STORMARNER TAGEBLATT
Eklat im Sozialausschuss
CDU kippt "Stolperstein"
Künstler Gunter Demnig legt vorsichtig letzte Hand ans Mahnmal. In 13 Jahren hat der Bildhauer 22 000 Stolpersteine in halb Europa verlegt: "Sie stehen für sechs Millionen ermordete Juden und weitere sechs bis acht Millionen Menschen, die wegen ihrer Weltanschauung, sexuellen Orientierung, Behinderung oder Rasse umgebracht wurden."
Bad oldesloe. Das ist ja wohl gründlich anders gelaufen als geplant. Ganz zum Schluss der Sozialausschuss-Sitzung erschien Stadtarchivarin Dr. Sylvina Zander und teilte mit, dass Bad Oldesloe am 28. September seinen ersten und Stolperstein bekommen soll.
Der Kölner Künstler Gunter Demnig verlegt diese Steine mittlerweile europaweit im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus - kleine Quader mit Messingplatte, in die biografische Daten eingraviert werden - vor dem ehemaligen Wohnsitz von Opfern der Nazi-Gewaltherrrschaft. In Bad Oldesloe soll an Hans Wöltje erinnert werden. "Als Andersdenkenden versuchten die Nazis ihn auszugrenzen, zu kriminalisieren und als Mensch zu zerstören", schreibt Kreisarchivar Dr. Johannes Spallek. Er hat sich bereits 2000 mit dem Fall intensiv beschäftigt. "Es ist ein ganz dramatisches und gut dokumentiertes Schicksal", so Spalleks Urteil.
Die Zeugen Jehovas hatten den Stolperstein beim Bürgermeister beantragt. Sie übernehmen die Kosten. Die Volksbank, vor deren Gebäude in der Hindenburgstraße der Gedenkstein platziert werden soll, hat keine Einwände. Also gab der Verwaltungs-Chef sein Okay. Dr. Zander vereinbarte einen Ortstermin mit Günter Demnig. Alles schien perfekt, bis die CDU auf den Plan trat.
Sozialausschuss-Vorsitzende Angela Fehrmann brachte ihr "Befremden" und ausdrücklich auch das des CDU- Fraktionsvorsitzenden zum Ausdruck. "Das kann kein Alleingang der Verwaltung sein", argumentierte sie: "Wir werden versuchen, es zu canceln."
Fachbereichsleiter Thomas Sobczak versuchte, das Projekt zu retten: "Wir haben es so eingeschätzt, dass es eine gute und richtige Sache ist." Auch Jens-Pieter Friese kritisierte das Verwaltungshandeln, der Vorfall müsse im Hauptausschuss thematisiert werden. "Aber", so appellierte der Sozialdemokrat, "was ist das für ein Affront, was hätte die Absage für eine Außenwirkung?" Friese sprach von einer unangemessen Reaktion. "Und was soll ich jetzt machen?", wollte eine konsternierte Dr. Sylvina Zander wissen. "Ich würde ihnen dringend raten, noch mal mit dem Bürgermeister zu sprechen", gab Christdemokratin Angela Fehrmann ihr mit auf den Weg.
Amtierender Bürgermeister ist dieser Tage der CDU Fraktions-Chef Horst Möller, und der hat gestern sofort eine Entscheidung gefällt: "Der Termin wird abgesagt. Das Thema kommt noch mal in den Ausschuss und die Stadtverordnetenversammlung." Warum das nötig ist, wo doch alle beteuern, es gehe nicht um die Sache, sondern lediglich ums Verfahren, bleibt offen.
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