STORMARNER TAGEBLATT
"Lübeck kämpft für seine Uni"
Lübeck. War das schon ein schneller Erfolg des Protestes gegen die Uni-Schließung in Lübeck? Wolfgang Ku-
bicki, FDP-Fraktionschef im Landtag, jedenfalls erklärte am Donnerstagabend in Lübeck, dass die Entscheidung neu überdacht werden müsse, für den Fall, dass das Fraunhofer-Institut jetzt nicht nach Lübeck komme. Grundlage für den Spar-
Beschluss sei die Errichtung eines Fraunhofer-Institutes gewesen.
Eigentlich wollte Kubicki beim Verband der Freiberufler und Selbstständigen zum Thema "Wirtschaftskrise und Mittelstand" sprechen. Doch im Saal des Scandic-Hotels am Burgfeld saßen 60 Studenten, und sie hatten ganz andere Fragen an diesem Abend. Kubicki nahm die Herausforderung an und diskutierte zwei Stunden lang über die Sparpläne der Landesregierung.
Vor dem Hotelportal hatten sich unterdessen mehr als 100 Studenten versammelt. Als Wolfgang Kubicki das Gebäude verließ, wurde er mit einem gellenden Pfeifkonzert empfangen. Dann stellte er sich den Demonstranten. Mithilfe eines Megaphons stand er Rede und Antwort. Am Ende des öffentlichen Dialogs kam ihm ein Satz über die Lippen, der Konsequenzen haben dürfte:
"Grundlage für die Entscheidung der Landesregierung war die Errichtung eines Fraunhofer-Instituts in Lübeck", sagte Kubicki. Wenn es das nicht gebe, müsse man neu entscheiden. Denkbar sei ein gleichverteilter Abbau von Medizin-Studienplätzen in Kiel und Lübeck. Das Ein sparvolumen von 125 Millionen Euro stehe zwar fest, Vorschläge seien aber willkommen.
Die Demonstranten "Lübeck kämpft für seine Uni" zogen am Abend weiter zum Marktplatz. Dort sagte Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe noch einmal die volle Unterstützung der Stadt beim Kampf um die Uni zu. Die Bürgerschaft hatte kurz zuvor einstimmig eine Resolution gegen Pläne der Landesregierung beschlossen, den Medizinstudiengang an der Uni Lübeck vom kommenden Sommersemester an einzustellen und sich darüber hinaus gegen eine vollständige Privatisierung des UKSH auszusprechen.
Die von allen in der Bürgerschaft vertretenen Parteien und fraktionslosen Mitgliedern unterschriebene Resolution trägt den Titel "Keine Privatisierung des UKSH - Keine Zerschlagung des Universitätsstandortes Lübeck!"
Zuvor hatte Bürgermeister Bernd Saxe vor der Bürgerschaft versichert, dass ganz Lübeck und die Umlandregion der Hansestadt "wie eine Frau oder ein Mann hinter der Universität stehen" und sich energisch für den Erhalt des Hochschulstandortes einsetzen würden.
In seiner Rede sagte Saxe, er sei davon überzeugt, dass vor der Entscheidung der Landesregierung kein Vergleich der Hochschulen in Kiel und Lübeck vorgenommen worden sei, weil man (vorher) wusste, welche der beiden Unis im Ranking besser abschneiden würde. Der Beschluss der Landesregierung widerspreche mit ihrer Entscheidung auch ihrem eigenen Entwurf eines landesweit wirkenden Wissenschaftsstandortes Schleswig-Holstein. Denn in diesem sei Lübeck stets als "der Medizintechnik-Standort des Landes" bezeichnet worden.
In der anschließenden Debatte sprachen sich Vertreter aller Bürgerschaftsparteien für den Erhalt des UKSH und des Medizinstudiengangs aus. Auch Vertretern des UKSH, darunter dem Chirurgen Dr. Dr. Uwe Roblick, wurde Rederecht in der Bürgerschaft eingeräumt. Roblick sprach davon, dass allein durch die ständig wiederkehrenden Schließungsgerüchte bereits jetzt enormer Schaden entstanden sei. Er warnte davor, dass gut ausgebildete Lübecker Uni-Ärzte das Klinikum innerhalb kürzester Zeit verlassen könnten, würde man diesen hoch qualifizierten Fachkräften keine Perspektive mehr in Lübeck bieten.
Lust auf mehr? Das Stormarner Tageblatt jetzt
2 Wochen kostenlos testen.





