STORMARNER TAGEBLATT
Alice Cooper golft auf Gut Glinde
Glinde. Morgens 8 Uhr auf dem Golfplatz Gut Glinde. Eine schwarze Limousine fährt vor, die Türen gehen auf und Alice Cooper, Rockstar mit Hang zu Horrorshows, steigt aus. "What a beautiful morning und jetzt geht es auf die Golfrunde." Kein zur Fratze geschminktes Gesicht ziert den 62-Jährigen, sondern ein Golfcap hält die zum Zopf gebundenen schwarzen Haare zurück. Die Kleidung golfsportmäßig dezent: helle Baumwollhose, schwarzes Polohemd und weiße Golfschuhe.
Auf ihn wartet schon der Vorstand des GC St. Pauli bei dem der Handicap-4-Spieler 2009 in die Hall of Fame aufgenommen wurde und Ehrenmitglied ist. "Hey Jungs", begrüßt Alice Cooper seine Gastgeber strahlend und wirkt absolut tiefenentspannt. Mit dem Treffen löste der Rockstar ein Versprechen ein, das er dem Kiezclub im November 2009 gegeben hatte: eine gemeinsame Golfrunde mit anschließender Signierstunde für den guten Zweck. Der GC St. Pauli unterstützt Kinder auf St. Pauli, die durch das Golfen vielleicht Chancen auf einen späteren Praktikums- oder Ausbildungsplatz erhalten.
"Morgens auf dem Golfplatz spielen, abends auf der Bühne - ist das nicht großartig?", freute sich Cooper und alberte mit seinem persönlichen Assistenten Jamie Johnston sowie Leadgitarrist Damon Johnson rum, der am ersten Abschlag noch nervös war: "Auf der Bühne stehst du vor 20 000 Leuten, und hier zitterst du vor 10?" Die Nervosität legte sich, Damon spielte eine fabelhafte Runde, und Alice bekannte: "Mein Bunkerspiel macht mir öfters den Score kaputt …" Das war allerdings übertrieben, denn Coopers Golfspiel kann sich sehen lassen: "Auf 100 Konzerte im Jahr kommen 75 Runden Golf", berichtet der US-Amerikaner, der mit bürgerlichem Namen Vincent Damon Furnier heißt.
"Das Golfen war meine Rehab", erzählt der Rocker, der vor 30 Jahren über den konzentrierten Sport vom Alkohol wegkam.
Topfit ist er heutzutage. Und nur so lässt sich sein Megaprogramm erklären: Noch am Vorabend rockte Alice Cooper mit seiner Band über den Bonner Museumsplatz und bot eine spektakuläre Show, die begeistert gefeiert wurde. Über Nacht ging es im Tourbus nach Hamburg, wo Pressetermine und eine Autogrammstunde auf ihn warteten. Zeit genug für ihn, morgens 18 Löcher Golf zu spielen - möglichst in Ruhe, weshalb die Golfrunde noch am Dienstagmorgen "top secret" war.
Bevor die schwarze Limousine allerdings vor dem Clubhaus in Glinde in ein Elektro-Cart umgetauscht wurde, war der bescheidene Sonderwunsch des Alt-Rockers bereits erfüllt: kalte Coca Cola light zum Mitnehmen auf die Runde.
"Let’s go Boys", gab Alice Cooper das Kommando und hätte sich wahrscheinlich gewundert, wenn er das laute Herzklopfen seines Mitspielers Roy Velthuis hätte hören können. Velthuis, zum dritten Mal amtierender "Hafenmeister" des Golfclub St. Pauli, somit ebenfalls neuer Ehrenanker-Träger und Handicap-Plus-1,1-Golfer, beruhigte sich erst wieder, als Cooper nach einem verzogenen Abschlag locker scherzte: "Shit, das war der Rockstar Mulligan!"
Aus dem "beautiful morning" wurde ein "beautiful day" und Alice Cooper schwärmte: "Beim nächsten Hamburg-Trip verbringen wir hier wieder so eine coole Golfrunde mit euch St. Pauli-Golfern!"
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