Form des Miteinanders erwünscht ist. Und da von den 2200 Einwohnern 15 Prozent über 75 Jahre alt sind, könnte das geradezu eine Marktlücke sein. Ein Pflegedienst steht bereits Gewehr bei Fuß, der beim 1. Infoabend am 23. August ab 19 Uhr im Bürgerhaus Rede und Antwort steht. Da kann gleich ein Investor hinzukommen, um die Sache dingfest zu machen. Glück auf!
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