STORMARNER TAGEBLATT
Rausdorfs teure Angelegenheit
Rausdorf. Es wird teuer für die kleine Gemeinde Rausdorf. Mindestens eine Viertelmillion Euro werden für die ordnungsgemäße Entsorgung des Regenwassers fällig. Nach den bisher vorliegenden Plänen belaufen sich die Kosten sogar auf das Doppelte, fast eine halbe Million. Das würde jeden Einwohner mit 2121,74 Euro belasten, hat Bürgermeister Gunter Behncke ausgerechnet. Und deshalb möchte er zumindest ein abgespecktes Entwässerungsprojekt verwirklichen. Denn die Kosten müsste die Gemeinde mit nur 230 Einwohnern durch neue Kredite decken.
Die Bürger würden dafür mit einer Regensteuer zur Kasse gebeten. Und da nicht alle Rausdorfer die neue Anlage nutzen werden, könnten die Kosten jedoch nicht auf alle umgelegt werden. Nur 30 bis 40 Häuser an der Großenseer Straße, der Alten Dorfstraße, dem Papendorfer Weg und der Hauptstraße würden davon betroffen sein. Sie müssten mit Kosten von jeweils 10 000 bis 15 000 Euro rechnen, schätzt Behncke. Mit Zuschüssen sei indes nicht zu rechnen.
Etwa 80 Bürger nahmen jetzt an der Einwohnerversammlung im Bürgerhaus teil. Die hatte Behncke kurzfristig einberufen, um über eine kostengünstigere Lösung zu beraten: "Die Einleitungsgenehmigung durch die Untere Wasserbehörde des Kreises läuft aus." Bis Ende 2014 müssten die neuen Auflagen erfüllt werden.
Es geht um die Reinhaltung der Bäche Corbek und Traden bek, in die ein Teil des Oberflächenwassers bisher ungeklärt eingeleitet wird. Das ist nicht mehr zulässig, weil das von den Durchgangsstraßen im Ort kommende Regenwasser als zu verschmutzt gilt. Ein Ingenieurbüro hatte die aktuellen Pläne beim Kreis eingereicht, die auch genehmigt wurden. Darin ist der Bau von zwei Klärschächten und eines Klärbeckens auf der Westseite von Rausdorf vorgesehen. Zudem soll ein Teich als Sickerbecken errichtet werden. "Wir wurden damit schlecht beraten", ist Behncke überzeugt. Der Bürgermeister ist seit zehn Monaten im Amt und hat das Projekt als Erbe übernommen.
Behncke ist selbst Tiefbauingenieur und hat nach einer Alternative gesucht. "Im Westteil von Rausdorf könnten wir ohne Klärschächte auskommen und das Wasser in Querschächten innerorts versickern lassen", sagt er. Das Nass möglichst in der Region zu belassen und damit die Hochwassergefahr zu mindern, sei auch Ziel des Gesetzes. Außerdem könne die Alte Dorfstraße für den landwirtschaftlichen Verkehr gesperrt werden. Durch die Maßnahmen würden Anforderungen des Gewässerschutzes erfüllt und Investitionskosten halbiert. Damit würde der Anteil von Schmutzwasser im Westen Rausdorfs auf weniger als 25 Prozent gesenkt, eine Vorklärung wäre nicht mehr nötig.
Um seiner Gemeinde die höheren Kosten zu ersparen, hat Behncke auch schon einen Brief an Ministerpräsident Peter Harry Carstensen geschickt. Der verwies auf das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume. Das stehe dieser Alternative aufgeschlossen gegenüber und habe bei einem kürzlichen Gespräch seine Unterstützung zugesagt. Allerdings sei die Untere Wasserbehörde nicht weisungsgebunden.
"Deshalb müssen wir jetzt den Kreis überzeugen", sagt Behncke. Er sei guter Hoffnung, dass es mit vernünftigen Argumenten möglich sei: "Sonst würde Steuergeld aus dem Fenster geworfen, das sinnvoller eingesetzt werden könnte." Ein anderes Ingenieurbüro für die Neuplanung wurde bereits gefunden und auch Arnd Wendland vom Zweckverband Obere Bille will die Gemeinde unterstützen. Bereits die Schmutzwasserentsorgung belastet die Bürger: 6 Euro Grundgebühr und 5,79 Euro pro Kubikmeter Abwasser sind bundesweit ein Spitzenwert.
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